Donnerstag | 31. Mai 2012 | 09:33 Uhr
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  • Milk

    Drama, Biografie | USA 2008
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      • | Produktion: Das Drehbuch

      • Dustin Lance Black, der Drehbuchautor von MILK, schrieb über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg eine ganze Reihe von Drehbuchentwürfen, um das Leben des Harvey Milk zu einem Filmstoff zu verarbeiten. Von Milk gehört hatte Black erstmals Anfang der 90er Jahre, als er am Theater arbeitete. Wenige Jahre später sah er den OSCAR®-prämierten Dokumentarfilm „The Times of Harvey Milk“. Er erinnert sich: „Am Ende des Films sieht man Milk eine Rede halten, und er sagt: ’Irgendwo in Des Moines oder San Antonio’ – wo ich herkomme – gibt es einen jungen Schwulen, der die Zeitung öffnet und liest: ,Homosexueller in San Francisco gewählt’ – und er weiß, dass es Hoffnung auf eine bessere Welt, auf eine bessere Zukunft gibt!’ Ich bin in Tränen ausgebrochen, weil ich dieser Junge war und weil er mir Hoffnung gab.“

        Black fügt hinzu: „Für mich ist Milk ein charismatischer Anführer, geradezu eine Vaterfigur für seine Leute. Sein Erbe ist, den Leuten zu sagen: Wenn ihr schwul seid, versteckt euch nicht. Ihr seid anders, aber ihr seid auf eure Weise großartig, und ihr solltet versuchen, es zu etwas zu bringen. Junge Schwule wissen heute vielleicht gar nicht mehr, woher ihre Freiheit stammt, aber sie streben ganz selbstverständlich an, Ärzte, Rechtsanwälte oder Schauspieler zu werden. Wir haben im Lauf der letzten Jahre politisches Terrain eingebüßt, aber Harveys Botschaft ist nach wie vor in der Lage, Leben zu retten.“

        Obwohl die Ereignisse schon 25 Jahre zurücklagen, stellte Black zu seiner Freude fest, dass viele von Milks Weggefährten sich noch sehr gut daran erinnern konnten. Black: „Es war von Beginn an mein Plan, mich auf Zeitzeugen zu stützen. Ich wollte auf jeden Fall die Einzelheiten selber herausfinden – das sind eben oft Dinge, die man nicht in den Büchern findet. Dass ich so viele Leute aus Harveys unmittelbarer Umgebung auftun konnte, hat mich endgültig davon überzeugt, dass es machbar ist.“

        Blacks erster Gesprächspartner war Cleve Jones, Milks Zögling und einer seiner engsten Vertrauten. Als Aktivist stand er mit Milk zusammen an vorderster Front: Jones hat viele Demonstrationen und Protestmärsche angeführt. „Ein gemeinsamer Freund hat mir Dustin vorgestellt“, sagt Jones: „Er hat mich beeindruckt, weil er authentisch, freundlich und schlau ist – und weil er wusste, wer Harvey Milk war“. Jones sagte sofort zu, dabei zu sein, und war schließlich bis zum letzten Drehtag am Projekt beteiligt, als Berater, der jeden Tag am Set war. Black sagt: „Cleve ist ein Geschenk des Himmels für jeden Autoren. Ich habe ihn zunächst an zwei Tagen interviewt und über acht Stunden Gespräch auf Kassette aufgenommen.“

