Drama,
Komödie,
Romanze
| Großbritannien / USA 2008
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| Produktion: Vom Roman zum Drehbuch
Die Entwicklungsgeschichte von SLUMDOG MILLIONÄR begann mit einem Anruf bei der Leiterin der Film- und Drama-Abteilung von Channel 4, Tessa Ross. Eine der Mitarbeiterinnen des Senders, die als Scriptscout tätig war, schwärmte begeistert von einem außergewöhnlichen Buch, dessen Fahnen sie gerade gelesen hatte. Die Funken sprangen über, und Ross erwarb noch vor dem Veröffentlichungstermin die Option für eine Verfilmung von Vikas Swarups Roman „Q & A“ (in Deutschland erschienen unter dem Titel „Rupien! Rupien!“ bei Kiepenheuer & Witsch, 2005): „Ich sprach Simon Beaufoy (Oscar-nominiert für das Drehbuch von „Ganz oder gar nicht“ („The Full Monty“, 1997)) auf unser Prestigeprojekt an. Ich kenne ihn schon sehr lange und wollte unbedingt mal mit ihm arbeiten, und auch er verliebte sich augenblicklich in die Idee.“
Bei seiner Adaption der Geschichte konnte sich Beaufoy dank der klaren Vorgaben in Swarups Roman auf zwei Schlüsselelemente des Buches konzentrieren: Da ist zunächst das altbekannte Märchen vom Tellerwäscher, der auf dem Weg zum Millionär enorme Widerstände überwindet. Zum zweiten der außergewöhnliche Schauplatz: Beaufoy spürte sofort, dass der Roman eine Seite von Indien zeigt, die den wenigsten westlichen Kinozuschauern bekannt ist: „Mumbai wirkt für mich wie eine Stadt im schnellen Vorlauf“, sagt er, „fast so, als hätte man das London von Dickens ins 21. Jahrhundert katapultiert. Die Stadt entwickelt sich in rasender Geschwindigkeit, die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher, während die Massen in der Mitte versuchen, sich nach oben durchzukämpfen.“
Die Herausforderung bestand darin, die Seele des Romans zu erhalten. „Da muss man ganz anders herangehen, als wenn man von einer eigenen Idee ausgeht und diese bis zum Ende entwickelt“, erläutert Beaufoy. „Bei einer Adaption trägt man die Verantwortung für das Buch, das ist so, als ob einem ein Koffer geliefert wird, mit lauter Sachen, von denen einige passen und andere nicht. Der Koffer ist fremdes Eigentum, das man in etwas Eigenes verwandeln muss. Das größte Problem bei der Übertragung lag darin, dass das Buch aus zwölf Kurzgeschichten bestand“, so Beaufoy. „Es gab keine Rahmenerzählung, die alles verbindet, es handelte nicht durchgängig von einem Menschen, den man von Geburt an durchs ganze Leben begleitet. Es war völlig zusammenhanglos, und manche der Geschichten waren völlig ohne Bezug zum Helden.“ Beaufoys Aufgabe bestand nun darin, aus den vielen einzelnen Erzählungen eine Geschichte zu bauen, die den Zuschauer von A nach B trägt: „Ich musste einen Faden finden, der sich durch die ganze Geschichte spinnt, und gleichzeitig einen Weg finden, um immer wieder zur Polizeiwache und dem Fernsehstudio, der Verhörsituation und dem „Wer wird Millionär?“-Quiz springen zu können.
Für den Produzenten Christian Colson war Beaufoy eine begnadete Wahl als Autor: „Simon hat eine sehr warmherzige und unverwechselbare Stimme, die diesem besonderen Material sehr entgegenkommt. Er hatte auch die Idee zum neuen Titel SLUMDOG MILLIONÄR, in den wir uns alle sofort verliebten. In erster Linie ist der Film eine Komödie, weil er eine Entwicklung vom Chaos zur Harmonie beschreibt. Gleichzeitig ist er aber auch ein bestürzendes Drama, mit Momenten von tiefem Schmerz und großem Pathos, und wie in den besten Märchen gibt es auch düstere und grauenhafte Momente. Das ist eine unglaubliche Mischung, die einen zum Lachen und zum Weinen bringt, und immer wieder ringt man auch nach Luft.“
Ausgehend von Jamals Auftritt in der Fernsehshow springt der Film zu den verschiedenen Rückblenden, die Beaufoy die einzigartige Möglichkeit boten, zwischen unterschiedlichen Genres zu wechseln: „Ich konnte in alle Richtungen feuern“, sagt der Autor. „Es gibt eine Romanze, es gibt die Komödie, es gibt einen Gangsterfilm: Es war wunderbar, einmal nicht an ein einziges Genre gebunden zu sein!“
Als das Skript so ausgereift war, dass es einem Regisseur vorgelegt werden konnte, fiel die erste Wahl auf Danny Boyle: „Von allen Regisseuren der Welt erschien er uns als der beste für dieses Material“, sagt Colson. „Wir haben ihm das Buch geschickt, er hat es gelesen und sofort zugesagt. So einfach war das.“