Die Besetzungsliste von VON LÖWEN UND LÄMMERN wird angeführt von zwei der bekanntesten und bemerkenswertesten Leinwandgrößen unserer Zeit: Meryl Streep und Tom Cruise. Niemals zuvor standen diese beiden Stars gemeinsam vor der Kamera. Als Journalistin Janine Roth und U.S. Senator Jasper Irving treffen sie nun in VON LÖWEN UND LÄMMERN bei einer Unterredung aufeinander, die möglicherweise die Weltpolitik verändern könnte. Beide Schauspieler sahen durch ihre Rollen die Chance, zwei Menschen zu interpretieren, die sich in einer intensiven, ernsthaften Auseinandersetzung befinden: Es ist die aktuelle Auseinandersetzung unserer Zeit: das Tauziehen zwischen Pressefreiheit und politischer Macht..
Janine Roth kommt in Senator Irvings Büro ohne zu wissen, was er möchte. Vor vielen Jahren half einer ihrer Artikel dem ehrgeizigen Jungpolitiker seine Rolle als Retter der Partei zu bekommen und seither war er ihr stets dafür dankbar. Nun hofft er auf ihre Unterstützung bei einer Story, die sicherlich von noch größerer Bedeutung sein wird – nicht nur was den Krieg gegen den Terror betrifft, sondern auch seine eigenen Ziele, Präsident zu werden. Das einzige Problem ist, dass sich Roth, die mittlerweile gesehen hat, wie sich die Medien politisch einmischen können, diesmal nicht so einfach überzeugen lassen will.
Als zweifache Academy Award-Gewinnerin und mittlerweile fast jährlich Nominierte konnte Streep mit vielen der besten Autoren und Regisseure unserer Zeit zusammenarbeiten – dennoch war es das Drehbuch des Jungautors Matthew Carnahan, das ihre Aufmerksamkeit auf VON LÖWEN UND LÄMMERN lenkte, lange bevor Robert Redford daran beteiligt war. „Ich glaube Matthew hat einen Sinn für kluge und aggressive Diskussionen. Er ist ein wenig wie David Mamet, aber dennoch anders. Er hat seine eigene Stimme, die er zum Ausdruck bringt, und das ist ziemlich ungewöhnlich. Ich fand, dass das Drehbuch etwas von einem großen Bühnenstück hat, es voller Unmittelbarkeit und Kraft strotzt. Es liefert einen eindrucksvollen Blick auf wichtige Themen, besitzt aber dennoch diese gewisse Emotionalität, die man gegenüber Leuten empfindet, die man gut kennt“, so Streep.
Streep weiter: „Die Art und Weise, wie das Drehbuch mit Themen wie Engagement, Beteiligung und persönlicher Verantwortung umgeht, die Idee, dass man füreinander verantwortlich ist, interessierte mich sehr. Außerdem beschäftigt sich der Film mit der Frage, welche Verantwortung jeder Bürger in einer Demokratie zu tragen hat und wie schwer es ist, sich für seine Belange einzusetzen.“
Besonders Janine Roths moralisches Dilemma gefiel Streep: Soll die Journalistin gegen oder mit dem Politiker arbeiten, der sie benutzen möchte, um seine Geschichte über eine tödliche Militärmission zu verkaufen. Streep verstand sofort, was in Roths Kopf in einer so angespannten, gefährlichen Situation vorgehen musste. „Mitspielen oder nicht mitspielen, so lautete hier die Frage.“ Streep weiter: „Sie ist eine angesehene Frau, Mitte 50, die auch die Verantwortung für ihre Familie hat und weiß, dass sie keinen Job mehr finden wird, wenn sie gefeuert werden sollte. Es gibt deshalb also viele Dinge, die sie daran hindern, dass zu sagen, was sie wirklich denkt.“
Trotzdem weiß Streep, genauso wie Janine Roth, um mögliche Konsequenzen für eine demokratische Gesellschaft, begreift die Gefahren, die entstehen können, wenn die Presse nicht alles riskiert, um die Wahrheit ans Licht zu bringen: Streep: „Wir sind von einer freien Presse abhängig, die uns die wahren Informationen liefert, die dann als Basis für sehr emotionale Entscheidungen dienen.”
