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  • Der Tag, an dem die Erde stillstand

    Thriller, Science Fiction | USA 2008
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      • | Produktion: Die Special-Effekte

      • Die Filmemacher wussten, dass sie sich teilweise auf den Zauber von Computer-Effekten verlassen müssten, um eine Geschichte wie die von DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND in all ihrer Größe und ihrem Einfallsreichtum zum Leben zu erwecken. Dennoch wollte Regisseur Scott Derrickson sicher gehen, dass die Bilder aus dem Rechner die Erzählung unterstützen und sie nicht unter sich begraben würden. „Ich glaube nicht, dass das Publikum sich nach mehr CGI sehnt“, sinniert Derrickson. „Vom Science-Fiction-Genre wollen die Zuschauer verblüfft werden, es soll Ehrfurcht wecken vor dem, was in unserem Universum und in unserer Zukunft möglich sein könnte“.

        Drei Aspekte der legendären Vorlage von 1951 erwiesen sich als die größten Herausforderungen für Regisseur und Crew: In einer Kombination aus computergenerierten und physischen Effekten entwarfen sie zum einen das Transportmittel, mit dem Klaatu zur Erde reist (im Original ein klassisches Raumschiff), zum anderen die Gestalt, die Klaatu sich nach seiner Ankunft gibt (in Robert Wises Version steigt er als Mann um die 30 und in einem geschmeidigen Raumanzug aus seinem Schiff), und schließlich das Aussehen von „Gort“, Klaatus riesigem robotischen Kumpanen.

        „Das Original stellte auf sehr einfache Weise klar, dass Klaatu, sein Anzug, Gort und das Raumschiff zueinander gehörten – und sicher nicht zur Erde“, sagt Regisseur Scott Derrickson. „Das wollten wir sanft modernisieren, ohne unbedingt typische Sci-Fi-Technologie zu berücksichtigen. Eine fortschrittliche Gesellschaft von Außerirdischen könnte sich der Biologie und der Ökologie verschrieben haben und so über eine Technik verfügen, die weitaus organischer ist als das, was wir seit 60 Jahren im Genre zu sehen bekommen: fliegende Untertassen, Raumschiffe, Laserstrahlen. Von dieser Möglichkeit sind wir ausgegangen und haben daraus Ideen entwickelt, die einfach und realistisch zugleich sind und sich gut in die Geschichte einfügen“.

        Diesen Ansatz weitete Derrickson auf die gesamte Produktion aus und gab Effekte in Auftrag, die – vor allem, wenn es um Klaatu und seine außerirdische Umgebung ging – denkbar echt und so wenig „effektlastig“ wie möglich aussehen sollten. „Scott wünschte sich Wirklichkeitsnähe“, sagt Visual Effects Supervisor Jeffrey Okun. „Das Schwierigste war es, Dinge wie ein riesiges Raumschiff und einen achteinhalb Meter großen Roboter organisch und natürlich aussehen zu lassen“.

        Derrickson und Okun arbeiteten gemeinsam mit dem Produktionsdesigner David Brisbin zahlreiche Konzepte aus, um den richtigen Look für Klaatu, sein Transportmittel und Gort zu finden. „Sobald eine Idee entstand und entwickelt wurde, beeinflusste sie sogleich die anderen beiden Entwürfe“, sagt Derrickson.

        Keanu Reeves brachte sich während seiner Arbeit am Skript mit Derrickson und Autor David Scarpe immer wieder konstruktiv in die Diskussion mit ein. „Keanu ist sehr gewitzt und hat dabei eine künstlerische Ader“, sagt Okun. „In der Zeit, in der er mit Scott und David das Drehbuch durchging, kam er immer wieder mit klasse Vorschlägen zu uns. Viele begannen mit ‚Was wäre, wenn ..?’“
        „Normalerweise stellen wir uns Aliens als eine irgendwie insektenartige Lebensform vor, die dennoch ein vage menschliches Äußeres hat“, fährt Okun fort. „Bei der unvorstellbaren Größe des Universums könnte es aber gut sein, dass es andere Lebensformen gibt, die vielleicht gar nicht atmen müssen und uns kein bisschen ähneln. Was also, wenn Klaatu keine physische Präsenz ist, wie wir sie kennen? Was, wenn er gar keine Form hat?“

        Man entschied sich, dass Klaatu in seiner ursprünglichsten Daseinsform ein Gebilde aus Licht sein sollte. Unter der Ägide von Brisbin machte sich der Designer Aaron Sims an die Gestaltung von Klaatus „Lichtkörper“.

