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    Drama, Kriegsfilm | USA 2006
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      • | Zusammenstoß der Nationen

      • Im Juni 1944, als sich das Kriegsglück unaufhaltsam gegen die Japaner wendet, betritt ein neuer Kommandeur Iwo Jima – Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi der kaiserlichen Armee (Ken Watanabe), eine Persönlichkeit, der auch heute noch beiderseits des Pazifiks Respekt gezollt wird als jener japanische Kommandeur, der den amerikanischen Truppen im Pazifik den erbittertsten Widerstand leistete.

        Da Kuribayashi in Amerika studiert hatte, kannte er die militärische und technologische Macht des Westens sehr genau. In seine Hände legte Japan das Schicksal Iwo Jimas, jener Inselgarnison, die als letztes Bollwerk in der Verteidigung der Nation galt. Im Unterschied zu allen Kommandeuren, die die Mannschaften und Offiziere bisher erlebt haben, modernisiert Kuribayashi den militärischen Betrieb auf Iwo Jima sofort, setzt bei der seit Jahren angewendeten improvisierten Taktik auf diesem Außenposten neue Schwerpunkte und reduziert die unfaire körperliche Züchtigung von Untergebenen.

        In der infernalischen Hitze und schwefelgeschwängerten Luft auf Iwo Jima überwacht Kuribayashi den Bau einer unterirdischen Festung, die aus einem Tunnellabyrinth besteht – es wird in den schwarzen, vulkanischen Fels der Insel getrieben. Obwohl die Tunnel unter grausigen Bedingungen entstanden, weil die Männer nur ungenügend mit Nahrung und Wasser versorgt wurden, verschafften sie den Truppen den unbedingt notwendigen strategischen Vorteil gegenüber den massiven amerikanischen Truppenverbänden, die zu diesem Zeitpunkt bereits in Richtung Iwo Jima unterwegs waren. Am 19. Februar 1945 strömten diese Streitkräfte schließlich auf den Strand.

        Angesichts der überwältigenden Überzahl der Invasoren erwartete man, dass die Japaner nicht länger als fünf Tage durchhalten würden. Doch durch Kuribayashis revolutionäre Taktik verwandelte sich die Invasion in eine historische Schlacht, die über einen Monat dauerte.

        Mitten im Krieg, in dem der Tod als ehrenvoll gilt, befiehlt General Kuribayashi seinen Männern, um ihr Leben zu kämpfen, bis zum Ende durchzuhalten, die Insel kompromisslos zu verteidigen und die Kräfte der Amerikaner so lange wie möglich zu binden, um die japanische Heimat und die Familien daheim zu schützen.

        Die Darstellung dieses vielschichtigen, hervorragenden Taktikers von Iwo Jima vertraute Eastwood dem Oscar-Kandidaten Ken Watanabe an, den er seit seinen Rollen in „Memoirs of a Geisha“ (Die Geisha) und „The Last Samurai“ (Last Samurai) bewunderte. „Wir haben uns vor einigen Jahren bei der Oscar-Verleihung kennengelernt“, erinnert sich Eastwood. „Mich beeindruckte nicht nur sein schauspielerisches Können, sondern auch seine Persönlichkeit. Er wirkt privat genauso überzeugend wie auf der Leinwand – deshalb wusste ich, dass er das Zeug dazu hatte, General Kuribayashi zu spielen.“

        Der weltweit renommierte Schauspieler war überrascht zu erfahren, dass General Kuribayashi zu den wenigen japanischen Offizieren gehörte, die die Vereinigten Staaten sehr gut kannten. „Er studierte in den USA und in Kanada, war pro-amerikanisch eingestellt, hatte viele amerikanische Freunde“, berichtet Watanabe. „Er hat mit ganzer Kraft um sein Leben, für sein Land und seine Familie gekämpft, aber er stand auch vor dem Dilemma, dass er gegen einen Freund kämpfen musste, gegen die Vereinigten Staaten.“

        Watanabe war von dieser Persönlichkeit hinter der historischen Schlacht fasziniert und engagierte sich intensiv für die Rolle, machte aufgrund seiner eigenen Recherchen sogar der Drehbuchautorin Vorschläge. „Ken besuchte General Kuribayashis Heimatort, lernte seine Familie kennen und nahm ein Gefäß mit Wasser mit, das er am Denkmal für General Kuribayashi auf der Insel platzierte – so ehrt man in Japan traditionell die Verstorbenen“, erklärt Produzent Lorenz.

