„Wir mussten sie erfinden, einfach weil so viele Typen aus den unterschiedlichsten Schichten und Berufszweigen involviert waren“, erklärt Ian La Frenais. „Sie waren keine erfahrenen professionellen Kriminellen, sondern Randfiguren in der Londoner Unterwelt. Ehrlich gesagt waren sie eher kleine Fische in der Nahrungskette, und sie wurden zu den Hauptfiguren des erfolgreichsten Bankraubs in der Geschichte Großbritanniens. Das ist außergewöhnlich.“
Dick Clement meint: „Uns wurde vertraulich gesagt, dass ‚Terry’ ein Gebrauchtwagenhändler mit einem etwas zweifelhaften Geschäft war. Mit der selbenVertraulichkeit steckte man uns, dass ‚Kevin’ – dem wir wie allen anderen beteiligten Personen einen fiktiven Namen verpassten – ein Fotograf war, eine Art Möchtegern-David-Bailey, aber nicht ganz in dessen Liga. Und ganz offensichtlich war eine Frau mit von der Partie, denn in allen Polizeiberichten steht etwas davon, dass man da unten auch eine Frauenstimme gehört habe. Also haben wir Martine erfunden. Wenn man so will, dann haben wir uns die Freiheit genommen, die Punkte miteinander zu verbinden. Dave ist eine komplette Erfindung von uns, das Gleiche gilt für Bambas. Ganz sicher gab es eine Figur wie ‚Major’, weil sie jemand mit dem richtigen Akzent brauchten, um an den Mietvertrag mit dem Laden zu kommen. Wir haben also genommen, was man uns gegeben hat, und sind einfach damit losgerannt.“
„Vogel basiert auf einer echten Figur“, führt La Frenais weiter aus. „Aber auch er ist eine Erfindung unsererseits. Allerdings mit einem real existierenden Vorbild, das ein kleines Porno-Imperium leitete, lange vor DVDs und der Pornoindustrie, wie man sie heute kennt. Damals drehte sich alles um kleine Läden, in denen man freizügige Herrenmagazine kaufen konnte, und Stripclubs. Und die Lady, die das Bordell führt, basiert auf einer Dame, die mittlerweile jeder kennt.“
Er erklärt weiter: „Michael X wurde als politische Größe wahrgenommen, was aber jeder Grundlage entbehrte. Es gab eine Verbindung zwischen ihm und Hausbesitzern in den Slums, was ein paar Jahre in die Zeit von Christine Keeler und den Profumo-Skandal zurückreicht, der einen gewissen Einfluss auf unsere Geschichte hatte. Die Geheimdienste waren regelrecht panisch, dass es einen neuen Skandal geben könnte.“ Clement stimmt seinem Kollegen zu: „Es stimmt wohl auch, dass Michael X versuchte, sich ziemlich clever Vorteile zu schaffen, indem er seine schwarze Hautfarbe als Trumpfkarte benutzte und sich als Black-Power-Figur gerierte, was ihm Zuspruch von den Liberalen einbrachte. Wenn man ehrlich ist, muss man aber zugeben, dass er eine wirklich miese Type war.“
Schauspieler Peter de Jersey erinnert sich: „Das waren ziemlich gewalttätige Zeiten für die Menschen. Michael X war ein Betrüger und Gangster und erst in zweiter Linie ein ehrgeiziger Anführer des schwarzen Mannes, der irgendwann anfing, an seinen eigenen Mythos zu glauben. Als er sich in Trinidad aufhielt, wurde er gefragt, ob er ein Sozialist sei. Seine Antwort war: ‚Nein, wenn sie nach meiner politischen Linie fragen, müssen sie eher in den Dimensionen von Napoleon und Hitler denken.’“
Michael X wird eine der Schlüsselfiguren in der Geschichte von BANK JOB, als er droht, Fotos einer Königlichen Prinzessin zu veröffentlichen, die er bei einer höchst kompromittierenden Orgie schießen ließ und in einem Schließfach der Lloyds Bank in der Baker Street deponiert hatte. Produzent Charles Roven sagt: „Die Geheimdienste MI5 und MI6 beschlossen, dass ein Bankeinbruch genau das Richtige wäre, um unter dem Deckmantel eines Verbrechens unauffällig in den Banktresor zu gelangen und der Fotos habhaft zu werden. Mit deren Hilfe wollte man Michael X das Handwerk legen und ihn aus dem Verkehr ziehen. Es ging immer um diese Fotos. Sie sind der Grund, warum die ganze Handlung in Bewegung gesetzt wurde.“
