Obwohl seine Schauspieler und Mitarbeiter Johnson Komplimente dafür aussprechen, dass er am Set genau weiß, was er will, freut sich der Regisseur selbst bei einem Film am meisten auf die konstruktive Zusammenarbeit mit seinem Team: „Wenn ich das Drehbuch geschrieben und all die Storyboards entworfen habe, existiert in meinem Kopf bereits eine Version des Films. Bis die Produktion endgültig beginnt, habe ich den dann aber meist schon ein wenig satt, schließlich bin ich ihn tausendmal durchgegangen. Also ist es für mich ein enormes Vergnügen, ihn endlich mit Designern, Schauspielern, dem Kameramann und dem Cutter zu teilen.“
„Wenn jeder seinen Senf dazu gibt, verändert sich der Film zwangsläufig“, fährt er fort. „Gemeinsam entdecken wir Neues, alles wird noch einmal sehr spannend und lustig. Man muss die Welt, die man zuvor alleine geschaffen hat, den neuen Bedingungen natürlich anpassen. Aber wenn man die erste Version genau im Kopf hat, ist das erstaunlich einfach. Das Schreiben des Drehbuchs funktioniert ja letztlich auch kaum anders, denn auch da verändert man schließlich bereits geschriebene Szenen sobald man einen neuen Einfall hat. Nicht umsonst bemüht man sich ja, möglichst begabte, kreative Mitarbeiter zu engagieren – damit man all ihre guten Ideen in den Film integrieren und am Ende als die eigenen ausgeben kann.“
Als Kameramann für BROTHERS BLOOM wählte Johnson Steve Yedlin aus, mit dem er bereits zuvor zusammen gearbeitet hatte. „Steve war das erste Teammitglied, auf das Rian sich festlegte“, erinnert sich Bergman. „Er hatte von den Kurzfilmen bis hin zu BRICK bisher jedes Mal mit ihm gedreht. Die beiden sind wie Brüder, sie können fast die Gedanken des anderen lesen.
Außerdem ist Steve in seinem Job fantastisch!“ „Anschließend ging es darum, wer unser Produktionsdesigner wird und dem Film sein tatsächliches Aussehen gibt“, fährt der Produzent fort. „Jim Clays Vorschlag für einen Look gefiel uns auf Anhieb. Dies ist ein Film, in dem verschiedene Welten aufeinander prallen, Altes und Neues – und das ist alles andere als leicht umzusetzen.“ Clay sieht durchaus Parallelen zwischen seinen Beruf und dem Leben der Brüder: „Als Produktionsdesigner verbringe ich meine Zeit damit, künstliche Welten zu erschaffen. Wenn ich meinen Job gut mache, kann ich das Publikum damit so begeistern, dass es an meine Existenz gar keinen Gedanken verschwendet. Beim Film arbeiten wir also ganz ähnlich wie die beiden Kerle in diesem Drehbuch, die davon leben, raffinierte Szenarien zu entwerfen. Nichts ist je, wie es scheint – was ich als Designer natürlich ausgesprochen reizvoll fand.“
Auch Johnsons sehr visuelle Herangehensweise ans Drehbuch sagte Clay sehr zu: „Wenn man als Designer ein Drehbuch wie dieses bekommt, bei dem einem die Bilder geradezu vom Blatt ins Auge springen, dann hat man mit dem Regisseur auf Anhieb eine gemeinsame Basis.“ Er und Johnson waren sich sofort einig, dass der Film optisch an frühere Zeiten erinnern sollte, auch wenn er heutzutage spielt. „Es ist ein zeitgenössischer Film, der durchaus im Hier und Jetzt verankert ist, aber die Welt der Brüder ist geprägt von dieser altmodischen Opulenz“, erklärt der Produktionsdesigner. „Sie sind zu ziemlich viel Geld gekommen, reisen nach Europa und steigen in den besten Hotels ab. Sie können es sich leisten, in ihre Schwindel-Pläne ein Dampfschiff zu integrieren, das von New Jersey nach Europa übersetzt, oder einen Zug, mit dem man durch Osteuropa reisen kann. Die Jungs haben einfach Stil – und deswegen ließen wir die Eleganz vergangener Tage in einem modernen Kontext wieder auferstehen.“
