Mittwoch | 30. Mai 2012 | 22:47 Uhr
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  • WALL-E - Der Letzte räumt die Erde auf

    Science Fiction, Familie, Animation | USA 2008
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      • | Produktion: Zum Piepen

      • In WALL•E gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Roboter, von denen einige in ihrer ganz eigenen Sprache kommunizieren. Für Produzent Jim Morris und Regisseur und Ko-Autor Andrew Stanton stand fest, dass einzig und allein der vielfache Oscar®-Preisträger und Sound-Designer Ben Burtt, in der Lage sein würde, für den guten Ton zu sorgen, nämlich die Figuren mit speziellen Stimmen auszustatten und für den ganzen Film ein hinreißendes Sound-Design auszutüfteln. Schließlich ist Burtt der legendäre Schöpfer von R2-D2s Stimme, dem Peitschenknall von Indiana Jones’, dem Zischen von „Alien“ und vielen anderen ikonografischen Sounds der Filmgeschichte.

        „Ben ist wirklich einmalig“, sagt Stanton. „Er ist der König des Sound-Designs, allein schon wegen „Star Wars“, aber auch wegen aller anderen Filme, die danach kamen.“

        „Ich wusste, dass es bei vielen Story-Elementen von ’WALL•E’ auf den richtigen Sound ankommen würde und wollte, dass unsere Roboter mehr auf R2-D2s Art und Weise miteinander kommunizierten als auf C-3POs – in ihrer eigenen Maschinensprache. Das wirkte auf mich viel cleverer und interessanter. Als Jim mir erzählte, er habe mit Ben jahrelang bei ILM zusammengearbeitet und vorschlug, ihn einzuladen, war ich ganz aus dem Häuschen. Ich erläuterte Ben den Film und sagte ihm gleich, dass er allein den größten Teil der Besetzung übernehmen würde. Er hat Gott sei Dank eingewilligt, denn wir stellten sehr schnell fest, dass es ohne ihn gar nicht gegangen wäre. Er ist der Beste seines Fachs!“

        Jim Morris ergänzt: „Ben war die perfekte Besetzung für ’WALL•E’, weil er in der Lage ist, Stimmen aus anderen Welten zu erschaffen, die sehr empfindsam und gefühlvoll klingen. Einige der Stimmen sind vollkommen synthetisch, einige bestehen aus einem Gemisch verschiedenster Sounds, die Ben gefunden oder kreiert hat, wieder andere basieren zu einem kleinen Teil aus menschlichen Lauten, die verfremdet wurden. Auch die anderen Sounds, die Ben für den Film erfunden hat, spielen eine wichtige Rolle.“


        „Es war schon verrückt, diese Balance hinzubekommen; einen Sound zu erschaffen, der maschinell klang und gleichzeitig die Wärme und Intelligenz – oder wie ich sagen würde: die Seele – eines menschlichen Wesens ausstrahlte.“
        Ben Burtt, Sound-Designer


        Burtt erklärt: „Bei meiner Arbeit an 'Star Wars' konnte ich viele Erfahrungen sammeln, was die Laute von Robotern und Aliens angeht, aber WALL•E übertraf alles: Für keinen anderen Film musste ich so viele Robotergeräusche erschaffen. Dabei kam es vor allem darauf an, dass die Stimmen der Figuren auf die Zuschauer nicht menschlich wirken würden. Trotzdem sollte sich das Publikum mit den herzlichen und innigen Charakteren identifizieren, als handelte es sich um echte Personen. Am wichtigsten war es, dass die Stimmen nicht wie Maschinen ohne jegliche Persönlichkeit klangen, oder noch schlimmer, nach einem Schauspieler hinter einem Vorhang, der einen Roboter imitiert. Es war schon verrückt, diese Balance hinzubekommen; einen Sound zu erschaffen, der maschinell klang und gleichzeitig die Wärme und Intelligenz – oder wie ich sagen würde: die Seele – eines menschlichen Wesens ausstrahlte.“

        Das Angebot zu ’WALL•E’ erreichte Burtt nur wenige Monate nach dem letzten „Star Wars“-Film – und nachdem er seiner Frau versprochen hatte: „Keine Roboter mehr.“ Aber der Versuchung, bei Pixar an einer komplett anderen Art von Robotermärchen mitzuwirken, konnte er einfach nicht widerstehen.

