Die Idee zu VON LÖWEN UND LÄMMERN entstand bei einem Spiel mit der Fernbedienung. Während eines gemütlichen Fernsehabends zappte sich der junge Drehbuchautor Matthew Carnahan durch das Fernsehprogramm - er wollte lieber Sport sehen, statt erschütternde Reportagen über die Ereignisse im Irak. Und dann fragte er sich, warum er das tat. Warum tendieren wir in einer Zeit, in der so viele Leute ihre Bedenken was die Führung des Landes betrifft äußern, einfach wegzuschauen? Warum schauen wir uns diese Dinge nicht genau an, reden nicht direkt, leidenschaftlich und mit Eifer und Gefühl von unseren Vorstellungen von Frieden und von unseren Hoffnungen für die Zukunft unseres Landes?
Carnahan präzisiert: „Es traf mich wie ein Schlag ins Gesicht, dass ich mich nicht darum kümmerte, was wirklich in der Welt um mich herum passiert, dass ich mich nicht um meine Landsleute sorgte, die ihr Leben verlieren. Viele von uns haben sich von der Realität entfernt, sich vom Alltagsleben abgewandt. So saß ich plötzlich an meinem Schreibtisch und begann über diese Idee des persönlichen Engagements nachzudenken. Was ist es, woher kommt es und was kann es bewirken?”
Zuerst hatte Carnahan vor, ein Theaterstück zu schreiben, aber dann bemerkte er, dass die Geschichte zu einem Film werden könnte und vielleicht auch musste. Ein Film, der mit fundierten Dialogen quasi ein Tabu brechen würde, in einer Zeit, in der Filme größtenteils auf gefühllose Action statt auf Sprache setzen. Er wollte gegen den Strom schwimmen und spürte intuitiv, dass viele andere junge Leute dies auch tun wollten.
„Das sind wirklich wichtige und bedeutende Themen und man kann ihnen nur gerecht werden, wenn man sie im Detail betrachtet. Um diese Geschichte zu erzählen, hielt ich es für wichtig, diese saubere, sterile und sichere Büro-Atmosphäre, in der Menschen nichts anderes tun als den ganzen Tag zu reden, genau nachzustellen. Zwar bereden sie wichtige Dinge, aber dennoch reden sie nur, während in der afghanischen Wüste Menschen ihr Leben riskieren. Das wollte ich zeigen“, erläutert Carnahan.
Carnahan unterteilte seine Untersuchung darüber wie verschieden sich Menschen den Herausforderungen unserer Zeit stellen, in vier Themenblöcke auf. Zu Wort kommen: die Politik, die Medien, das Militär und die privilegierten Jugendlichen amerikanischer Universitäten. So ergaben sich auch die verschiedenen Charaktere: zwei ihrem Eid treu ergebene Soldaten, die ihren Weg aus der Armut gefunden haben und nun dem Land, das ihnen dies ermöglichte, dienen wollen; ein ehrgeiziger Politiker, der seine wahren Überzeugungen mit Leidenschaft und geheimen Missionen verfolgt; eine einflussreiche Journalistin, die sich über ihre Rolle in einer Welt, in der Journalisten selbst politische Ziele verfolgen, immer unsicherer wird; ein erschöpfter, aber idealistischer Professor, dessen letzte große Hoffnung für die Welt es ist, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und ein intelligenter, aber eingebildeter junger College-Student, der nie zuvor in seinem Leben Verantwortung übernommen hat – aber das Potential hätte, einen großen Unterschied in der Welt zu machen.