Als selbsternannter „Nachrichtenjunkie“ gesteht Streep, dass sie schon immer vom Leben von Journalistinnen fasziniert war: „Christiane Amanpour ist meine Heldin. Ich bewundere Menschen, die sich an die Front begeben, um uns eine Story zu liefern, und sich dabei nicht von Gefühlen auf die eine oder andere Seite bringen lassen. Aber herauszufinden, welche Dinge eine solche Frau nicht unbedingt zeigen will, das ist wirklich schwer – und genau das macht Roth zu einer sehr interessanten Figur für mich.“
Streep zeigt als Janine Roth das ganze emotionale Chaos, das sich hinter der glatten, kühlen Fassade der Journalistin verbirgt. Besonders ihr voller Einsatz bei den Wortgefechten mit Tom Cruise machte Streep Spaß: „Ich wollte der Figur eine Art tanzende Intelligenz verleihen, bei der man sich nie sicher sein kann, ob nun sie oder der Senator gerade die Oberhand hat. Janine macht da etwas ziemlich Gerissenes, denn während sie eigentlich die Situation in der Hand hat, möchte sie es genau anders wirken lassen. Für sie geht es nur darum, die verstecken Antworten zu bekommen, ohne sich dabei mit der Person, mit der sie zu tun hat, anzulegen.“
Am Set inspirierte Streep besonders Tom Cruises Darbietung – beide Schauspieler trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. „Er erinnerte mich an eine Mischung aus Rick Santorum und John Edwards. Tom versprühte die Atmosphäre eines Politikers, dem eine wirklich große Zukunft in seiner Partei bevorsteht. Unsere gemeinsamen Szenen waren wie ein Duell, mit Finten und Hieben, zwei gut durchdachte Positionen, die aufeinander knallen. Janines Job ist es, ihre wahren Gefühle zu verstecken, um die Story zu bekommen, während die Aufgabe des Senators darin besteht, zusammenzufassen wer er wirklich ist, um sich als die Person zu präsentieren, für den er gern gehalten werden würde. Ein sehr interessanter Konflikt“, so Streep.
Das letzte Mal arbeiteten Streep und Robert Redford für das umjubelte Drama JENSEITS VON AFRIKA (1985) zusammen. Seitdem verbindet die beiden eine enge Freundschaft, die von ihrem gemeinsamen Interesse für den Umweltschutz genährt wird. Die Arbeit mit Robert Redford als Regisseur war für Streep eine Offenbarung: „Damals war er dieser riesige Megastar und ich hatte große Ehrfurcht vor ihm. Aber nun, denke ich, sind wir beide Filmveteranen. Als Regisseur war er so klug und wusste so viel über die Thematik des Films, dass ich mich komplett auf ihn verlassen konnte. Dieses Projekt ist anders als all seine vorherigen Filme, aber er hat immer eine ganz besondere Haltung und Integrität zu dem jeweiligen Stoff. Und ich war erstaunt, wie er es geschafft hat, dass diese drei Geschichten sich wie eine einzige anfühlen, wie er sie miteinander verschmolzen hat und der Story so viel Kraft und Scharfsinn verliehen hat.“
Redford war begeistert von der Idee als Regisseur mit einer guten Freundin zu arbeiten und bedauerte es sehr, dass er selbst keine Szene mit Streep hatte. „Es wäre sicherlich schön gewesen mit ihr als Schauspieler zu arbeiten, da mir das sehr viel Spaß macht, aber als Regisseur hatte ich hier eine andere Art von Beziehung zu ihr. Die gute Nachricht ist, dass es zwischen uns wegen unserer gemeinsamen Arbeit als Schauspieler ein enges Vertrauensverhältnis gibt auf das ich als Regisseur zurückgreifen konnte“, so Redford.
Redford weiter: „Ich arbeitete eng mit ihr zusammen, denn sie ist sehr klug, und ich ermunterte sie, all ihre Ideen für den Film einzubringen und zu improvisieren. Das war wirklich eine große Freude.“
Streeps Gegenstück im Film ist der vom Ehrgeiz getriebene und Ideologie besessene Senator Irving, gespielt von Tom Cruise. Von Anfang an war Redford von Cruise in dieser Rolle begeistert, denn er wusste, dass der die Rolle nicht weiß oder schwarz malen, sondern den Charakter irgendwo in den faszinierenden Schattierungen zwischen den beiden Extremen anlegen würde. Außerdem brachte Cruise eine Mischung angeborener Talente mit: Intelligenz, Charisma, Überzeugungskraft und - nicht zu Vergessen - sein Gewinnerlächeln. So sah Redford in ihm den perfekten Kandidaten für den Part eines rücksichtslosen Politikers auf dem Weg nach oben.
