Mittwoch | 30. Mai 2012 | 22:37 Uhr
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  • Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?

    Komödie, Krimi | USA 2008
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      • | Produktion: Kostüme, Frisuren und Design

      • Für Kostümbildnerin Mary Zophres war die Arbeit am Film ein außerordentliches Erlebnis: „Immer wenn ich ein Drehbuch von Joel und Ethan lese, erwacht für mich alles sofort zum Leben. Ich weiß sofort, wie alles auszusehen hat, ganz ohne dass sie explizit Sachen hineinschreiben müssten wie ,Er trägt dies, sie trägt das.’ Ich betrachte mich als die glücklichste Kostümbildnerin Hollywoods, weil ich immer wieder von ihnen angeheuert werde. Aber hier hatte ich die Riesenaufgabe, George und Brad wie ganz normale Typen aussehen zu lassen. Wie kriegt man es hin, dass George Clooney nicht mehr nach Hollywood und Italien, sondern wie Harry Pfarrer aus einem Vorort von Washington, D. C. aussieht? Für mich waren Georges kurzgeschnittener Vollbart und die Goldkette der ideale Ausgangspunkt. Das hat uns zu seinem ,Verführer-Look’ bei seinen Dates gebracht. Wir beschlossen, ihn in ein kariertes Hemd mit einem Sportjackett und dazu passender Hose zu stecken – und es hat tatsächlich funktioniert, ihn gleich ein paar Nummern unattraktiver aussehen zu lassen.“ Soweit zu Clooney, der ja schon in seiner Oscar-prämierten Rolle in SYRIANA unvorteilhafte Klamotten getragen hatte. Aber was sollte man mit Pitt machen?

        Zophres gibt zu: „Die Schwierigkeit lag darin, Brad wie einen Trottel aussehen zu lassen. Lin Quiyou, die Hairstylistin, dachte sich eine Frisur für ihn aus, bei der das Haar hoch stand, und fügte noch wirklich schlimme blonde Strähnchen hinzu. Das hat schon einmal viel bewirkt. Was seine Dienstkleidung im Fitness-Studio betrifft, kann ich mich nicht erinnern, dass Brad in einem Film schon jemals Shorts getragen hätte. Zur ersten Anprobe erschein er völlig durchtrainiert und fit. Aber die Shorts in Kombination mit Tennissocken und großen weißen Turnschuhen bewirkten, dass er zumindest ein bisschen deppert ausschaut.“ Zophres weiter: „Und dann war da noch der Anzug, den er auf Lindas Geheiß hin anzieht. An Brad sehen selbst billige Anzüge noch gut aus, also verpassten wir ihm einen, der schlecht saß und außerdem ein sogenannter „executive cut“ war, geschnitten also für jemanden mit einer fülligeren Figur. Die hässliche Wollkrawatte, die er dazu trug, war unsere eigene Kreation. Zusammen passte das einfach perfekt – er sah ziemlich schlimm aus.“

        Zophres hatte Francis McDormand einige Jahre zuvor schon einmal ausgestattet: für den Schwarzweißfilm der Coens THE MAN WHO WASN’T THERE, der im Jahr 1949 spielt. Diesmal ging es darum, ihr ein farbiges, zeitgenössisches Kostüm zu verpassen. Sie erklärt: „Genau wie Chad, sieht man Linda im Film meistens in der Uniform des Fitness-Studios, ein auffälliges Polohemd mit dem Firmenlogo, zu dem sie eine Art Trainingshose trägt, auch wenn sie hier keiner der Fitnesstrainer ist. Joel und Ethan haben sehr intensiv mit mir über die Uniform gesprochen, und sie waren es auch, die diese Farbe vorschlugen, eine ganz dunkle Rotschattierung. Wir beschlossen, zunächst einmal Fran auszustatten. Daraus folgte, was Brad und Richard als ihre Kollegen tragen würden. Und genau wie bei Brad war für mich der Ausgangspunkt bei Frans Kostüm die Frisur.“ Joel kommentiert: „Es kommt öfter mal bei uns vor, dass wir den Schauspielern Frisuren verpassen, die sie besser verbergen sollten, wenn sie nicht gerade am Set sind. Aber sie sind ein ganz entscheidendes Element, wie die Figuren in unseren Filmen definiert sind – genau wie Marys Kostüme.“