Kostümbildnerin Beatrix Aruna Pastor setzte diesen Ansatz bei der Garderobe der Protagonisten fort. „Was die Farbpalette, das Styling und all die Elemente des Films, die nicht unbedingt vollkommen realistisch sind, angeht, haben wir hervorragend zusammengearbeitet“, berichtet Clay. „Es ging für uns beide darum, eine Realität zu zeigen, die nochmal um 15, manchmal sogar 20 Prozent überhöht war.“
Für Rachel Weisz begann dabei alles mit einem Paar Schuhe: „Die sind letztlich eine Mischung aus Clownsschuhen und viktorianischen Schnürstiefeln – und sie gehören tatsächlich mir! Ich brachte sie von zu Hause mit und zeigte sie Rian. Darauf haben wir dann aufgebaut. Beatrix schleppte Kleiderständer voller Kostüme an, aber ein paar private Stücke brachte ich auch immer wieder mit.“
Ursprünglich hatten die Filmemacher geplant, ausschließlich in Prag und Malta zu drehen, doch eine ausgedehnte Location-Tour öffnete ihre Augen für andere Möglichkeiten. „In Prag ging es uns vor allem um die Gebäude und Fassaden in den Außenszenen, die für den Film von entscheidender Bedeutung sind“, berichtet Ram Bergman. „Prag durfte sich bei uns tatsächlich einmal selbst spielen, statt dass es nur als Double für eine andere Stadt herhalten musste wie sonst so oft.“
„Zwei ganz entscheidende Drehorte für uns waren dabei die Karlsbrücke und die Prager Burg. Jeder sagte uns im Vorfeld, dass wir dort niemals Drehgenehmigungen bekommen würden“, fährt er fort. „Seit Jahren hatte da niemand mehr gedreht. Aber in Osteuropa muss man eben ein bisschen manövrieren und ein paar Strippen ziehen. Außerdem bin ich wirklich überzeugt davon, dass es uns geholfen hat, dass wir tatsächlich Prag als Prag zeigen und die Stadt nicht für eine andere ausgeben wollten.“
„Nachdem wir dann ein wenig durch die Gegend gefahren waren, wurde uns allerdings klar, dass wir anderswo noch mehr geboten bekommen würden“, meint Bergman bezüglich der weiteren Drehorte. „Es stellte sich schnell heraus, dass Rian noch viel mehr Freiheit haben würde, den Film ganznach seinen Vorstellung zu machen, wenn wir in Rumänien und Montenegro drehen.“ In Rumänien stießen die Filmemacher auf eine zentrale Kulisse: das im Renaissance-Stil gebaute Schloss Peles in der Walachei wurde im späten 19. Jahrhundert von König Carol I. als Jagd- und Sommerresidenz gebaut und ist im Film als Penelopes Anwesen in New Jersey zu sehen. „Es erschien uns natürlich ein wenig absurd, so weit zu reisen, um einen Ort zu finden, der eigentlich so nah an unserem Zuhause sein soll“, lacht Wendy Japhet. „Aber das Gebäude ist einzigartig und passte einfach bestens zu Penelopes exzentrischer Art.“
Montenegro bot die ideale Kulisse für Blooms Insel-Refugium, während sich Belgrad für die Produzenten schnell als ideale Stadt herausstellte, um sowohl als St. Petersburg wie auch als Berlin herzuhalten. „Sogar die amerikanische Stadt bauten wir dort, statt zurück in die Staaten zu fliegen“, gesteht Bergman. „Letzten Endes hatten wir so einfach viel mehr Spielraum, was die Optik des Films angeht.“
