Den herzergreifenden Höhepunkt der ineinander verwobenen Erzählstränge in VON LÖWEN UND LÄMMERN bilden zwei junge und ihrem Land treue Soldaten und beste Freunde, die auf einem abgelegenen Bergrücken in Afghanistan ums nackte Überleben kämpfen. Arian und Ernest, zwei vielversprechende ehemalige Studenten von Dr. Malley, wurden hierher geschickt, um in geheimer Mission das Blatt im Krieg in Zentralasien zu wenden – und sie sind bereit für ihr Land und füreinander alles zu opfern. Ihre Taten und ihr Heldentum zeigen die unausweichliche menschliche Seite der Debatten, die von Leuten in höheren Positionen nur auf verbaler Ebene geführt werden.
Bei seiner Suche nach den passenden Darstellern für Arian und Ernest hoffte Robert Redford Personen zu finden, die genau verstanden, woher diese jungen Männer kamen und wie hart sie hatten arbeiteten müssen, um im Leben so weit zu kommen. „Man sollte fühlen, dass diese beiden aus harten Vierteln kommen, aus denen sie sich durch ihr Engagement hoch gearbeitet haben. Neben ihren akademischen Leistungen und ihrer Gewandtheit, mussten sie aber immer noch diese brutale und kompromisslose Ghetto-Einstellung besitzen“, so der Regisseur.
Aus diesen Gründen fiel Redfords Wahl auf Derek Luke und Michael Peña, zwei aufstrebende Jungschauspieler, die beide aus unterprivilegierten Verhältnissen stammen und über genau die herausragende Begabung verfügen, um eine einzigartige Freundschaft in einer schweren Notlage darzustellen. „Besonders ihre emotionale Tiefe begeisterte mich an Derek und Michael. Sie sind beide starke Persönlichkeiten, besitzen eine persönliche Würde und menschliche Größe. Das alles war wichtig für mich“, so Redford weiter.
Derek Luke, der sich mit der Titelrolle in ANTWONE FISHER (2002), seinem Spielfilmdebüt unter der Regie von Denzel Washington einen Ruf machte, war seither in vielen Kinofilmen zu bewundern, kürzlich etwa in Philip Noyces Politthriller CATCH A FIRE (2006).
Als Luke VON LÖWEN UND LÄMMERN zum ersten Mal las, war er gleich begeistert von seinem Charakter, denn er fühlte sich auf sehr persönlicher Ebene zu dieser Figur hingezogen: „In der Rolle des Arian konnte ich auf meine eigenen Erlebnisse zurückgreifen, denn ich stamme selbst aus einer unterprivilegierten Umgebung und setzte alles daran, dort rauszukommen. Ich kenne das Gefühl, so hart für eine Veränderung gearbeitet zu haben, dass man mit seinem Traum eins wird“, so der Jungschauspieler.
Außerdem fühlte er, dass er unter all den Hollywood-Geschichten einmal etwas Einzigartiges las. „Es war wirklich sehr anders. Es gefiel mir gut, dass man hier die Realität aus vielen verschiedenen Perspektiven zu sehen bekommt – aus der Perspektive eines Politikers, einer Journalistin, eines Studenten, zweier Soldaten – und jeder von ihnen spielt eine andere Rolle in der Verteidigung der Freiheit.“
Am dringlichsten aber wollte Luke verstehen, warum Arian diesen harten Weg im Leben geht: „Ich wollte herausfinden, warum ein junger Mann, der aus der Unterschicht kommt und sich bis auf eine so bekannte Universität hoch gearbeitet hat, dann plötzlich die Entscheidung trifft, im Krieg zu kämpfen. Ich glaube Arian hat festgestellt, dass an dieser Elite-Uni viele Schüler großartige Möglichkeiten hätten, diese aber nicht nutzen. Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass Arian wohl einen größeren Sinn hinter all dem gesehen hat und ihn in die Tat umsetzte.“
Luke glaubt auch, dass Professors Malley einen bleibenden Eindruck bei Arian hinterlassen hat, auch wenn es nicht die Art von Eindruck war, die Malley erwartete. „Ich glaube Worte können etwas bewirken und haben eine große Bedeutung. Manchmal, wenn man jemandem die richtigen Worte sagt, können das eine Person wachrütteln. Ich glaube, genau das hat Dr. Malley bei Arian geschafft. Er überzeugte Arian davon, dass er Verantwortung zu tragen und der Welt zu helfen hat. Und Arian legte das dann auf seine eigene Art aus“, so Luke.