Die Hauptrolle als Terry Leather spielt Jason Statham. Roger Donaldson outet sich gerne als großer Fan: „Ich halte Jason für einen ungemein charismatischen Schauspieler, das hat er bereits in einer ganzen Reihe unterschiedlichster Filme bewiesen. Es ist immer schwierig, genau zu definieren, was einen Star ausmacht. Bei Jason ist es eindeutig sein Charisma. Ich sehe ihn als die britische Antwort auf Steve McQueen – er hat etwas Grüblerisches an sich, das ich ganz wunderbar finde. Er stellt mit wenig sehr viel an. Er hat eine gute Stimme. Zusammengenommen macht ihn das zu dem einzigartigen Schauspieler, der er ist. Man kann ihn mit keinem Anderen auf der Leinwand vergleichen.“
Produzent Roven stimmt zu: „Er wollte die Rolle in BANK JOB spielen, weil sie es ihm erlaubt, all seine Qualitäten auszuspielen. Er kann den harten Kerl rauskehren, wo es nötig ist. Er darf clever sein, wenn er den Bankraub ausarbeitet. Er darf den Jungen aus der Nachbarschaft spielen. Er darf seine romantische Ader zeigen, da kommt ihm das Dreieck zwischen ihm, seiner alten Flamme Martine und seiner Frau und Familie entgegen. Er gibt zahlreiche Konflikte und emotionale Situationen, die er meistern muss. Dabei kann er seine beachtlich große Bandbreite als Schauspieler unter Beweis stellen. Jason ist ein Typ, der all das drauf hat. Dazu kommt noch, dass man ihn eigentlich sofort mag. Er hat eine so große Ausstrahlung auf der Leinwand, die regelrecht anziehend wirkt.“
Und er meint: „Es besteht überhaupt keine Frage, dass der Film niemals hätte gemacht werden können, wenn es nicht Jasons Zusage gegeben hätte, dass er Terry Leather spielen will. Wir brauchten seine Unterstützung unbedingt, und er war mehr als bereit, sie uns zu geben. So oft kommt es ja auch nicht vor, dass man als Schauspieler an ein Drehbuch kommt, dass so viel Spaß macht und so gut geschrieben ist, wie es Ian und Dick gelungen ist, und dass man mit jemand wie Roger Donaldson arbeiten kann, der ein vollkommener Regisseur ist, mit den größten Stars der Welt gearbeitet hat und viele großartige Filme auf die Leinwand gebracht hat. Es war elektrisierend für uns alle, gemeinsam an diesem Film zu arbeiten. Und Jason war immer in vorderster Linie mit dabei.“
Statham genoss die Möglichkeit, als Schauspieler wieder etwas anderes zu machen als eine der Actionrollen, für die er berühmt ist: „Dieser Film hat mir zum Glück nicht das Letzte abverlangt, was Stunts anbetrifft. Anstatt einer Knarre darf ich zur Abwechslung ein Glas Bier in der Hand halten. BANK JOB dreht sich nicht um wilde Action. Man sieht nicht, wie ich mich von einem Helikopter abseile oder andere albernde Dinge tun muss, für die man mich sonst gut bezahlt. Hier handelt es sich vielmehr um einen klugen und durchdachten Thriller, der mit ein bisschen Action garniert wird. Ich muss mir auch hier die Ärmel hochkrempeln, aber nur aus den richtigen Gründen. Alles hat seine Berechtigung. Die Motivation für die Action am Ende des Films ist deshalb da, weil einer unserer Freunde ermordet wird und wir mächtig in der Klemme stecken. Ich bin mir sicher, dass das Publikum voll darauf abfahren wird.“
