Mittwoch | 30. Mai 2012 | 19:31 Uhr
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    Drama | USA 2008
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      • | Hintergrund: Die Barmherzigen Schwestern

      • Bei seiner Leinwandadaption von GLAUBENSFRAGE geht John Patrick Shanley weit über das Stereotyp der engstirnigen Nonne als Lehrerin hinaus und zeigt diese bemerkenswerten Frauen als komplexe Charaktere, die sich zu einem spirituellen Leben entschlossen haben, das Liebe, Gebet und Mitgefühl bedeutet und dem Dienst an Gott gewidmet ist.

        Dabei bekam er viel Unterstützung von den Barmherzigen Schwestern, die ihn als Kind in St. Anthony’s unterrichtet hatten. Viele von ihnen teilten ihm ihre Erinnerungen an die Gründe mit, die sie dazu bewogen hatten, das Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam abzulegen, und erzählten von ihrem Leben im Konvent und an der Konfessionsschule.

        Bis heute ist das Leben von Nonnen von einer tief empfundenen Frömmigkeit erfüllt. Für sie zeigt sich Gott im Dienst an den Armen und Bedürftigen. Für Mädchen war der Entschluss, als Nonne ins Kloster zu gehen, so anders als die Entscheidung für einen Lebensweg wie den ihrer Altersgenossinnen, und er wurde von Freunden und Familie häufig in Frage gestellt. „Ich fühlte mich, als würde ich einer Berufung folgen. Ich wusste, dass Gott das wollte.”, so Schwester Irene Fugazi, die dem Orden seit 71 Jahren angehört. „Aber es war schwer, anderen Menschen das zu erklären. Mein Vater gab schließlich seine Zustimmung, aber nur sehr zögernd. Und er meinte, ich würde nach drei Wochen wieder aussteigen. Natürlich hatte er Unrecht, und er gab das viele Jahre später zu.”

        Damals war das Leben von Nonnen einfacher, strenger und isolierter als heute. Es richtete sich nach einem klar strukturierten Tagesablauf, dem Horarium, das in der Morgendämmerung begann, wenn eine Glocke die Frauen zum Morgengebet weckte, gefolgt von einer Zeit für stille, persönliche Meditation. Nach einer Messe um 7:00 Uhr nahmen die Nonnen ein kleines Frühstück in Stille zu sich, bevor der Unterricht begann. Nach Ende des Arbeitstags freuten sich die Frauen aufs Abendessen, wie sich Schwester Peggy erinnert: „Danach wuschen wir abwechselnd das Geschirr und zogen uns zum Nachtgebet zurück. Gegen 8:00 Uhr läutete man zur Abendruhe, und um 9:00 Uhr wurde das Licht ausgeschaltet, wenngleich ich eine Taschenlampe hatte, um heimlich zu lesen.”

        Damals lebten die Nonnen häufig vom Rest der Welt getrennt, auch von ihren Familien. Wenn sie das Kloster für einen Arzttermin verlassen mussten, dann nur in Begleitung. „Es war ein sehr karges Leben.”, so Schwester Peggy. „Wir konnten keinen Wein trinken oder auf Partys gehen. Man ließ uns zu Begräbnissen, aber nicht zu Hochzeiten. Das war sehr streng. Ich konnte nicht einmal zur Hochzeit meines Bruders, was traurig war, aber du hast das als das Leben akzeptiert, zu dem du dich verpflichtet hattest.”

        Außerhalb der Schule war das Schweigen lebensbestimmend – ein Weg, um nahe bei Gott zu bleiben. „Wir verbrachten die meiste Zeit in Stille, es sei denn, die leitende Schwester hatte Gnade mit uns oder einen guten Grund, um zu plaudern.”, erinnert sich Schwester Fugazi.

        In der Schule engagierten sich die Schwestern für ihre jungen Schützlinge, auch wenn es sehr anstrengend war, Klassen mit 42 Kindern und mehr zu unterrichten. „Ich liebe es zu unterrichten und ich liebe Kinder.”, so Schwester Fugazi. „Aber wenn sie wirklich etwas lernen sollten, brauchtest du Ordnung. Und du hast gelernt, Ordnung zu schaffen. Doch meine Schüler wussten, dass ich sie wirklich liebte, sogar die Spitzbuben. In der Mittagszeit habe ich ihnen Basketball oder Hockey beigebracht.”

        1964, das Jahr, in dem der Film spielt, waren sich die Schwestern darüber bewusst, dass auf die Kirche Veränderungen zukamen – Veränderungen, über die die älteren Nonnen im Gegensatz zu den jüngeren nicht immer glücklich waren. Der Prozess der Liberalisierung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlaubte ihnen mehr Freiheit und Kontakt mit der Welt. Die Strenge ihres Lebens im Konvent wurde sukzessive gelockert. Sie durften den Führerschein machen, zur Wahl gehen und sie wurden – in den Worten von Pater Flynn – „freundlicher”. „Ich denke, dass uns das Zweite Vatikanische Konzil in unseren Beziehungen zur Laienschaft geholfen hat. Jetzt kann ich die Familien meiner Schüler wirklich kennen lernen.”, so Schwester Peggy.

        Dennoch gingen viele Nonnen mit den Veränderungen vorsichtig um. Sie zögerten, die rigorose Spiritualität aufzugeben oder die Art, wie sie ihre Hingabe an Gott ausdrückten. Schließlich hatte diese sie ja erst dazu gebracht, Nonnen zu werden. „Ich habe viele Veränderungen erlebt.”, so Schwester Rita King, die dem Orden der Barmherzigen Schwestern seit 1948 angehört. „Immer wenn sich die Zeiten ändern, hast du Leute, die zurück- und andere, die vorwärtsgehen wollen – aber ich hoffte immer, irgendwo in der Mitte zu bleiben. „Manchmal wünsche ich mir, dass jemand eine Glocke läutet und uns zum Schweigen ruft.”, fügt Schwester Peggy hinzu. „Denn fortwährend klingelt das Telefon, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, und du musst wirklich nach Frieden suchen.”

        Sogar das allmähliche Verschwinden des Habits stieß auf gemischte Gefühle. „Als junge Schwester war ich richtig stolz darauf.”, meint Schwester Fugazi. „Es machte mir Freude, einer Gemeinschaft anzugehören, in der alle die gleichen Ziele hatten. Als wir den Habit abgelegt hatten, fühlte sich das anders an, obwohl es mich auch glücklich machte.”

        Aber nicht nur die Kirche änderte sich, sondern auch die Gesellschaft, und ganz besonders die Kinder, die von den Nonnen unterrichtet wurden. Heute leben Kinder in einer völlig neuen Realität, darin sind sich alle Schwestern einig. „Sie sind definitiv anders, offener und kultivierter.”, so Schwester Fugazi. „Aber auch wenn sie anders sind, so heißt das nicht, dass sie nicht genauso gut oder interessant sind. Sie leben nur in einer Welt, die sich nicht mit der in den 60er Jahren vergleichen lässt, als wir als Lehrerinnen anfingen. Jetzt laufen alle mit Stöpseln in ihren Ohren herum!”

        Doch die wichtigsten Elemente im Leben von Nonnen sind gleich geblieben. Auch heute drücken sie ihre Liebe zu Gott dadurch aus, dass sie Kinder in Problemgegenden unterrichten und betreuen. „Das Leben der Kinder hat sich verändert, aber nicht ihre Bedürfnisse.”, meint Schwester Peggy zusammenfassend. „Sie brauchen immer noch die Unterstützung und Ermutigung von Erwachsenen und Lehrern. Sie zählen auf uns – und das hat sich nicht geändert.”

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