Während sich Janine Roth und Senator Irving in Washington ein packendes Wortgefecht liefern, ist das Büro eines College Professor an der anderen Küste des Landes Schauplatz eines ganz anderen Konflikts. Hier spielt das Herzstück des Films VON LÖWEN UND LÄMMERN. Der Historiker Dr. Malley stellt einen seiner Studenten, der er in seinen Augen das Potential dazu besitzt, die zu Welt verändern, zur Rede.
Von der ersten Minute, in der er das Drehbuch zu VON LÖWEN UND LÄMMERN las, sah Redford sich selbst in der Rolle des Dr. Malley - weil er schon immer von Lehrern und Erziehern, sowie deren Chance, der jungen Generation Gehör zu verschaffen, fasziniert war. Aspekte, die sich in Redfords eigenem Charakter finden und die ihn dazu bewegten, das Sundance Film Festival zu gründen.
Er sah in Malley einen einsamen Einzelgänger, einen Vertreter einer langsam aussterbenden Spezies und das bewegte Redford. „Er ist am Ende seiner Kräfte. Er ist ein Lehrer, der glaubt, dass Erziehung eine sehr wichtige Rolle für die demokratische Stärke und das demokratische Wachstum spielt, doch gleichzeitig sieht er, wie sich sein gesamtes Lebenswerk, das er diesem Ziel verschrieben hat, in Luft auflöst. In dieser Hinsicht kommt einem seiner Schüler, Todd, eine symbolische Rolle zu. Der Student hat ein enormes Potential, das er aber für ein leichtes Leben wegwirft. Malley unternimmt nun ein letzten verzweifelten Versuch diesen Jungen mit seinem Gewissen zu konfrontieren, ihn quasi zum Besseren zu bekehren“, so Redford.
Malleys Unterhaltung mit Todd kreist um die grundlegendsten und kritischsten Fragen des Werks. Robert Redford führt aus: „Dr. Malley muss seit Jahren mit ansehen wie junge Menschen immer mehr in Teilnahmslosigkeit und Zynismus abgleiten. Junge Leute, die sagen, warum sollte ich mich da einmischen, warum soll ich mir nicht ein gutes Leben machen? Es macht sich doch längst das Gefühl breit, dass es lächerlich ist, sich in ein System einzumischen, das schon so kaputt ist. Malley sieht in Todd nun jemanden, der zwar ein gutes Leben führen kann, wenn er das will, der aber auf der anderen Seite auch Verantwortung übernehmen und etwas riskieren und ändern könnte.“
Für die Rolle des Todd, des lockeren, dennoch begabten Studenten, der zuerst versucht, Dr. Malley auszuweichen, sich ihm aber dann doch noch öffnet, wählte Redford einen vielversprechenden Newcomer: Andrew Garfield. Einen britischer Theaterschauspieler und Sohn eines Amerikaners, der 2008 in THE OTHER BOLEYN GIRL zu sehen sein wird. „Er ist noch sehr neu im Geschäft, aber außerordentlich talentiert. Wir haben uns für die Rolle mit fast jedem Jungschauspieler im Alter zwischen 18 und 30 Jahren getroffen und wir sind alle der Meinung, dass wir den Besten für diesen Job gefunden haben“, so Falco.
Redford bemerkt, dass Garfield anfangs als ziemlicher Außenseiter ins Rennen um die Rolle ging, zumal er aus England stammt und keinerlei Erfahrungen mit amerikanischen Universitäten hatte. „Er ist kein Amerikaner, also standen seine Chancen eher schlecht. Allerdings war er auch ziemlich clever und smart und ich dachte, dass er genau die richtige Person für das Duell mit meinem Charakter ist. Er war eine wirkliche Entdeckung und ich persönlich hatte sehr viel Spaß daran mit ihm zu arbeiten“, freut sich Redford.