        Ein Jahr lang fuhr Black, der in dieser Zeit als Drehbuchautor an der ersten Staffel der TV-Serie „Big Love“ arbeitete, an den Wochenenden von seinem Arbeitsplatz in Santa Clarita nach San Francisco. Dort stellte Jones ihn unter anderem Danny Nicoletta, Anne Kronenberg, Allan Baird, Carol Ruth Silver, Frank Robinson, Tom Ammiano, Jim Rivaldo, Art Agnos und Michael Wong vor, die alle Harvey Milk gut gekannt hatten, als politische Gefährten oder persönliche Bekanntschaften.
        Allerdings waren einige von ihnen anfangs sehr skeptisch; es waren schließlich vor Black schon andere da gewesen, die versprochen hatten, Milks Geschichte ins Kino zu bringen und trotzdem war in den 20 Jahren seit dem OSCAR®-prämierten Dokumentarfilm nichts Konkretes passiert – mit Ausnahme des TV-Dramas „Execution of Justice“ von 1999, das sich aber nicht auf Milks Leben und seine politischen Erfolge, sondern auf Dan White (Tim Daly) und den Mord an Milk (Peter Coyote) und Bürgermeister George Moscone (Stephen Young) konzentriert hatte.

        Black gibt zu: „Es war ein hartes Stück Arbeit, bevor ich Harveys Zeitgenossen davon überzeugen konnte, dass ich die Sache wirklich zum Laufen bringen könnte und nicht ein weiteres Mal ihre Zeit verschwenden würde. Ich habe alles Mögliche zugesichert, aber hundertprozentig sicher konnte ich natürlich nicht sein. Zu manchen von ihnen entwickelte sich ein so enges Verhältnis wie zu engsten Verwandten, und meine größte Angst war, sie zu enttäuschen.“

        Von Michael Wong, früher einer von Harveys engsten Beratern, wusste Black, dass er in der gemeinsamen Zeit Tagebuch geführt hatte. Black sagt: „Mir war klar, dass es für mich von unschätzbarem Wert sein würde, und so fragte ich ihn immer wieder danach. Eines Abends nach einem Essen in einem Lokal in der Nähe des Rathauses drückte er mir einen Riesenstapel Fotokopien in die Hand und sagte: Da hast du das Tagebuch! Es war fantastisch!“ Wongs Tagebuch ermöglichte es Black, die bedeutsame persönliche Geschichte parallel zur politischen Geschichte zu erzählen, so wie er es immer vorgehabt hatte. Zu den persönlichen Interviews kamen weitere Recherchen und Quellenstudium in zahlreichen Bibliotheken und Archiven hinzu, darunter das umfangreiche Material in der San Francisco Public Library.

        Wenn es ein Problem mit dem vorhandenen Material gab, dann das, dass es einfach zuviel gab. Black sagt: „Ich entschied mich dafür, mich auf die Zeit von 1972, als Milk wieder nach San Francisco zieht, bis zu seiner Ermordung 1978 zu beschränken. Es gibt eine Rahmenhandlung, mit der Ermordung darin, weil ich dem Zuschauer von Anfang an klar machen möchte, dass etwas Schreckliches geschehen wird. So fängt die Uhr an zu ticken – und so war es wohl auch in Harveys Gedanken: In seinem Testament spricht er von seiner Ahnung, dass er ermordet werden würde. Und bei verschiedenen Gelegenheiten sagte er zu Freunden, dass er seinen 50. Geburtstag wohl nicht erleben würde.“

        Nachdem klar war, dass man nicht Milks 48 Lebensjahre komplett unterbringen würde, konzentrierte sich Black darauf zu sortieren, welches Milks wichtigste persönliche und politische Verbindungen waren; und wie so oft bei Milk gehörte beides meist untrennbar zusammen, wie Black sagt: „Für Harvey gab es immer eine persönliche Verbindung zu dem, was er tat. Es ging nie einfach nur um Bürgerrechte oder um Wahlen, es ging darum, dass er in Scott oder in Jack Lira verliebt war und er für sein Recht kämpfte, er selbst zu sein. In seiner Jugend war es noch illegal, eine homosexuelle Beziehung einzugehen oder als Mann mit einem anderen Mann auch nur zu tanzen. So ist dies eine sehr persönliche Geschichte, auch wenn es ein Politdrama ist. Für mich als Drehbuchschreiber war dies die seltene Gelegenheit, eine Story zu schreiben, wo beides untrennbar miteinander verbunden ist: Politik um der Liebe willen.“

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