        Nur: Welche Kleidung, wenn überhaupt eine, trägt ein Wesen aus Licht wohl? „Wir beschäftigten uns mit der Frage, wie Klaatu sich der Menschheit vorstellen würde“, sagt Derrickson. „Wie sieht für das moderne Publikum ein Raumanzug aus?“

        Aus dieser Diskussion erwuchs eine der innovativsten Ideen des Films. „Was wäre, wenn die Bilder von Aliens, die wir im Kopf haben, von Gestalten mit dreieckigen Gesichtern mit riesigen Augen – wenn all das nicht wirklich der Außerirdische wäre?“, fragt Okun. „Vielleicht ist es nur ein Raumanzug, den der Alien trägt, um in unserer Umwelt überleben zu können. Nur erkennen wir den Anzug nicht als solchen, weil er wie Haut aussieht“.

        „Der Raumanzug, den sich Klaatu ausgesucht hat, sollte eine Art Inku-bator sein für seine menschliche Gestalt“, erklärt Derrickson. „Er ist ein Außerirdischer in einem Menschenkörper, und durch den Anzug, mit dem er unsere Welt betritt, kann er sozusagen in seine menschliche Form hineingeboren werden“.

        Doch zuerst zeigt Klaatu sich dem Team von Wissenschaftlern und Militärs um Dr. Helen Benson bei seiner Landung im Central Park in seinem Lichtkörper. Erst als er in Hysterie und Chaos angeschossen wird, verlöscht das Licht und Klaatu nimmt die Form eines grauhäutigen Alien an. Diese graue „Haut“ ist der Raumanzug, der Klaatus menschlichen Körper beherbergt.

        Doch die Bedeutung dieses Bio-Anzugs erschöpft sich nicht darin, Klaatus menschliche Form auszubrüten – das Design spielt auch mit unseren Erwartungen, wie Außerirdische auszusehen haben und ist daher leichter verdaulich und weniger einschüchternd als Klaatus tatsächliches Aussehen in seiner Welt – denn das, so warnt er Helen, „würde Sie nur erschrecken“.

        Die verschiedenen Phasen von Ankunft und „Geburt“ Klaatus wurden mit einer Kombination aus CGI und klassischen Spezial-Effekten umgesetzt. „Diese ganze Verwandlung – von dem Moment an, in dem Klaatu erstmals erscheint, bis hin zu dem Punkt, an dem er menschliche Gestalt annimmt – war verflixt detailliert geplant und sehr schwierig zu machen“, sagt Okun.

        Klaatus Lichtkörper entstand komplett im Computer, sein menschlicher Körper im grauen „Fleisch“ des Raumanzugs wurde nur mit geringer Unterstützung durch CGI gebastelt.
        Makeup-Designer Todd Masters entwarf mit seinem Team die gut zwei Meter große Anzug-Prothese, die im Laufe der Geschichte chirurgisch entfernt wird, um das Innere mit Klaatus Menschenkörper freizulegen. Um Klaatus Alien-Haut gleichzeitig organisch und außerirdisch wirken zu lassen (in der Geschichte heißt es, sein Gewebe ähnele dem einer Plazenta), setzten Masters und sein Team eine Mischung aus Thermoplastik mit Silikon und anderen Materialien ein.

        So wie die unterschiedlichen Erscheinungsformen Klaatus und sein biologischer Raumanzug ist auch das Raumschiff in Derricksons Film eine einfallsreiche Abkehr von den klassischen Entwürfen des Originals. In ihrem Drehbuch stellten Derrickson und Scarpa sich das Schiff vor als eine „riesige Kugel, die beinahe wie ein eigener Planet aussieht: Auf der Oberfläche wimmelt es von umherwehenden Gasen und verstreuten Blitzfunken“.

        Es lag an Okun und seinen Kollegen, diese Vorstellung umzusetzen und sich zu überlegen, wie die Kugel als Transportmittel für eine fortschrittliche außer-irdische Rasse fungieren könnte. Bei ihren ausführlichen Nachforschungen informierten sie sich über jedes in der Natur vorkommende Phänomen, von Molekülen über Wassertropfen bis hin zu den Oberflächen der Planeten Saturn und Jupiter – stets auf der Suche nach neuem Wissen und Inspiration.