„Es wäre sehr einfach gewesen den Senator einfach als Schnurrbart-zwirbelnden Bösewicht darzustellen, aber das wäre eine Katastrophe gewesen. Tom vertritt einen durchaus legitimen Standpunkt und das musste authentisch vermittelt werden. Was ihn für mich so interessant macht, sind die Intensität und die Energie, die einen Mann auszeichnen, der wirklich an das glaubt, was er tut, der aber auch seine eigenen Interessen verfolgt“, so Redford weiter.
Auch wenn er sich als einer der größten Blockbuster-Stars unserer Zeit einen Namen gemacht hat, ist Tom Cruise ebenso dafür bekannt, unerwartete und herausfordernde Rollen zu übernehmen. Dreimal wurde er für gänzlich verschiedene Rollen für einen Oscar nominiert. Als gelähmter Vietnam-Veteran in Oliver Stones GEBOREN AM 4. JULI (1989), als Sportmanager in der Midlife-Krise in Cameron Crowes JERRY MAGUIRE – SPIEL DES LEBENS (1996) sowie als Dating-Guru Frank Mackey in Paul Thomas Andersons MAGNOLIA (1999). Und trotzdem stellte die Rolle des Senators Jasper Irving für Cruise etwas ganz Neues dar.
Als Irving spielt er einen Mann, der bereit ist, für seine eigenen Überzeugungen, das Leben anderer Amerikaner aufs Spiel zu setzten. „Die Rolle war für mich als Schauspieler eine echte Herausforderung. So etwas habe ich noch nie gespielt. Japser Irving verfügt über großes politisches und militärisches Fachwissen und er glaubt, den wirklich besten Weg zu wissen, um zu helfen. Ich konnte ihn nicht einfach nur als Charakter spielen. Vielmehr musste ich dieser Mann werden, um wirklich zu verstehen, was er weiß und gleichzeitig in sein Innerstes zu sehen. Es war ein Part, bei dem ich Nachforschungen anstellte und viel lernte“, so Cruise.
Um noch tiefer in Irvings Welt und dessen leidenschaftliche Befürwortung vermehrter militärischer Gewalt einzudringen, setzte sich Cruise intensiv mit Fachliteratur auseinander und begann zu lernen. Cruise dazu: „Ich verbrachte viel Zeit damit Bücher über zeitgenössische Regierungen, die Geschichte des Konservatismus und über die aktuelle außenpolitische Lage zu lesen. Um Irving zu werden, musste ich mir sein Wissen aneignen. Außerdem war ich in der glücklichen Lage mit einigen Leuten, die sehr hohe Positionen bekleiden, reden zu können. Sie waren sehr offen und ehrlich zu mir, was ihre Standpunkte betraf.“
Außerdem musste er einen Weg finden, um mit Meryl Streeps Figur der Journalistin interagieren zu können, um Szenen, die in einem nur einigen Quadratmeter großen Büro spielten, eine unterhaltsame Spannung zu verleihen. „Ich konnte es gar nicht erwarten, diese Szenen mit ihr zu spielen, diesen wunderbaren intellektuellen und gewitzten Schlagabtausch auszutragen“, gesteht Cruise. „Über Meryl wurde bereits alles gesagt, was man über einen Künstler sagen kann – und all das ist meiner Meinung nach wirklich wahr. Sie ist eine enorm starke Frau und eine unglaublich selbstlose Schauspielerin. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, mit ihr spielen zu können und dürfen.“
Der Schlüssel zu ihren gemeinsamen Szenen bestand für Cruise darin, dem Publikum die Spannung zwischen den beiden Figuren zu vermitteln. „Die Dynamik zwischen dem Senator und Meryls Journalistin ist sehr aufregend. Dieses schnelle hin und her zwischen den verschiedenen Ideen und Standpunkten. Diese messerscharfen Wortgefechte, dieser intellektuelle Schlagabtausch waren Herausforderung und wahrer Spaß“, erklärt Cruise.
Auch Robert Redfords Regiestil fand Cruise vorbildlich: „Seine Arbeit konzentriert sich immer sehr stark auf die Figuren, aber auch auf die Story und die Struktur. Das, was man als Zuschauer sieht, ist also nicht nur authentisch, sondern hat auch Dramatik und Spannung. Ich fühlte mich sehr geehrt, mit ihm arbeiten zu dürfen.“