„Das einzige, was ich noch nie getan hatte, als ich meinen ersten Spielfilm drehte, war die Arbeit mit professionellen Schauspielern“, gesteht Rian Johnson. „Ich hatte davor richtig Angst. Ich befürchtete, sie könnten sich vielleicht in einer Art Geheimsprache unterhalten, die ich nicht verstehen würde, oder es gäbe eine besondere Weise, wie man mit ihnen kommunizieren müsse. Aber ich habe schnell gelernt, dass es vor allem darum geht, dass man die Geschichte gut kennt, die man erzählen will. Wenn das der Fall ist, dann ist es letztlich doch nur ein Aufeinandertreffen mit coolen Leuten, die in ihrem Job richtig gut sind und dabei helfen, diese Geschichte zum Leben zu erwecken.“
Genauso ging es dem Regisseur mit der Besetzung von BROTHERS BLOOM. „Viele Schauspieler in Hollywood wollten sich mit Rian treffen und in diesem Film mitspielen“, erinnert sich Bergman. „Es ging für Rian also wirklich nur darum, auszuwählen, wen er in seinem Film sehen wollte.“
Wendy Japhet ist sich sicher, dass es das Drehbuch war, das eine so hochkarätige Riege von Schauspielern für den Film begeisterte: „Dass wir solche phänomenalen Stars für den Film gewinnen konnten, lag nicht daran, dass wir besonders viel Geld auf den Tisch legten, sondern daran, dass die Themen des Films nicht nur Spaß machen, sondern auch im Leben von entscheidender Bedeutung sind.“
Zur Besetzung des Films gehören drei Oscar® Gewinner, eine Oscar®-Nominierte und einige der zurzeit angesehensten Schauspieler Hollywoods. Die meisten von ihnen kennt man vor allem für ihr enormes Talent in dramatischen Rollen, doch BROTHERS BLOOM gab ihnen die Möglichkeit, auch mal ihre komödiantischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. „Unser Cast ist wirklich überraschend“, bestätigt Stern. „Natürlich sind Adrien, Mark, Rachel und Rinko allesamt fantastische Schauspieler. Aber ich bin mir sicher, dass die Zuschauer von ihnen dieses Mal überrascht sein werden. Rachel beispielsweise ist so einnehmend. Abgesehen davon, dass sie eine großartige ernsthafte Schauspielerin ist, waren wir unglaublich angetan von ihrem Charisma.“
Weisz, die für DER EWIGE GÄRTNER („The Constant Gardener“, 2005) einen Oscar® als Beste Nebendarstellerin gewonnen hatte, war begeistert von Johnsons unkonventionellem Drehbuch: „Es war sehr clever, sehr bewegend und sehr witzig. Und es ist wirklich sehr schwierig, interessante Frauenrollen zu finden, die nicht bloß ein Klischee sind. Ich konnte in diese Figur nichts aus vorherigen Rollen mit einbringen, so einzigartig ist Penelope.“
„Sie ist eine wirklich ungewöhnliche Figur“, fährt Weisz fort. „Sie hat eigentlich nie in ihrem Leben das Haus verlassen, bis sie Anfang 30 ist, was natürlich eine interessante Herausforderung ist, denn wie spielt man so etwas? Sie könnte sich als Gefangene fühlen und ihr Leben als beengt und langweilig empfinden. Oder sie könnte eben das genaue Gegenteil tun, sich freuen, in diesem besonderen Haus zu leben und sich mit Hingabe jedem Buch, jeder Gabel, jedem Gegenstand widmen.“
Die Verschrobenheit ihrer Figur machte Weisz großen Spaß: „Penelope macht ihr Haus zu ihrem Universum. Sie eignet sich ein ungewöhnliches Hobby nach dem nächsten an, vom Skateboardfahren über Tischtennis bis hin zu Gymnastik. Sie stellt Lochkameras aus Dingen wie Wassermelonen her und spricht vierzehn Sprachen fließend, darunter Russisch und Tschechisch, was ihr bei den Abenteuern mit den Brüdern natürlich gelegen kommt.“
Genau wie Bloom lebt Penelope in ihrer eigenen kleinen Welt, betont die Schauspielerin: „Der Unterschied ist allerdings, dass Blooms Welt für ihn von seinem Bruder Stephen geschaffen wird. Zwischen ihm und ihr entwickelt sich eine schrullige Romanze. Im Grunde ist es wie mit zwei Kindern, die sich in der Sandkiste treffen. Das eine schnappt sich die Schaufel des anderen und es gibt eine kleine Rangelei, aber nach einer Weile fällt ihnen auf, dass der andere ziemlich cool ist. Wobei Penelope natürlich keine Ahnung hat, dass Bloom nur in die Sandkiste gekommen ist, um all ihre Spielsachen zu klauen.“