Carnahan konzentrierte sich dann auf einen einzigen, außergewöhnlichen Tag im Leben dieser Figuren, einen Tag, an dem all ihre Schicksale sich ineinander verstricken: „Ich wollte dem Publikum das Gefühl geben, dass die Ereignisse in VON LÖWEN UND LÄMMERN wirklich so irgendwo jetzt gerade passieren könnten, denn an jedem gewöhnlichen Tag, an dem Leute gerade mit ihren Kollegen reden, geschehen genau diese Dinge an verschiedenen Orten der Erden.“
Als Carnahan, der auch den in Saudi- Arabien spielenden Actionthriller OPERATION: KINGDOM (2007) geschrieben hat, das Drehbuch fertig hatte, scherzte er mit Produzentin Tracy Falco, dass er es vielleicht an Robert Redford schicken sollte. Er konnte es dann kaum glauben, als aus dem Scherz Wirklichkeit wurde: „Sobald sein Name gefallen war, überlegten wir, dass dieser Vorschlag vielleicht doch nicht so lächerlich war. Ich sprach zum ersten Mal im September mit Bob und einige Monate später gingen wir schon in Produktion Es ist einfach wundervoll, wie viel Energie und Enthusiasmus er diesem Projekt entgegenbrachte“, so Carnahan.
Tracy Falco, die Carnahan zum ersten Mal während dessen Arbeit zu Regisseur Kevin Macdonalds Kino-Adaption der BBC-Serie „State of Play” getroffen hatte, bat ihn damals, ihr alles zu schicken, an dem er gerade arbeitete. Carnahan sandte ihr daraufhin VON LÖWEN UND LÄMMERN, obwohl er unsicher war, wie sie darauf reagieren würde.
Für Falco stand unverzüglich fest: „Dieses Drehbuch war so ganz anders, als alle anderen, die ich davor gelesen hatte. Es ging um Ereignisse, die während wir hier gerade reden, so in der Welt geschehen und es ging obendrein um sehr weitreichende Themen unseres Lebens. Einen Film, der eine solch intime, persönliche Herangehensweise an aktuelle politische Ereignisse besaß, hat es bisher noch nicht gegeben“, so Falco.
Falco weiter: „Doch es geht nicht nur um Politik, sondern vielmehr auch um Teilnahmslosigkeit, Abweichungen vom politischen Kurs, um all die Gründe also, warum wir uns um aktuelle Ereignisse nicht kümmern. Ich glaube, genau das ist auch der Grund, warum Leute wie Tom Cruise, Meryl Streep und Robert Redford in das Projekt eingestiegen sind. Interessant ist auch, dass jede Figur im Film versucht, eine andere Figur zu inspirieren. Senator Irving versucht Janine zu inspirieren, die richtige Geschichte zu schreiben, da er glaubt, dass Amerika einen Sieg benötigt. Ernest und Arian inspirieren andere, denn sie kommen beide aus der Armut von East L.A. und haben es in ihrem Leben weiter gebracht, als sie je gedacht haben. Dr. Malley versucht Todd dazu inspirieren, einen besseren Pfad im Leben einzuschlagen, so dass der in Zukunft selbst mit seinen Taten wiederum andere inspirieren kann. Ich finde, dass der ganze Film Inspiration als zentrales Thema behandelt. Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen, etwas zu tun und eben nicht nur dazusitzen und darauf zu warten, dass andere die Welt verbessern.“
Falco begriff auch, dass die Produktion wegen ihrer Aktualität sofort angegangen werden musste: „Wir wussten, dass wir den Film umgehend machen mussten, damit wir mit den Geschehnissen mithalten konnten. Wir dachten, dass wir genau aus diesem Grund Robert Redford mit im Team haben sollten – waren aber ziemlich sicher, dass er so kurzfristig keine Zeit haben würde. Aber dann trafen Matt und ich ihn in Chicago und plötzlich wurde das Treffen zu einem wunderbaren Meeting. Wir hatten viel Spaß und unterhielten uns über Politik, Kunst und das Leben. Und dann sagte er plötzlich zu. Fast hätten wir uns selbst gezwickt, um uns sicher zu sein, dass das nicht einfach nur ein Traum war.“
Es war jedoch kein Traum und immer mehr Stars sagten dem Projekt zu, bis nach kurzer Zeit eine sensationelle Besetzung für den Film bereitstand.