        Lin Quiyou, von Ethan und Joel als „fantastisch“ gelobt, schuf für jede der Hauptfiguren einen unverwechselbaren Haarschnitt. Lindas blonde Frisur entstand als Perücke, die Quiyou für McDormand maßanfertigte. Ihre Inspiration kam dafür aus der Welt der Politik: Als Vorbild diente ihr Linda Tripp, der Hauptzeugin im Lewinsky-Skandal, insbesondere der blonde Bob, den sich Tripp im Zuge ihrer plötzlichen Berühmtheit schneiden ließ.

        Tilda Swinton trug in ihrer Rolle als Katie eine helmartige Frisur. Und auch hier half der Haarschnitt der Darstellerin, sich in die Figur hineinzuversetzen. Swinton: „Katie hat einen sehr strengen Haarschnitt, glatt, nicht das geringste Büschelchen steht ab, keine Andeutung einer Locke, und das Ganze in einem unglaublichen Rotton, den es bestimmt nicht als natürliche Haarfarbe gibt. Mich hat sie an Edna Krabappel, die Lehrerin aus den ,Simpsons’, erinnert.“ Zu Katies Garderobe sagt Zophres: „Sie kommt aus einer alteingesessenen, gutbetuchten Familie und zieht sich entsprechend konservativ an, wenn auch mit einem kleinen Beigeschmack von Protzerei. Ihre bevorzugten Marken sind Ralph Lauren und Cartier.“ Und Swinton ergänzt: Mir macht es Spaß, wenn man das Aussehen einer Figur bis ins Detail festlegt. Mary hat mich zuhause in Schottland besucht, und wir hatten großen Spaß bei den Anproben.“ Zophres bestätigt das: „Für mich war es sehr nett, auch einmal in diesen Teil der Welt zu kommen – wenn auch nur für einen Tag und dann auch noch mit so viel Gepäck!“

        Ein Wort noch von Zophres zu Swintons Filmehemann: „Osborne pflegt den klassischen amerikanischen Stil, er trägt Anzüge von Brooks Brothers und dazu eine Fliege – zumindest bis er gefeuert wird und er sich völlig gehen lässt. Für mich war das ein sehr interessanter Spannungsbogen im Film, wie die Geschichte dieser Figur durch ihre Kleidung erzählt wird.“

        Auch auf die Kostüme der Nebendarsteller und Statisten wurde viel Sorgfalt verwendet. Zophres zum Grund für diese Mühe: „Der Film spielt zwar in der heutigen Zeit, dennoch mussten wir die Leute von Kopf bis Fuß neu einkleiden, weil man sich in Washington anders anzieht als irgendwo sonst in den USA, und mit Sicherheit anders als in New York, wo wir gedreht haben. Was Kleidung betrifft, ist man da sehr konservativ, mehr als irgendwo sonst an der Ostküste. Wir haben die Männer in dunkelblaue Anzüge gesteckt und die Frauen in graue Kostüme mit üppigen Perlenketten dazu. Es trägt viel zur Atmosphäre des Ortes bei, zumal Burn After Reading ganz ausdrücklich in bestimmten Stadtvierteln Washingtons angesiedelt ist.“

        Auf die abschließende Frage, was die Zuschauer denn nun bei Burn After Reading erwartet, antwortet John Malkovich: „Man kann sich darauf verlassen, dass der Film eine ganz eigene und sehr unterhaltsame Sichtweise bieten wird; etwas ganz anderes als man gewohnt ist.“ Und Richard Jenkins fügt hinzu: „Es ist nun einmal ein Film der Coen-Brüder! Also wird es düster – und sehr lustig!“

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