        Nach langen Überlegungen legten die Filmemacher die Sphäre nicht als mechanisches Raumschiff an oder als künstliche Heimat, die man Millionen Jahre auf dem Flug durchs All bewohnen könnte, sondern als „Raum/Zeit-Transporter“ – als ein bewegliches Portal, mit dessen Hilfe sich Klaatu und sein Volk von einer Welt zur anderen bewegen.

        Trotz der prinzipiell einfachen und gleichwohl perfekten äußeren Form war es eine einschüchternde Aufgabe, das Kugel-Portal vom Konzept in die Wirklichkeit zu übersetzen. „Seit meiner Arbeit an dem Film SPHERE („Sphere – Die Macht aus dem All“, 1998) habe ich eine besondere Angst vor Sphären und weiß, wie schwer es ist, mit diesen Dingern umzugehen“, gibt Okun zu. „Die Größe ist zum Beispiel schwer definierbar, wenn man sie nicht zu irgendetwas in Beziehung setzen kann“.

        Klaatus Sphäre ist gute 90 Meter hoch, was es nicht einfach machte, Einstellungen zu finden, die sowohl deren ganze Breite als auch die darum befindlichen Figuren einfangen.

        Darüber hinaus gab es auch praktische Überlegungen anzustellen. „Wenn die Sphäre im Central Park landet, wie kommt Klaatu hinaus? Gibt es eine Rampe?“, grübelt Okun. „Wie nahe können die Wissenschaftler und die Armee herankommen? Wie sieht die Oberfläche aus? Was passiert, wenn man sie anfasst? Lässt sie sich verformen? Besteht sie aus einem Kraftfeld? Über all das haben wir uns lange die Köpfe zerbrochen“.
        Klaatus Sphäre ist dabei nur eine von vielen, die im Laufe der Geschichte auf der Erde landen. Solche, mit einem Durchmesser von drei Metern oder weniger, wurden als Modelle gebaut, größere (wie etwa Klaatus oder eine weitere, die aus dem Ozean auftaucht und 900 Meter über der Wasseroberfläche aufragt) entstanden im Computer.Der Bau der Kugeln erwies sich als schwierige Herausforderung für den Special-Effects Coordinator Tony Lazarowich. „Im Prinzip kann man alles bauen, was für eine Szene benötigt wird. Aber niemand von uns wusste, wie diese Kugeln herzustellen waren“.
        Lazarowich wandte sich an Custom Plastics, eine Firma aus Vancouver, die solche Kugeln schon an Disneyland und Disneyworld geliefert hatte. Aufgrund der gewaltigen Größe, die für die Sphären vorgesehen war, wurden sie in „Hemisphären“, also in Hälften, geliefert, die das Spezial-Effekte-Team anschließend verkleben und daraufhin noch die Naht zudecken musste.

        Jeder dieser „Bälle“, ohne Licht oder weitere Requisiten gerechnet, wog über 300 Kilogramm. „Beim allerersten Mal brauchten wir zwölf Mann, um eine Hälfte umzudrehen – und die ist uns dann noch zerbrochen“, erinnert sich Lazarowich. Doch nicht nur die Bewegung der riesigen Objekte am Set – ganz zu schweigen vom Transport zwischen den Drehorten – stellte ein Problem dar, sondern auch deren Lichtsysteme. „Wir mussten uns überlegen, wie David Tattersalls Team Strahler auf den Bällen platzieren konnte, ohne sie zu schmelzen“, erklärt er.

        Im Original bekommen die Zuschauer einen Einblick in Klaatus Raumschiff, den Derrickson ihnen jetzt nicht geben wollte. „Es ist meiner Meinung nach besser, dies der Phantasie des Publikums zu überlassen“, sagt der Regisseur. „Hoffentlich macht es die Zuschauer neugierig, und sie malen sich Dinge aus, die größer sind als man sie ihnen je zeigen könnte“.

        Die gleiche Absicht stand hinter dem Design der 2008er-Version von Gort, Klaatus Leibwächter und – wovon seine menschlichen Kidnapper nichts ahnen – dessen Rückversicherung für seine Mission, die Menschheit zu zerstören.

        In der Vorlage wurde Gort durch die Ausübung von Gewalt aktiviert. Er konnte nicht nur Objekte (so wie Feuerwaffen oder ganze Panzer) und Menschen mit einem Laserstrahl vernichten, den er aus seinem Sichtfeld feuerte, sondern auch Klaatu wieder zum Leben erwecken, als dieser einmal tödlich getroffen wurde. Damals steckte man einen über zwei Meter großen Platzanweiser aus Grauman’s Chinese Theater in ein Gummikostüm, das metallisch und für seine Zeit absolut topmodern aussah.

