Cleve Jones: „Harvey war ein ganz gewöhnlicher Mensch, er war kein Heiliger und er war auch kein Genie. Sein Privatleben war oft ein heilloses Durcheinander, und als er starb, besaß er keinen Cent. Trotzdem hat er die Welt verändert, durch sein Vorbild, durch seine Handlungen. Die Geschichte ist voll von gewöhnlichen Menschen, die die Welt verändert haben, weil sie den Mut hatten, die Wahrheit zu sagen.“
Anne Kronenberg: „Das erste, was Harvey zu mir sagte, als ich anfing, für ihn zu arbeiten, war: Ich schrei’ viel rum, ist nun mal meine Art, und du musst lernen zurück zu schreien.’ Ich war eher ein ziemlich stiller Typ. Er sagte: Gib’s mir zurück, und nimm’s nicht persönlich, wenn ich dich anschreie.’ Im Lauf der Zeit hatten wir einige ziemlich laute Auseinandersetzungen. Harvey hat nie geflucht; für Kraftausdrücke war ich zuständig. Jeder bei Castro Camera’ wusste, dass ich zurückschlagen konnte, wenn mir einer krumm kam. Wir wurden eine richtige Familie, und meine Aufgabe war es, die Jungs zu organisieren – es war eine wundervolle Zeit.“
Michael Wong: „Harvey war sehr humorvoll, und ich denke, dadurch hat er viel von seiner Traurigkeit verborgen. Als Jack Lira starb, rief ich ihn an – es war das erste Mal, dass wir über persönliche Dinge sprachen, und mir wurde plötzlich klar, dass er kein besonders glücklicher Mensch war. Deshalb bedeutete ihm die Politik so viel: Auf diesem Feld fühlte er sich wohl, weil es ihm die Möglichkeit bot, anderen zu helfen.“
Frank Robinson: „Harvey beherrschte zwei völlig unterschiedliche Arten von Reden. Ein formale und eher steife, etwa wenn er vor den Gewerbetreibenden sprach. Die zweite, wenn er es mit einer großen Menschenmenge zu tun hatte. Dafür hatte er sich viel bei Predigern abgeschaut: kurze Sätze, viele Wiederholungen, große Gesten, und er ließ sie Schlachtrufe und Gesänge anstimmen. Vor einer Menge gab es keinen besseren Redner.“
Tom Ammiano: „Wenn man erst einmal genug Selbstbewusstsein erlangt hat, wird es einfacher. Die Menge lässt sich von dir mitreißen, und du dich von der Menge. Alle unterstützten ihn: die Chinesen, die schwule Community, alle. Wenn man mit ihm die Castro Street hinunterging, kam man nie weit, weil er immer wieder anhielt, um mit Leuten zu sprechen. Man spürte, dass er sich dabei wohl in seiner Haut fühlte. Und er hatte diesen speziellen New Yorker Elan, immer ein bisschen spöttisch und verwundert, aber dabei immer äußerst mitfühlend.“
Frank Robinson: „Er war der letzte seiner Art: ein Politiker, der seine Kampagne aus einem kleinen Laden heraus steuerte, und das, ohne einen Pfennig zu besitzen. Er liebte es, auf Wahlkampftour zu gehen. Er hatte seine depressiven Phasen, aber nie, wenn er Wahlkampf machte. Ein typischer Moment war, als er reinplatzte, während wir verzweifelt versuchten, Geld für sein Kampagne aufzutreiben, und freudestrahlend erzählte, er habe gerade zwei reizende alte Damen getroffen, die versprochen hätten, ihn zu wählen.“
Danny Nicoletta: „Harvey hatte einen guten Draht zur Jugendkultur und es kam ihm sehr drauf an, dass sich junge Leute politisch engagierten, anstatt apathisch rumzuhängen. Und sei es nur, dass sie wählen gingen. Es kam ihm nicht darauf an, auf welcher Seite jemand stand, er sagte vielmehr: Reißt die Mauern ein, wir leben alle in derselben Welt!’“
Cleve Jones: „Ich habe in meinem Leben für viele Politiker gearbeitet, aber jemanden wie Harvey, der so viel natürliches Mitgefühl besaß, habe ich nie wieder getroffen. Er fand zu wirklich jedem einen Draht: zu Obdachlosen, zu Reichen, zu Feuerwehrleuten, zu Linksextremen... Wenn man mit Harvey sprach, wusste man, dass da jemand steht, der nicht einfach nur die passenden Gesichtausdrücke macht, sondern der sich wirklich dafür interessiert, was man sagt – das macht seine Stärke aus, und es verlieh ihm auch Macht.“