        „Das Projekt wirkte so frisch und aufregend und meine Aufgabe war so anspruchsvoll“, sagt Burtt. „Der Sound und die Stimmen der Roboter spielen in dem Film eine so außergewöhnliche Rolle, dass ich sofort Feuer und Flamme war.“

        Burtt erklärt am Beispiel von WALL•Es Stimme seine Vorgehensweise: „Alles beginnt in meinem winzigen Aufnahmestudio in unserer Sound-Abteilung. Da speise ich Originalaufnahmen in meinen Computer, der den Sound analysiert und in seine einzelnen Komponenten zerlegt. Das funktioniert bei einem Audio-File ähnlich wie bei Licht, das sich durch ein Prisma in ein Farbspektrum aufteilen lässt. Ist der Sound in seine Einzelteile zerlegt, fange ich an, ihn wieder zusammenzubasteln, nur dass ich die Zusammensetzung der Komponenten verändere. Ich gebe dem Sound beispielsweise einen maschinenartigen Klang oder erzeuge Geräusche, wie es Stimmbänder niemals könnten. Oder ich verlängere Vokale, dehne sie aus, pitche den Ton nach oben oder unten. Oder ich bringe zwei verschiedene Sounds ganz dicht zusammen. Mittels eines von mir entwickelten Programms bin ich in der Lage, so viel von den originalen Performances beizubehalten, wie ich will, und sie nur soweit zu verändern, dass sie den Hauch eines künstlichen Klangs erhalten.“

        „Ich habe eine Möglichkeit gefunden, WALL•Es Stimme wie Fensterkitt oder Wachs zu dehnen und zu verlängern, was Andrew sehr gefiel, weil wir dadurch die Persönlichkeit des kleinen Kerls untermauern konnten.“

        Neben WALL•E war Burtt auch für die Stimmen von M-O und Otto verantwortlich – und für EVE, für deren Sound er die Stimme von Pixars Elissa Knight manipulierte.

        Insgesamt legte Burtt für ’WALL•E’, seinen ersten Animationsfilm, rekordverdächtige 2.400 Sound-Dateien an – mehr als für jeden anderen seiner Filme zuvor. „Die Animation ist sehr dicht und kompakt und die Sounds unheimlich schnell“, sagt er. „Alles, was ich für diesen Film schuf, war anfangs zu langsam. Deshalb musste ich quasi mein ganzes Leben in Fahrt bringen, um auch schnellere Sounds zu produzieren.“

        Und er musste sehr einfallsreich sein. Das Geräusch der krabbelnden Kakerlake beispielsweise erzeugte er, indem er das Klicken von Handschellen aufnahm. Für EVEs Fluggeräusche nahm er ein 3 Meter langes ferngesteuertes Flugzeug auf, das er auf dem Kopf fliegen ließ. Das Geräusch, das entsteht, wenn man mit einem großen, schweren Segel einen langen, mit Teppich ausgelegten Flur auf und ab rennt, geht im Film perfekt als Eissturm durch. Und der Handkurbel-Anlasser eines 1930er Doppeldeckers diente als Sound für einen hochtourigen WALL•E.

        „Der schönste Augenblick für mich als Sound-Designer ist es, wenn ich mich mit dem fertigen Filmmaterial allein in meinem Schneideraum befinde, zum ersten Mal den Sound einfüge und beides perfekt zusammenpasst. Ich bin dann der Erste, der alles sieht, und das ist ein toller Moment. Meine Besuche in den Pixar-Studios haben mich sehr inspiriert, weil dort so viele hoch talentierte Künstler beschäftigt sind. Das führte jedoch auch dazu, dass ich mich immer fragte: ,Kann mein Sound mit ihren visuellen Ideen wirklich mithalten?’ Eine Sorge, die völlig unbegründet war.“

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