FILMDETAILS | Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?
Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?
Komödie,
Krimi
| USA 2008
WERBUNG
| Produktion: Die Crew
Damit Burn After Reading mit den gewünschten Schauspielern überhaupt entstehen konnte, wurde der Drehplan zur zentralen Frage – ein weiterer Grund dafür, dass No Country For Old Men zuerst abgedreht wurde. „Alles hing davon ab, wann die Darsteller verfügbar sein würden“, sagt Joel. Ethan: „Wir haben schließlich bei allen eine Lücke im Terminkalender gefunden, und das bestimmte, wann wir drehen konnten.“
BURN AFTER READING ist der erste von zwei Filmen, die zu einem Produktionsvertrag der Coens mit Focus Features und Working Title gehören. Mit Working Title und deren beiden Firmenchefs Tim Bevan und Eric Fellner verbindet die Coen Brüder allerdings schon eine lange gemeinsame Geschichte: FARGO, HUDSUCKER – DER GROSSE SPRUNG, THE BIG LEBOWSKI, O BROTHER, WHERE ART THOU? und THE MAN WHO WASN’T THERE wurden alle in Zusammenarbeit mit Working Title realisiert. Auch John Lyons, Leiter der Produktionssparte bei Focus, hat mit den Coen-Brüdern bereits zuvor gearbeitet; er war Casting Director bei ARIZONA JUNIOR, MILLER’S CROSSING, BARTON FINK, FARGO, HUDSUCKER – DER GROSSE SPRUNG und THE BIG LEBOWSKI.
Nachdem das Ensemble stand, die Produktionsfirma und auch das Studio gefunden waren, riefen die Coens eine weitere Gruppe regelmäßiger Mitarbeiter zusammen, die zuvor alle auch an NO COUNTRY FOR OLD MEN mitgearbeitet hatten: Kostümbildnerin Mary Zophres, Ausstatterin Nancy Haigh, Maskenbildnerin Jean Black, Tonmeister Peter Kurland und Script Supervisor Tom Johnston. Joel: „Sie sind alle so unglaublich gut in ihrem Job, und sie schrecken vor keiner Herausforderung zurück. Wir haben einfach enormes Glück gehabt, ein solches Team zu versammeln, mit den Besten aus allen Bereichen.“ Bühnenbildnerin Jess Gonchor, die erst vergleichsweise kurz dabei ist, kam ebenfalls gerade von NO COUNTRY FOR OLD MEN, ebenso Komponist Carter Burwell, langjähriger Mitstreiter der Coens. Neu hinzu kamen: die für den BAFTA-Award nominierte Hairstylistin Lyn Quiyou [MEMOIREN EINER GEISHA] und der vierfach Oscar-Nominierte Kameramann Emanuel Lubezki [darunter für Tim Burtons SLEEPY HOLLOW und Alfonso Cuaróns CHILDREN OF MEN].
Im Dunstkreis der Macht und anderswo: die Drehorte
Für die Coens sind nicht nur die Figuren und ihre Eigenheiten wesentliche Bestandteile ihrer Filme, sondern auch das Aussehen der Sets und ihre Atmosphäre. Szenenbildner Jess Gonchor erklärt: „Burn After Reading spielt in Washington, D. C.; das ist nicht bis ins letzte herausgearbeitet, aber es wird deutlich genug. Uns ging es grundsätzlich um ein möglichst realistisches Aussehen, aber die tatsächlichen Sets wirkten alle ein bisschen surreal – wie der Film ja selbst auch. Es geht dabei gar nicht so sehr um Übertreibungen, sondern um kleine Dinge, die irgendwie nicht recht zueinander passen wollen und einen gewissen verfremdenden Effekt haben.“ Als Beispiel nennt Gonchor das Innere der russischen Botschaft, das in den Steiner Studios gebaut wurde: „Für eines der Büros haben wir ein Set gebaut mit einer mehr als vier Meter hohen Decke und die Wände kahl gelassen – bis auf ein großformatiges Porträt von Präsident Putin, das sehr weit oben hängt, so hoch, dass man sich den Hals verrenken muss, um es richtig zu sehen.“ Ethan kommentiert: „Arbeitet man mit Jess zusammen, dann beeinflussen die realen Drehorte immer auch die Entwürfe für die Studiobauten – eine sehr praktische Arbeitsweise.“
Obwohl der Film eigentlich in Washington spielt, stand von Beginn an fest, dass ein Großteil der Dreharbeiten in New York und Umgebung stattfinden würde, abgesehen von einigen Außenaufnahmen, die tatsächlich in Washington vor Ort stattfinden mussten. Ein entscheidender Faktor war dabei, dass die Coens in der Nähe ihres Zuhauses und ihrer Familien bleiben wollten, ein anderer, dass George Clooney gerade parallel an einem anderen Projekt in New York arbeitete.