Obwohl sich damals in Osteuropa der Winter dem Ende näherte, stellte das Wetter während des Drehs eine Herausforderung dar. „Gleich in der ersten Woche in Belgrad und Umgebung erwischte uns der Regen – und zwar in Bindfäden und tagelang“, erinnert sich Bergman. „Aber letztlich passte das sogar in den Film und sieht jetzt auf der Leinwand wirklich schön aus.“ In Montenegro wurde der Regen dagegen schon eher zum Problem, weil dort auf einer entlegenen Insel gedreht wurde. „Gutes Wetter war für uns eigentlich essenziell, denn man kam nur mit einem kleinen Boot auf die Insel, auf das lediglich 15 Leute passten“, beschreibt Bergman die Situation. „Es gab dort keine Toiletten, gar nichts. Nicht mal ein Zimmer, wo man vielleicht hätte bleiben können. Das Wetter war die gesamten zwei Wochen in Montenegro einfach miserabel. Für Rian und die Schauspieler war das trotzdem kein Problem. Sie gaben immer ihr Bestes, und ich denke nicht, dass man dem Film jetzt im Kino ansieht, wie kompliziert und verregnet unser Dreh war.“
Bei ihrer Expedition zu potenziellen Drehorten stieß das Team auch auf zwei alte Vehikel, die dem Film schließlich als wichtige Location dienten. „Wir drehten auf einer Yacht aus den 1920er Jahren, die genau so rekonstruiert wurde, wie sie ursprünglich mal ausgesehen hatte“, sagt Weisz. „Goldene Wasserhähne, plüschige Teppiche, Mahagoni-Tische – es war wie ein Zehn-Sterne Hotel, nur eben als Boot. Wir freuten uns alle total, als wir über den Landungssteg liefen, um eine ganze Nacht auf diesem Schiff zu drehen.“ „In der Szene, in der Adrien und ich anfangen, uns ineinander zu verlieben, tanzen wir den Bolero, denn das ist eines von Penelopes Hobbys“, fügt sie hinzu. „Als wir da so im Mondlicht unsere Version der Boleroschritte aufs Parkett legten, fühlte ich mich fast wie in ‚Alice im Wunderland’. Ganz so, als seien wir durch ein Loch gefallen – und mitten in Rians Fantasie gelandet.“
Für den Luxuszug, mit dem die Brüder und Penelope durch Europa reisen, fanden Johnson und sein Team einen ganz besonderen Drehort: den offiziellen Zug des ehemaligen jugoslawischen Diktators Tito. Dessen Wagen, Abteile und Schlafkabinen sahen noch immer genauso aus wie 1947, als der Zug mit seinen dunklen Holzvertäfelungen, den dicken, edlen Teppichen und dem stilvollen Mobiliar entworfen wurde.
„Filme, die in alten Zügen wie etwa dem Orientexpress spielen, sind gewöhnlich im Stil des frühen 20. Jahrhunderts gehalten“, meint Bergman. „Titos Zug aber sieht eindeutig nach den 40er Jahren aus, was dem Film noch eine einzigartige Note verlieh. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, bis wir die Genehmigung bekamen, dort zu drehen. Aber verglichen mit anderen Locations war es gar nicht so kompliziert.“
Sämtliche Locations in BROTHERS BLOOM verweisen an vergangene Zeiten der Menschheitsgeschichte, genau wie auch die Brüder selbst ein wenig überlebensgroß und grandios erscheinen. „Es ist einfach spektakulär“, meint Brody. „Als ich das Skript las, stellte ich mir den Film so ähnlich vor, aber wenn man das dann in den Szenen tatsächlich vor sich sieht, ist es doch noch einmal etwas ganz anderes. Alles sieht so lebendig und prächtig aus, als würde man sich mitten in einem Fellini-Film befinden.“
„Alles hat seinen Ursprung in der Vorstellungskraft von Rian, der das dann im Drehbuch zu Papier brachte und mit Hilfe der Kostüme, des Produktionsdesigners, der Ausstatter, des Kameramanns und von uns Schauspielern zum Leben erweckte“, schwärmt auch Ruffalo. „Dadurch, dass der Film nicht wirklich modern, sondern wie aus einer anderen Zeit ist, hatten wir eine ganz besondere Freiheit. Es ist schon spannend, dass die Figuren im Film letztlich freier sind als wir heute in unserem modernen, hochtechnologischen Leben!“