Mittwoch | 30. Mai 2012 | 22:42 Uhr
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  • Saw 4

    Thriller, Horror | USA 2007
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      • | Über die SAW-Reihe

      • Zwei Männer, angekettet in einem heruntergekommenen Bad: So beginnt eine der grausamsten Geschichten des modernen amerikanischen Horrorfilms. Hoffnungslose Verwirrung, purer Terror und ein Gefühl absoluten Ausgeliefertseins bestimmen den Beginn der SAW-Reihe – ein düsterer Dreiklang, der sich durch alle vier Teile zieht und für den ungeheuren Erfolg des Projekts verantwortlich ist.

        Die Filme folgen der virtuosen Anordnung eines genialen Psychopathen namens Jigsaw, einem Krebspatienten mit einem präzisen moralischen Anliegen: Er will auf grausamste und eindringlichste Weise jenen Menschen eine Lektion erteilen, die das Geschenk des Lebens nicht wertzuschätzen wissen. Millionen von Zuschauern weltweit sind inzwischen Zeuge von Jigsaws grausamer Mission geworden, für die er bei jeder Etappe neue, furchtbare Überzeugungsmaßnahmen ausheckt. Angelehnt an Horror-Reihen wie A Nightmare On Elm Street und Halloween ist SAW zu einem Meilenstein des Genres avanciert – und hat dabei längst sämtliche ähnliche Projekte kommerziell abgehängt. Sowohl an der Kinokasse als auch an der Home-Entertainment-Front gilt SAW als das erfolgreichste Franchise der Horrorfilmgeschichte. Die ersten drei Teile haben weltweit alleine über die Kinoauswertung insgesamt 400 Millionen Dollar eingespielt, und ganze 13 Millionen DVD-Einheiten wurden bereits von ihnen verkauft.

        Seine Weltpremiere feierte der erste Teil 2004 auf dem renommierten Sundance Film Festival in der beliebten Reihe „Park City at Midnight“. Festivalleiter Geoffrey Gilmore erinnert sich, wie beeindruckt er darüber war, in welch perfekter Einheit die Spielfilmdebütanten Form und Inhalt präsentierten: „SAW zog die Zuschauer sofort in den Bann. Der Film war klug ausgetüftelt, in seiner verängstigenden Wirkung jedoch denkbar direkt“, erklärt der Festivalchef. „Aber was SAW einzigartig machte, war die moralische Ernsthaftigkeit. Dieser Film wollte dich nicht einfach nur zum Gruseln bringen, er wollte den Zuschauer zum Nachdenken animieren: Was würde man tun, um am Leben zu bleiben? In der heutigen Gesellschaft ist das eine wichtige Frage.“

        Mit jeder Fortsetzung wurde das Publikum stärker mit Jigsaws Ansichten konfrontiert. Leigh Whannell, der die Originalstory gemeinsam mit Regisseur James Wan geschrieben hatte und später als Co-Autor von SAW II und SAW III fungierte, erklärt dazu: „Jigsaws Krebserkrankung ließ ihn sehr genau darüber nachdenken, was es heißt, am Leben zu sein und wie nah wir jederzeit mit dem Tod in Berührung sind. Aber er gehört eben nicht zu jenen Typen, die ihre letzten Tage auf einem Trip durch Europa genießen. Das Bewusstsein über den Wert des Lebens führt bei ihm zu anderen moralischen Erwägungen, zum Beispiel denen von Vergebung versus Vergeltung. Das sind die Ideen, mit denen sich Jigsaw beschäftigt und die die Grundlagen seiner grausamen Spiele bilden. So wahnsinnig seine Spiele auch anmuten – er will den Leuten damit helfen. Diese Mischung aus Moralphilosophie und pervertiertem Altruismus macht Jigsaw meiner Meinung nach absolut einzigartig im Horror-Universum.“

        Die SAW-Reihe war Teil einer Welle von Horrorfilmen, die auf intelligente Weise ans Independent- Horror-Kino der siebziger Jahre erinnerte – eine Verbindung, die im Sommer 2007 mit einer Retrospektive im New Yorker Museum of the Moving Image noch einmal besonders deutlich herausgearbeitet wurde. Die Veranstaltung unter dem Titel „It’s Only a Movie: Horror Films from the 1970s and Today“ schlug einen Bogen von Klassikern wie Wes Cravens Last House on the Left und Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre, welche die damaligen Zuschauer mit verstörenden und brutal expliziter Darstellung menschlichen Verhaltens schockten, bis zu den Filmen der SAW-Ära. Unter den ausgewählten Werken befand sich auch Darren Lynn Bousmans SAW II, der für die Reihe in einem Double-Feature mit Stanley Kubricks A Clockwork Orange gezeigt wurde.

        Als man die Serie im Juni dieses Jahres der Öffentlichkeit vorstellte, erklärte Museums-Chef David Schwartz: „Diese Filme sind ästhetisch und kulturell von großem Belang, reflektieren sie doch extrem deutlich die Ängste der jeweiligen Zeiten.

        Natürlich sind wir uns bewusst, dass sie verstörende und beängstigende Momente enthalten, aber auf ihre Weise sind sie auch extrem präzise, indem sie uns mit unseren verborgenen Ängsten konfrontieren.“ Und Kuratorin Livia Bloom ergänzt: „Die Filmemacher dieser Reihe benutzen das Horror-Genre als kommerziellen Rahmen, um kluge und sogar subversive Werke zu drehen. Sie untersuchen die Psychologie des Menschen und liefern gleichzeitig einen Kommentar zu den großen sozialen und politischen Themen der heutigen Zeit.“ Bloom hob hervor, dass sie gerade in den SAW-Folterszenen „Reflektionen über das Leben in Zeiten des Krieges und Aufruhrs“ erkenne.

        Die stilistische und inhaltliche Kontinuität bei SAW ist dem Umstand zu verdanken, dass ein festes Kernteam hinter dem Projekt steht. Dazu gehören die SAW-Erfinder James Wan und Leigh Whannell, der Drehbuchautor und Regisseur Darren Lynn Bousman, der mit SAW II in das Projekt einstieg, die Produzenten Oren Koules, Mark Burg und der verstorbene Gregg Hoffman sowie die ausführenden Produzenten Stacey Testro, Peter Block und Jason Constantine. Weitere Schlüsselfiguren sind der Kameramann David A. Armstrong, der Production Designer David Hackl, der Cutter Kevin Greutert und der Komponist Charlie Clouser, einst Mitglied der Band Nine Inch Nails.

        Ein weiteres zentrales Mitglied der SAW-Familie ist der Schauspieler Tobin Bell, der in allen vier Teilen den Killer Jigsaw verkörpert. In einem Essay über Horrorfilme schrieb der Kritiker Luke Thompson unlängst in L.A. Weekly: „Tobin Bells Darstellung des Jigsaw ist ein Wunder: Er ist der beste realistische Antiheld des Genres seit Anthony Hopkins das erste Mal den Hannibal Lecter gab.“

        Die SAW-Filme enthüllen ihre komplexe Geschichte Stück für Stück. Erst wenn man die Reihe a Ganzes betrachtet, erkennt man, wie ein Film mit dem anderen zusammenhängt.

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