Die Dreharbeiten zu Burn After Reading begannen in Downtown Manhattan, in den Räumen einer Anwaltskanzlei, die für die Büros von Katie Cox’ Scheidungsanwalt herhielten. Kurz darauf zog die Produktion nach Paramus in New Jersey um, wo alle Szenen, die im Fitness-Studio „Hardbodies“ spielen – Lindas, Chads und Teds Arbeitsplatz – gedreht wurden. Gonchor und seine Mitarbeiter richteten in einem leerstehende Gebäude, das kurz zuvor noch einen „Tower Records“-Plattenladen beherbergt hatte, ein voll funktionsfähiges Fitness-Studio ein; dabei wurden sie vom Fitness-Ausstatter „The Gym Source“ unterstützt, die die Geräte bereitstellten. Die Verwandlung war so realistisch, dass immer wieder Anwohner am Tresen auftauchten, um sich nach den Bedingungen einer Mitgliedschaft zu erkundigen.
Nach mehr als einer Woche im Fitness-Studio ging es nach Brooklyn, in die Steiner Studios, wo die Szenen in Lindas Wohnung und die in der russischen Botschaft gedreht wurden. Nächster Halt war in New Rochelle für die Außen- und Innenaufnahmen von Harrys Wohnsitz, der im Film in Chevy Chase, Maryland angesiedelt ist. Die Szenen im Chesapeake Bay Yachtclub wurden in Mamaroneck, Westchester gedreht. Weitere Drehorte waren der Zigarrenraucherclub „Macanudo“ in Manhattan, Manhattans Riverside Park und das Bronx Community College, wo die Außenaufnahmen für die russische Botschaft gedreht wurden. Gonchor erzählt zu den verschiedenen Drehorten für die russische Botschaft: „In den Steiner Studios hatten wir für das Büro des russischen Funktionärs, der mit Linda und Chad spricht, ein sehr charakteristisches, rundes Fenster aufgebaut von über drei Metern Durchmesser. So etwas hatten wir an einem Gebäude des Bronx Community College gesehen, und das stach uns gleich ins Auge.“
In der Gegend von Brooklyn Heights dienten mehrere Stadthäuser als die großzügige Behausung der Coxes in Georgetown. „Wir mussten einige Straßenzüge in Brooklyn Heights auf Vordermann bringen“, erzählt Jess Gonchor: „Wir haben einige Fassaden neu gestrichen und bei allen Häusern die schwarze Fensterläden angebracht, damit sie den tatsächlichen Häusern von Georgetown ähnelten. Für meine Abteilung war das der anstrengendste Teil der Dreharbeiten.“ Gonchor weiter: „Für das Haus der Coxes haben wir bei einem Haus einige Innenräume im Erdgeschoss genutzt, bei einem andren die Haustür, die Auffahrt und eine eigens gebaute Gartenmauer; ein drittes haben wir nur für die Totalen verwendet. Und schließlich waren wir auch noch in den Steiner Studios, wo wir das Schlafzimmer und den Flur im Obergeschoss aufgebaut und ausgestattet haben.“ In den Steiner Studios wurden schließlich auch weitere Szenen gedreht, die im Hauptquartier der CIA und auf Cox’ Jacht spielen.
Nach New York zog die Produktion am Ende für einige wenige Tage nach Washington, D. C. weiter, um Orte einzufangen, die nicht nachgebaut werden konnten. Dazu gehörte ein Dreh auf Washingtons National Mall, in der Nähe des Reflecting Pond zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument, und in der Nähe des Mahnmals für die Opfer des 2. Weltkrieges. Weitere Szenen wurden schließlich auf der Keys Bridge über den Potomac und am Tidebecken im West Potomac Park gedreht.