Mit Rian Johnson zu arbeiten war für die erfahrene Schauspielerin eine neue Erfahrung. „Ich habe noch nie jemanden wie Rian kennen gelernt“, berichtet Weisz. „Schon wenn man das Drehbuch liest, kann man nur staunen, wie viel Einfallsreichtum wohl in seinem Kopf herrschen muss. Am besten gefiel mir, wie er sich in all diese unterschiedlichen Figuren hineinversetzte. Er kann die Geschichte genauso aus meiner Perspektive wie aus der Bang Bangs, Stephens oder Blooms betrachten. Das macht meiner Meinung nach einen guten Regisseur aus.“
Weisz erinnert sich, dass sie Johnson fragte, ob er für BROTHERS BLOOM einen bestimmten Schauspielstil im Sinn habe: „Er sagte, ihm schwebe etwas Angestaubtes vor. Ich war mir nicht sicher, was er meinte. Wie ein Gegenstand, der schon etwas zu lange herumsteht und verstaubt ist, nicht mehr perfekt und poliert ist, erklärte er. Ich empfand das als eine tolle Art, seine Vorstellung zu beschreiben, und wollte sofort bei seinem Film mitmachen.“
Weisz’ Name auf der Besetzungsliste machte für Adrien Brody, der für DER PIANIST („The Pianist“, 2002) seinerseits einen Oscar® gewann, einen Teil des Reizes aus: „Sie ist enorm fokussiert, was es sehr einfach macht, vor der Kamera Intimität zwischen zwei Menschen entstehen zu lassen. Sie ist vollkommen darauf konzentriert, die Emotionen der Geschichte Wirklichkeit werden zu lassen.“
„Bloom und Stephen haben sich ein Leben erschaffen, in dem sie all den Schmerzen, die uns Menschen gemeinhin begegnen, aus dem Weg gehen“, beschreibt Brody die Brüder. „Sie haben sich eine aufwändige Fantasiewelt ausgedacht, in der sie die meiste Zeit auch leben. Mich interessierte daran vor allem, dass ich eine Parallele zum Leben als Schauspieler entdeckte. Bloom ist letzten Endes ein echter ‚Method Actor’, der diese künstlichen Lebensentwürfe tagtäglich mit Haut und Haar lebt und sich richtig emotional involviert, obwohl er genau weiß, dass alles nur ein Spiel ist. Aber auch als Schauspieler kann man eben unfassbar tief greifende Erfahrungen machen, die einem viel über einen selbst und das Leben lehren. Sogar wenn am Ende immer irgendwer ‚Cut’ ruft!“
Brody und Mark Ruffalo waren sich schon vorher begegnet, doch BROTHERS BLOOM stellt die erste Zusammenarbeit der beiden dar. „Mark ist ein nachdenklicher und rücksichtsvoller Mensch“, beschreibt Brody seinen Filmbruder. „Ich bewundere das Leben sehr, das er lebt. Es gelingt ihm, dass sowohl sein beruflicher als auch sein familiärer Alltag reibungslos ablaufen. Dabei ist es in unserem Beruf nicht gerade einfach, diese beiden Aspekte in Balance zu bringen und beidemgleichermaßen viel Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.“
Laut Ruffalo haben sich die sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der beiden Kollegen gegenseitig beeinflusst: „Jedes Mal, wenn man mit einem anderen Künstler zusammenarbeitet, wirkt sich das auf einen selbst aus. Adrien etwa hat ein faszinierendes Gespür dafür, wo die Kamera ist und wie man sich das zunutze macht, worüber ich eigentlich gar nicht viel nachdenke. Ihm bei der Arbeit zuzuschauen, hat mir sehr geholfen, das auch für mich mehr zu übernehmen. Gleichzeitig bin ich beim Spielen ein wenig chaotischer als er. Ich gehe die Sache gerne leicht und verspielt an, während Adrien sehr konzentriert ist. Da haben wir uns beide beim anderen eine Scheibe abgeschnitten.“
Anfangs war Ruffalo unsicher, ob er der richtige Schauspieler für die Rolle des Stephen sei, wie er selbst gesteht: „Die Geschichte ist wahnsinnig kreativ, aber ich kenne nicht viele Regisseure, die so etwas auch umsetzen können. Der Film springt leichtfüßig von magischem Realismus zur Komödie, dann ist er wieder ein packendes Drama. Ich hatte nicht auf Anhieb das Vertrauen, dass ich all diese Stimmungs- und Tempowechsel ohne weiteres hinbekommen würde. Bei meinem Treffen mit Rian machte ich keinen Hehl aus meinen Zweifeln. Aber er war überzeugt davon, dass ich falsch liege.“