        Im 21. Jahrhundert ist Gort dem Computer entschlüpft, dabei achteinhalb Meter groß und förmlich allmächtig. Die Regierung hält zwar Klaatu für die größte Bedrohung der Erde und ihrer Bewohner, aber es ist Gort, der eine tödliche Macht auf die Menschheit loslässt – vernichtender als alles, was die Menschen je gesehen haben.

        Okun, Derrickson und Brisbin versuchten sich an Hunderten von Entwürfen, Ideen und Illustrationen für ihre Modernisierung von Gort. „Zunächst dachten wir, Gort müsse ein völlig neuartiges Aussehen haben und kein bisschen mehr an einen Menschen erinnern“, sagt Brisbin. „Wir haben uns an Kreaturen gehalten, die uns einfielen – Tiere, Fische, sogar Muscheln – und haben alle möglichen Mutationen ausprobiert“.
        „Alle unsere Ideen waren doch zu sehr an die Sorten von Aliens angelegt, die wir in anderen Filmen gesehen hatten“, sagt Derrickson. „Manche unserer Gorts waren äußerst furchteinflößend, andere einfach nur bombastisch, aber keiner dieser Entwürfe traf so richtig ins Schwarze“, fügt Okun hinzu.

        Also sahen sich die Filmemacher erneut den alten Gort an, um herauszufinden, was ihn so vollkommen und interessant für die Zuschauer gemacht hatte. „Gorts Wirkung beruhte auf einer gewissen Schlichtheit im Design“, bemerkt Derrickson. „Er sah menschlich aus, war aber gleichzeitig hart, unnachgiebig und rätselhaft – das machte ihn so bedrohlich. Aber gleichzeitig faszinierte er, weil man eben nicht wusste, was in seinem ‚Hirn’ so vor sich ging und was seine Ziele waren. Also entschieden wir uns doch für eine menschliche Form und ein Design, das dieser Faszination Tribut zollt, aber dennoch nur mit moderner Technologie hinzubekommen war“.

        Nachdem Gorts Äußeres entworfen und die Figur definiert worden war, wurde seine unzerstörbare Oberfläche so geformt, dass sie das Licht auf unheilvolle Weise reflektierte. Seine düstere Erscheinung war damit perfekt. In der Zwischenzeit setzte man spezielle Effekte ein, um Gorts Bewegungen zu vervollkommnen. Das Team um Jeffrey Okun machte zunächst einige Aufnahmen mit dem Gort-Darsteller und band ihm dann für eine zweite Runde Gewichte an Arme und Beine. Dann führten sie diese Daten zusammen und erreichten so flüssige Bewegungen mit „dem richtigen Eindruck von Macht und dem Bösen“, wie Okun es nennt.

        „Unsere Version von Gort zeigt einerseits unseren Respekt vor dem Original, ist andererseits aber auch recht innovativ und einfallsreich“, sagt Derrickson. Die Wissenschaftler und Regierungsbeamten, die Klaatu analysieren wollen, nutzen dazu im Film eine brandneue Entwicklung von Microsoft, die um einige visuelle Effekte ergänzt wurde. Der sogenannte „Surface Table“ besteht aus einer Tischplatte, die einem Flachbildschirm nachempfunden ist und auf Bewegungen von Händen oder darauf gesetzten Objekten reagiert. Microsoft plant, den Surface Table unter anderem in Bars und Restaurants einzusetzen, wo er Gästen den Getränkepreis nennen und andere Drinks empfehlen könnte.

        Die Abertausenden von visuellen Effekten in DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND erstellte das Oscar® gekrönte Studio Weta Digital aus Wellington in Neuseeland. Hier entstanden Gort mit seinen Zerstörungsmechanismen, die Sphären und Klaatus außerirdischer Körper. Viele andere Beiträge zur Bildwelt des Films lieferten die Firmen Cinesite, Flash Filmworks und CosFX.

        Keanu Reeves sieht es so: „Scott, Jeff und alle, die an diesen Konzepten und an deren Umsetzung beteiligt waren, haben großen Einfallsreichtum bewiesen. Aus den Elementen, die uns im Original inspirierten, entstand eine eigene Vision, die sehr viel organischer gestaltet ist“.

        „Im Film stecken all unsere Überlegungen und unser Verstand, alle Leidenschaft und unser ganzes Engagement“, verspricht Okun.

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