        Als der Zeitpunkt kam, dass Watanabe auf der Insel selbst vor die Kameras treten sollte, war der Schauspieler emotional tief ergriffen. „Er sagte sogar, er sei froh, dass die meisten Szenen zu dem Zeitpunkt in Los Angeles bereits abgedreht waren“, erinnert sich Lorenz. „Er war gefühlsmäßig so mitgenommen, dass er fürchtete, nach der Erfahrung vor Ort auf Iwo Jima die Rolle nicht weiter spielen zu können.“

        Eastwood und seine langjährige Mitarbeiterin, die inzwischen verstorbene Besetzungschefin Phyllis Huffman, arbeiteten mit dem in den USA tätigen japanischen Besetzungschef Yumi Takada und mit Warner Entertainment Japan zusammen, um geeignete Darsteller für den Film auszusuchen.

        „Ich kannte kaum einen der Darsteller, deswegen schaute ich mir ihre Filme und ihre Videotests an“, sagt Eastwood. „Das Schauspielhandwerk ist allerdings überall dasselbe. Wer mich überzeugt, der überzeugt mich auch, wenn ich die Sprache nicht verstehe.“

        Kazunari Ninomiya erfreut sich als Mitglied der Popgruppe Arashi großer Beliebtheit und hat sich auch als Fernseh- und Bühnendarsteller einen guten Ruf erworben – er übernimmt die Rolle des gutmütigen Obergefreiten Saigo, der seiner geliebten Frau Hanako (Nae) verspricht, er werde am Leben bleiben und vom Schlachtfeld zurückkehren, denn er will wenigstens einmal seine neugeborene Tochter sehen. „Ich spiele einen ganz normalen Bäcker, der in eine Situation gerät, in der er unmenschlich handeln muss, um sein eigenes Leben zu retten“, sagt Ninomiya.

        Saigo gehört zu den Soldaten, deren brutale Bestrafung Kuribayashi verbietet. Durch diese Gnade spürt er neuen Lebenswillen in sich. „Der Krieg ist derart grausam, dass er nichts übrig lässt – die Kriegsnarben verschwinden niemals“, sagt Ninomiya.

        General Kuribayashis Art, die Konventionen auf den Kopf zu stellen, bringt einige altgediente Offiziere gegen ihn auf, aber er schafft sich dadurch auch zuverlässige Verbündete wie Oberstleutnant Takeichi Nishi (Tsuyoshi Ihara), einen bekannten Aristokraten, der 1932 als Reiter bei den Olympischen Spielen in Los Angeles eine Goldmedaille gewann. Die Rolle des Baron Nishi übernahm Tsuyoshi Ihara – er stieg in Japan mit Filmen wie „Han-ochi“ und „Minna no Ie“ zum Star auf, profilierte sich aber auch mit der Bühnenrolle in „Rouningai“. „Bei den Olympischen Spielen wurde der Baron zum Ehrenbürger von Los Angeles ernannt“, berichtet Ihara. „Er war in Amerika sehr bekannt und beliebt. Deshalb hieß es in Japan, man sollte Baron Nishi allein in die Vereinigten Staaten schicken – er hätte auf diplomatischem Parkett viel mehr Erfolg gehabt als die meisten echten Diplomaten.“

        Wie General Kuribayashi sah auch Baron Nishi die Amerikaner als seine Freunde an. Tatsächlich entdeckten die Filmemacher bei ihren Nachforschungen die Geschichte des amerikanischen Filmemachers Sy Bartlett, der Baron Nishi damals in Los Angeles kennengelernt hatte. „Bartlett traf auf Iwo Jima ein, nachdem die Amerikaner sich dort festgesetzt hatten, und erfuhr, dass sich sein Freund Baron Nishi auf der Insel befand“, erklärt Lorenz. „Also ließ er ihn über die Lautsprecheranlage ausrufen und bat ihn, sich zu ergeben.“

        „Ich würde gern wissen, was er empfunden hat, als er die Durchsage der US-Army hörte, die etwa den Wortlaut hatte: ,Baron Nishi, Sie sind unser Freund, bitte kommen Sie heraus!‘“ sagt Ihara. „Es wäre schön, wenn wir mit diesem Film deutlich machen könnten, warum die Menschen sich bekämpfen.“

        Der Stabsgefreite Shimizu, ein junges und idealistisches ehemaliges Mitglied der Militärpolizei in Tokio, muss im Krieg eine harte Lektion lernen – er wird von Ryo Kase dargestellt, der mit seinen außergewöhnlichen Auftritten in Filmen wie „Pacchigi!“, „Antenna“ und „Scrap Heaven“ bekannt wurde. „Shimizu entdeckt, dass er die Wahl hat und Dinge ändern kann – er hält sich nicht an seine Ideale, gibt sie aber auch nicht vollständig auf –, sogar in Situationen, in denen Ideale nichts mehr wert sind“, sagt Kase. „Ich finde, dass er in dieser Situation sehr mutig die richtige Wahl trifft.“

        Während der Dreharbeiten versetzte Kase sich in die Lage des Mannes, den er darstellt: „Ich spürte das übermächtige Gefühl, nie sterben zu wollen. Während des Drehs wollte ich unbedingt uralt werden. Und jetzt merke ich, dass ich mir diese Empfindung mein ganzes Leben lang bewahren sollte.“