Ungeachtet seines persönlichen Hintergrunds verstand Garfield seinen Charakter sofort: „Primär ist Todd superintelligent und superfaul. Er ist wortgewandt, sich vieler Dinge bewusst und besitzt ein enormes Potential, aber er liebt das gute Leben – Frauen, Studentenverbindungen und den Spaß. So machen es viele junge Leute in seinem Alter, denn auch wenn es auf der Welt im Moment ziemlich schlimm und chaotisch zugeht, ist es, denke ich, für junge Menschen schwer etwas dagegen zu unternehmen“, so der britische Jungschauspieler.
Trotzdem machte die Tatsache, dass Garfield Todd verstand, es nicht leichter, ihn zu spielen: „Ich fand es wirklich sehr schwer hinter diese Teilnahmslosigkeit zu blicken und sie zu durchblicken. Ich musste ganz gegen meine eigenen Instinkte handeln“, so Garfield.
Dafür war Andrew Garfield begeistert vom intensiven Schlagabtausch, der sich entwickelt nachdem Todd von Malley zur Rede gestellt wird. Es folgt eine außergewöhnliche Unterhaltung darüber was im Leben wirklich zählt: „Todd wird von Dr. Malley wachgerüttelt. Vor ihm steht nun eine riesige Herausforderung, denn dieser Pädagoge taucht praktisch in sein Innerstes ein und sagt: ’Schau, du machst gar nichts aus den Talenten, die man dir geschenkt hat’. So ist Todd gezwungen, in sich selbst hineinzusehen und das viel tiefer, als er es je von selbst aus getan hätte. Ich glaube, so hat sich für Todd eine Tür geöffnet, dir er eigentlich lieber für immer zugelassen hätte. Er weiß, dass er Verantwortung übernehmen muss, sobald diese Türe geöffnet wird.“
Garfield selbst musste sich in diesem Part der Respekt einflößenden Tatsache stellen, mit Robert Redford und unter Redfords Regie zu arbeiten - und das in seiner ersten großen Kinorolle. „Zuerst war das für mich ein zweischneidiges Schwert“, gesteht der Jungmime. „Auf der einen Seite war es wahnsinnig aufregend, auf der anderen Seite hatte ich auch große Angst! Ich brauchte ungefähr drei oder vier Tage bis ich es so richtig glauben konnte. Das Ganze schien eher wie ein Traum. Aber als ich ihn dann traf, wurde er schnell zu einem ‚normalen menschlichen Wesen’. Obwohl er eine unglaubliche Leinwandlegende ist, besitzt er keine Starallüren. Es war eben wie wenn man mit einem fantastischen, nicht im geringsten eingebildeten Darsteller zusammenarbeitet. Er ist beim Schauspielen sehr verspielt und wenn er Regie führt ist er extrem ruhig, gelassen und selbstlos.“
Die beiden Männer standen vor der schwierigen Aufgabe, diese hitzige, angespannte und auch überaus weitreichende Diskussion zwischen zwei Generationen auf der Leinwand dynamisch und lebendig zu halten. Garfield erklärt: „Wir haben viel darüber gesprochen, wie wir diese Unterhaltung in Bewegung halten können. Die Szenen sind sicherlich eine Herausforderung, sie sind von sich aus sehr statisch und ziemlich angespannt. Deshalb versuchten wir, wo wir nur konnten, eine gewisse Leichtigkeit und Energie einzubauen.“
Letztendlich glaubt Garfield, dass das, was in der kurzen Zeit in Dr. Malleys Büro passiert, Todds Leben in einer Weise beeinflusst, die er zuvor nie für möglich gehalten hätte: „Malley pflanzt wirklich Samen. Er sagt: ’Bleib aufmerksam, lese die Zeitung, rege dich darüber auf und sei vor allem Teil dieser Welt’. Er gibt Todd keine leichten Antworten, er erinnert ihn nur daran, dass er über Talente verfügt, die er selbst auf ganz eigene Weise einsetzen kann.“