Luke weiter: „Das inspirierte Arian und das inspirierte auch mich, die Rolle anzunehmen. Dr. Malley fordert die junge Generation dazu auf, nicht nur abzuwarten, zu schlafen, sondern ein bewusster und engagierter Teil der Gesellschaft zu werden.“
Neben der notwendigen mentalen Vorbereitung, erhielt Luke auch Waffen- und Kampftraining und musste sich die herausragende Fitness eines Elitesoldaten aneignen, um die 40 Pfund schwere Ausrüstung durch das „afghanische“ Hochgebirge schleppen zu können. Die Erfahrung war eine Erleuchtung: „Nach einigen Tagen harten Militärtrainings kam es mir so vor, als gäbe es keine andere Welt mehr. Es ging nur noch um Bruderschaft - ein Bruder zu meiner Rechten, der andere zu meiner Linken. Ich bekam wirklich einen Eindruck von dem Ehrgefühl, der Hingabe und der Opferbereitschaft eines echten Soldaten.“ Das Training intensivierte auch seine Beziehung zu Michael Peña, der seinen besten Freund und Kameraden spielt. „Wir wurden zu echten Freunden und fanden viele Gemeinsamkeiten. Wir beiden wollten in diesem Film alles so realistisch und glaubwürdig wie nur möglich erscheinen zu lassen und das führte zu unserer authentischen, engen Verbindung, die man auf der Leinwand förmlich spüren kann.“
Kein Training der Welt konnte Luke jedoch auf die langen, schweren Drehtage im metertiefen Schnee vorbereiten: „Wir haben anfänglich probehalber mit Kunstschnee gedreht, aber als wir dann richtig loslegten, hatte man sich dazu entschlossen auf echten Schnee umzustellen, da das besser aussah. Ich muss gestehen, dass die Arbeit unter diesen Bedingungen, eingegraben in Schnee, durchgefroren bis das man die eigenen Füße nicht mehr spürt, mir zeigte, wer Arian in dieser Situation wirklich war. Es war schwierig, aber ich schätze diese Art wie diese Figur so eine Herausforderung mit Würde trägt.“
Wie Derek Luke, kommt auch der aufstrebende Star Michael Peña aus einem ähnlichen sozialen Hintergrund wie sein Charakter Ernest. Peña wuchs in einem berüchtigten Viertel von Chicago auf. Mit Parts in Filmen wie dem Oscar-prämierten Drama L.A. CRASH (2005), BABEL (2006), Oliver Stones WORLD TRADE CENTER (2006) und dem Actionhit SHOOTER (2007) lenkte er die Aufmerksamkeit der Branche auf sich.
„Ernest Reise gefiel mir sehr gut und ich habe sehr viel mit ihm gemeinsam. Ich stamme selbst aus einem Viertel, das wohl nicht das idealste war, und ich weiß wie es ist, hart für seine Ziele zu arbeiten. Ich weiß, wie es ist, einen Traum zu träumen, der unerreichbar scheint und trotzdem denkt man gleichzeitig, dass er irgendwann Wirklichkeit werden könnte. Ich konnte mich in beide Figuren gut hineinversetzen, verstand ihren Hintergrund, ihren Weg vom College in den Krieg. Sie sehen ein, dass sie selbst etwas tun müssen, um die Welt zu verändern.“ sagt Peña.
Auch die kompliziert ineinandergeflochtene Struktur des Drehbuchs beeindruckte Peña. „Ich liebe es, wie sich die einzelnen Erzählstränge umeinander schlingen und dann zu einem gemeinsamen Ende kommen. Die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, ist sehr ausgeglichen und harmonisch. Besonders die Tatsache, dass man jede einzelne Perspektive des Films braucht, um die anderen zu versehen, gefiel mir sehr gut. Wie auch in L.A. CRASH wurde dies hier meisterhaft umgesetzt.“
Ein weiterer Aspekt der Geschichte, mit dem Peña sich verbunden fühlte, war die Idee, dass ein Mentor einen bleibenden Eindruck bei einer jungen Person hinterlassen kann: „Mit ein Grund, warum ich diesen Film wirklich machen wollte, war, weil ich selbst viele Menschen kenne, die mich als Schüler inspiriert haben. Leute, die tatsächlich an mich glaubten, Mentoren wie Dr. Malley. Ihnen allen wollte ich so meinen Tribut zollen.“
Peña gefiel das Drehbuch sehr gut, doch als er hörte, wer mit ihm vor der Kamera stehen würde, mochte er seinen Ohren kaum trauen: Er erinnert sich: „Ich fragte, wer denn Regie führen würde und man antwortete mir: Robert Redford, und ich dachte mir, fein! Und dann hieß es auch noch, dass Meryl Streep und Tom Cruise mit dabei wären und ich dachte mir, hey, ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen. Es war einfach überwältigend.“
Aber so verlockend das Projekt auch klang, Peña musste einen Weg finden, in die Seele seines Charakters zu blicken, um zu verstehen, warum sich Ernest freiwillig zur Armee meldet, wo er doch gerade vor dem Beginn einer großen Karriere steht: „Ich glaube, der Grund für sein Handeln ist, dass Ernest und sein Freund Arian Loyalität gegenüber ihrem Land empfinden. Und sie wollen wirklich etwas verändern in dieser Welt. Ich glaube, die beiden denken, dass, wenn es einen Krieg gibt, sie diejenigen sein wollen, die dort mit Stolz kämpfen. Sie wollen die besten Soldaten sein, die sie sein können. Für sie heißt das viel mehr als nur in den Krieg ziehen. Sie wollten einfach so gut helfen, wie sie können.“
Zusammen mit Derek Luke absolvierte Peña ein hartes und intensives Militärtraining als Vorbereitung auf die Rolle. Aber, wie auch bei Luke, konnte ihn kein Waffentraining der Welt auf die emotionalen und körperlichen Herausforderungen des Drehs im Schnee vorbereiten. Er rekapituliert: „Ich erinnere mich, wie ich bis zur Brust in Schnee saß und mir selbst Mut zusprach: ’Ich mache das hier für einen guten Grund und für einen guten Film.’.“
Dennoch bewegten besonders der Mut und das Schicksal seines Charakters und all die Fragen, die diese Rolle mit sich brachte, den Schauspieler sehr. „Die eindrucksvollste Stelle in VON LÖWEN UND LÄMMERN ist für mich der Satz, den Dr. Malley Todd mit auf den Weg gibt. Der lautet: ’Lasse solche Löwen nie von solchen Lämmern angeführt werden’. Das Zitat ist wirklich tiefgründig und regt zum Nachdenken an.“