        Shidou Nakamura ist ein berühmter Kabuki-Darsteller, der sich auf der Leinwand mit seiner Hauptrolle in dem Film „Yamato“ profilierte. Weitere Rollen übernahm er in „Ping-Pong“ und „Ima Ai ni Yukimasu“, und international bekannt wurde er neben Jet Li in „Fearless“ (Fearless). Hier spielt er Leutnant Ito, einen Offizier traditionellen Zuschnitts, der Kuribayashis unkonventionelle Strategie zunächst ablehnt. „Er ist ein strenger Krieger, der für die Laufbahn des Berufsoffiziers erzogen und ausgebildet worden ist“, sagt Nakamura. „Sogar in dieser aussichtslosen Lage würde er sich als Mann von Ehre eher selbst das Leben nehmen als durch Rückzug sein Leben zu retten. Man kann Mitleid mit Ito haben, aber ich finde, dass er sehr menschlich handelt.“

        Als die Dreharbeiten begannen, gab es praktisch keine Sprachbarriere zwischen dem amerikanischen Regisseur und seinen japanischen Darstellern: Sie verständigten sich offenbar jenseits des gesprochenen Wortes. „Ich muss sagen, dass dieses Schauspielerensemble mit allen mithalten kann, die bisher mit mir gearbeitet haben“, sagt Eastwood. „Ich habe zuvor schon mit recht guten Schauspielern zu tun gehabt, aber die Arbeitsmoral dieser Gruppe war absolute Spitze. Die Arbeit lief sehr locker und angenehm, obwohl ich kein Wort von dem verstand, was sie sagten“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

        Die Schauspieler empfanden den Film als wunderbare Gelegenheit, mit dem Meister an einem Projekt zu arbeiten, das ihnen allen viel bedeutet. „Für mich als Schauspieler, vor allem aber als Mensch war die Arbeit mit Clint Eastwood eine kostbare, sehr schöne Erfahrung“, sagt Tsuyoshi Ihara. „Clint Eastwood und das gesamte Team bemühten sich, einen wirklich hervorragenden Film zu drehen. Das prägte die Stimmung am Set. Sie haben uns sehr freundlich aufgenommen und behandelt. Auch wenn wir aus einer anderen Kultur stammen und eine andere Sprache sprechen, sollte das bei der Arbeit von Schauspielern und Schauspielerinnen keine Rolle spielen. Mehrfach habe ich gewagt, eigene Vorschläge zu machen, und er akzeptierte sie. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

        Shidou Nakamura stimmt ihm zu. „Der Dreh kam mir vor wie eine längere Unterhaltung“, sagt er. „Wir haben uns ganz natürlich in unsere Darstellung eingebracht.“

        Dazu die Schauspielerin Nae, die Saigos Frau spielt: Als ich ,Million Dollar Baby‘ sah, träumte ich davon, in seinem Film mitzuwirken. Es war tatsächlich traumhaft, unter seiner Regie zu arbeiten. Er ist ein sehr sanfter, hervorragender Regisseur.“

        Eastwoods Gewohnheit, die Ausgestaltung der Rollen den Schauspielern selbst zu überlassen, ist laut Executive Producer Paul Haggis eine besondere Gabe des Regisseurs: „Er liebt die Haiku-Philosophie. Er spürt die Emotionen in einer Szene auf, überlässt die Umsetzung aber den Schauspielern in ihrem Bereich selbst – das ist eine Kooperation unter Künstlern. Das ist Teamarbeit. Und wahrscheinlich mögen ihn die Kreativen gerade deshalb. Die Schauspieler mögen ihn, und die Autoren auch. Er erwartet immer Höchstleistungen von uns. Das heißt, er fordert sie, doch dann akzeptiert er, was wir liefern. Und dann geht er über zur nächsten Szene – eine wunderbare Art, Filme zu machen.“

        Obwohl die Schauspieler auch Szenen mit den unaussprechlichen Brutalitäten des Krieges darstellen mussten, gab Eastwood ihnen genügend Zeit, die wahrhaften Momente in Ruhe auszuloten. „Er hörte sich meine Meinung an und hat sie oft übernommen“, erinnert sich Ken Watanabe. „In der Hinsicht war er wie ein Vater zu mir. Die Stimmung am Set ist immer freundlich, konzentriert, intelligent und in jeder Phase sehr angenehm.“

        Wie in „Flags of Our Fathers“ werden in „Letters From Iwo Jima“ Schlachtsequenzen verwendet, die auf den schwarzen isländischen Sandstränden und auf Iwo Jima selbst entstanden. Weitere Szenen des Films wurden in den Warner-Bros.-Studios sowie an Schauplätzen in und um Los Angeles gedreht.

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