„Martine wird von Saffron Burrows gespielt, die eine ebenso schöne wie tolle Schauspielerin ist“, betont Roger Donaldson. „Sie verkörpert eine Figur, deren Karriere sich vielleicht ein kleines bisschen mit ihrer eigenen vergleichen lässt. Sie selbst war ja auch einmal ein fabelhaftes Model, das sich dann an der Schauspielerei versucht hat. Ich halte sie für perfekt für die Rolle.“ Und Saffron Burrows meint: „Martine Love ist eine Frau, die – und da ist sie mir durchaus ähnlich – ihr altes Leben hinter sich gelassen und den Schritt in ein neues Leben gewagt hat. Sie und Terry verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die mir deshalb so gut gefällt, weil sie nicht weiter definiert wird. Die Autoren haben gut daran getan, nicht weiter zu vertiefen, was damals wirklich zwischen ihnen vorgefallen ist.“
Dick Clement und Ian La Frenais waren begeistert, dass Saffron Burrows besetzt wurde. „Wir trafen sie in Los Angeles im Four Seasons“, sagt La Frenais. „Uns war sofort klar, dass sie die Richtige für unseren Stoff war – die Stimme, ihre Einstellung, ihr Aussehen – sie entsprach genau unseren Vorstellungen eines Mädchens aus den Sixties.“ Und Clement merkt an: „Wir hatten vor ein paar Jahren schon einmal mit ihr gearbeitet, an der Serie ‚Full Stretch’. Wenn ich mich nicht täusche, war das damals ihre erste Sprechrolle. Sie hat diese wunderbare Mischung aus großartigem Aussehen und einem authentischen Londoner Akzent. Genauso hatten wir Martine angelegt.“
Der aufstrebende Bühnen- und Leinwandstar Stephen Campbell Moore ist als Terrys bester Kumpel Kevin zu sehen, ein ehrgeiziger Fotograf. Er erzählt: „Er gehört zu Terrys Gang. Als Terry ihn bittet, bei dem Einbruch mitzumachen, lässt er sich überreden. Er wäre gerne ein bisschen wie David Bailey. In Wahrheit macht Kevin aber nur selten Modefotos. Meistens schießt er Passfotos und solche Sachen. Vermutlich ist er nicht wirklich so gut, wie er das selbst gerne glauben würde. Kevin hatte immer eine Schwäche für Martine. Vor Jahren hat er Fotos von ihr gemacht, die immer noch seine Wände schmücken. Er denkt, dass da immer noch etwas läuft zwischen ihm und ihr. Tatsächlich gab es nur eine gemeinsame betrunkene Nacht damals. Sie ist längst darüber hinweg und hat es vergessen.“
„Ich spiele Dave Shilling, der zu Terry Leathers engem Freundeskreis gehört“, sagt Daniel Mays. „Er ist Mitglied der Crew, die den Bankeinbruch plant. Er ist ein liebenswerter Kerl und hat auch schon einmal in einem Porno mitgespielt. Die Szenen dafür drehten wir gleich am ersten Tag. Für mich war das einer der Höhepunkte, danach konnte es ja nur noch bergab gehen. Nein, im Ernst, es war großartig. Er ist auch ein Platzhalter für Filmstars bei Dreharbeiten. Und er ist immer modisch gekleidet und hält sich für einen angesagten Hecht, der mit seiner Schlagfertigkeit punktet. Für ihn kommt die ganze Sache nicht unbedingt zu einem guten Ende.“
Der offensichtliche Bösewicht der Geschichte ist Lew Vogel, gespielt von David Suchet, ein renommierter Charakterschauspieler und internationaler Fernsehstar dank seiner Darstellung des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot, den er seit 1989 mehr als 60 mal gespielt hat: „Vogel ist eine sehr unangenehme, zwielichtige Type, ein typischer Junge aus dem Londoner East End, der im Rotlichtmilieu groß geworden ist und beschloss, Geld auf Kosten der damals nach London strömenden Immigranten zu machen und gleichzeitig die Geschicke der Porno-Industrie in Soho zu lenken.Ein nicht im geringsten netter Mann. Die Zeiten der Londoner Mafia in den Dreißiger- und Vierzigerjahren sind noch nicht so lang vorbei, er ist gewissermaßen ein Auswuchs dieser Ära, ein sehr gefährlicher Mann.“
Außerdem sagt Suchet: „Die Arbeit mit Roger war ein einziges Vergnügen. Er ist ein Schauspielerregisseur, wirklich. Er mag es, wie wir arbeiten, und er mag es, wie wir denken. Er mag es, die Figuren mit uns auszuarbeiten und mit uns zu erschaffen. Er unterstützt einen, wo er nur kann, und weiß, was er will, und ermutigt uns, unser Bestes abzuliefern. Er ist ein wunderbarer Regisseur.“