Als Inspiration für seine Rolle dienten Ruffalo einige großspurige Persönlichkeiten, denen er im Laufe seiner Schauspielerkarriere über den Weg gelaufen waren: „In der Regel macht es Spaß, solche Menschen um sich zu haben, denn sie sprühen nur so vor Leben und ihre verspielte Ausgelassenheit verleitet einen dazu Dinge zu tun, die man sonst vielleicht nie tun würde. Als Ausgangspunkt für Stephen war das ideal.“
Genau wie Brody sieht auch Ruffalo eine Verbindung zwischen dem Leben der Brüder und seinem als Schauspieler. „Schauspieler sind nur einen Wohnsitz entfernt davon, Zigeuner und Bänkelsänger zu sein“, erläutert er. „Man ist in einem fremden Land, spricht die Sprache nicht und legt sein Leben in die Hände fremder Leute. Zum echten Zigeunerleben fehlt da nicht mehr viel. Wir sind wie ein Wanderzirkus, der für einen kurzen, aber sehr intensiven Moment zusammenkommt und sich dann wieder in alle Himmelsrichtungen verteilt. Es ist eigentlich eine absolut unmögliche Art, sein Leben zu führen!“
Die japanische Schauspielerin Rinko Kikuchi kennt das Publikum durch ihre Oscar®-nominierte Rolle als junge Taubstumme in Alejandro González Iñárritus Drama BABEL („Babel“, 2006). Doch es wird zweimal hingucken müssen, um sie als Stephens stille, aber tödliche Komplizin Bang Bang wiederzuerkennen. „Wegen BABEL halten viele Leute Rinko für eine ganz ernsthafte Schauspielerin“, meint Stern. „Aber hier beeindruckt sie in ihren Szenen vor allem durch komödiantisches Timing.“
Bang Bang ist eine Sprengstoffexpertin mit ungewöhnlichem Modegeschmack. Ihre Hingabe an Stephen bricht sich vor allem in unerwarteten Angriffen ihrerseits Bahn, die seine Wachsamkeit und Verteidigungsfähigkeit schärfen sollen, ganz im Sinne Katos und Inspector Clouseaus. „Auch wenn sie nicht viel sagt, verkörpert Rinko diese Figur vollkommen“, lobt Brody seine Kollegin. „Sie hat all das zu bieten, wonach Rian vermutlich suchte: Humor, Sexappeal und Coolness. Und sie bringt das mit spielender Leichtigkeit auf die Leinwand.“
Eine der geheimnisvollsten Personen in Blooms Umfeld ist der Kurator Maximilian Leville, gespielt von Robbie Coltrane. „Am Drehbuch reizte mich vor allem, dass es so unglaublich witzig war“, erklärt der Brite, zu dessen vielfältigen Rollen auch die des grummeligen, aber warmherzigen Rubeus Hagrid in den HARRY POTTER Filmen gehört. „Man hat bestimmte Erwartungen an die Figuren, die sie dann aber permanent wieder untergraben. Die Dialoge sind unfassbar schnell und amüsant, und die Handlung ist wunderbar verschnörkelt.“ „Die Arbeit an diesem Film hat mir wirklich wahnsinnig viel Spaß gemacht“, fährt er fort. „Mark Ruffalo und ich imitierten die ganze Zeit Marlon Brando und zitierten gleichzeitig ganze Dialoge aus DIE FAUST IM NACKEN („On the Waterfront“, 1954). Die anderen waren irgendwann richtig gelangweilt und stöhnten immer, wenn wir wieder den Stereo-Brando machten.“ Überhaupt beschreibt Coltrane die Arbeit an BROTHERS BLOOM als Traumjob: „Das Schönste war, dass wir allesamt so große Filmfans waren. Viele Menschen sind ja nur beim Film, weil sie reich und berühmt werden wollen. Aber zum Glück gibt es auch immer wieder welche, die das Kino einfach lieben und schon als Kind mit großen Augen Filme schauten und ein Teil dieser Traumfabrik sein wollten.“
„Kürzlich dachte ich darüber nach, wem unser Film wohl gefallen könnte. Ich bin ein alter Mann von 59 Jahren und liebe ihn. Aber ich bin mir sicher, dass mein Sohn ihn genauso lieben wird, denn er ist schnell, smart, frech und subversiv und hat also alle Qualitäten, die ein Kultfilm für junge Leute haben muss“, ergänzt Coltrane.
Regisseur Johnson kann sein Glück immer noch nicht fassen, dass er mit so talentierten Schauspielern zusammenarbeiten durfte: „Es war für mich eine enorme Freude, jeden einzelnen dieser Schauspieler und ihre Arbeitsweise kennen lernen zu dürfen. Jeder Tag, an dem ich ihnen bei ihren Szenen zuschauen durfte, fühlte sich an, als hätte ich einen Platz in der ersten Reihe. Es war für mich jedes Mal aufs Neue verblüffend, sie bei der Arbeit beobachten zu können, denn sie sind einfach unglaublich gut in dem, was sie tun.“