Das Jahr 2005 läutete mit der Fertigstellung der großen internationalen Raumstation ISS eine neue Ära der Weltraumforschung ein. Wechselnde Besatzungen werden in den kommenden Jahren tausende, vor allem biomedizinische und materialwissenschaftliche Experimente durchführen. Nicht nur für die amerikanische Weltraumagentur NASA ist es damit Zeit, ein neues Großprogramm zu entwickeln. Das Projekt „bemannter Flug zum Mars“ nimmt Gestalt an und wird die nächsten Raumfahrt-Jahrzehnte prägen. Aus Kostengründen nimmt das Unternehmen globale Dimensionen an - und deshalb wird selbst China eingeladen.
Die Vorbereitungen für einen menschlichen Besuch auf dem Mars erinnern an die ungeheure Euphorie, die vor fast 40 Jahren die erste Mondlandung auslöste. In einer Zeit, die vom Konflikt zwischen den Weltmächten USA und Sowjetunion, dem Vietnamkrieg, auf der anderen Seite jedoch auch von einer neuen gesellschaftlichen Offenheit charakterisiert war, leisteten die weltweit übertragenen Fernsehbilder vom Spaziergang der Astronauten auf dem Mond einen großen emotionalen Beitrag zur Völkerverständigung. „Wir haben es geschafft“ lautete die internationale Überzeugung, wie sich Astronaut Mike Collins im Interview erinnert – neben dem neuen gesellschaftlichen Optimismus durch den Triumph der Wissenschaft existierte plötzlich ein überwältigendes Gefühl der Einheit und Verbundenheit.
Auslöser hierfür war nichts weniger als die Erfüllung eines jahrtausendealten Traums der Menschheit: Seit jeher besitzt der Mond nicht nur eine wissenschaftliche Anziehungskraft, sondern auch eine magische, mythische Dimension. Der Trabant der Erde verändert seine Form, bewegt die Meere, löst Ebbe und Flut aus, stellte in vielen Kulturen eine Gottheit dar, ist Basis verschiedener Zeitrechnungen und lässt Menschen schlafwandeln. Die unterschiedlichen Mondphasen beeinflussen Prozesse der Land- und Forstwirtschaft sowie die Navigation der Zugvögel. Selbst der moderne Mensch berücksichtigt Mondkonstellationen beim Friseurbesuch, der Erstellung von Horoskopen und betreibt womöglich Luna Yoga – vom Erwerb eines Grundstücks auf dem Planeten ganz abgesehen. Bis heute ist der Mond Gegenstand unzähliger Romane und Fiktionen.
Bei den Mondmissionen zwischen 1969 und 1972 gingen der lange unmöglich scheinende Traum und die Wissenschaft eine erstaunliche Verbindung ein. Zunächst ein Produkt des Kalten Krieges und des „Höher, weiter, schneller“-Wettlaufs der USA mit der Sowjetunion war die Mondlandung schließlich ein positiver Schub für die Weltbevölkerung. Die unter anderem von John F. Kennedy beschworenen Werte wie moderner Pioniergeist, Freiheit, Mut und Risikobereitschaft wurden mit neuer Bedeutung aufgeladen.
Für die beteiligten Astronauten war die Mondlandung neben der wissenschaftlichen Herausforderung auch eine erstaunliche philosophische Erfahrung, wovon „Im Schatten des Mondes“ erstmals umfassend berichtet. Übereinstimmend erzählen die Mondfahrer – alle von einem harten Pilotentraining, Kampfeinsätzen, solider Wissenschaft und gesellschaftlichem Heldenstatus geprägt -von einem Ehrfurcht gebietenden, bescheiden machenden Erlebnis, das sogar ihre kühnsten Kindheitsträume übertraf. Im Weltall wurden sie angesichts des Mondes und der neuen Relation zur Erde zu staunenden Beobachtern. Die Gestalt der Erde im Gegensatz zum unwirtlichen Mond beschrieben sie als „heiter, friedlich und unendlich zerbrechlich“ - für viele ein spirituelles Erlebnis. „Es war ein angenehmer Kontrast zu der ganzen Technik und stellte einen Bezug her zu den wesentlichen Dingen, zu unserem Schöpfer. Das hat mir gefallen.“, berichtet Mike Collins von der Apollo 8 Mission.
Die Erde als „Garten Eden“ (Alan Bean), das Glück zu leben, die direkte Begegnung mit einer höheren Instanz – die überwältigende Erfahrung der Astronauten setzt „Im Schatten des Mondes“ in wunderschönen, majestätischen und meditativen Bildern um.
Das zentrale Thema des Films – die Notwendigkeit Träume zu verwirklichen und dafür Risiken einzugehen, um eine neue, verantwortungsvolle Perspektive auf das Leben und die Schöpfung zu erhalten – ist in einer neuen Epoche globaler Unsicherheit aktueller denn je.