Donnerstag | 31. Mai 2012 | 09:40 Uhr
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  • Der Baader Meinhof Komplex

    Drama, Zeitgeschehen | Deutschland 2008
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      • | Interview mit Martina Gedeck (Ulrike Meinhof)

      • Was bedeutet es für Sie, Ulrike Meinhof zu spielen?

        Ulrike Meinhof ist so etwas wie eine Traumrolle. Die Frau war jahrelang ein Faszinosum für mich. Dass eine ernsthafte Frau mit hohen Idealen und scharfem Verstand, die mit ihren Artikeln viele Menschen erreichte, ihre Kinder, ihren Beruf und ihre Existenz aufgibt, um mit der Waffe die Welt zu verändern, hat etwas sehr Rätselhaftes für mich.


        Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

        Ich habe alles gelesen, was ich von Ulrike Meinhof und über sie finden konnte. Ich habe mich mit Leuten unterhalten, die sie kannten, habe mir Interviews und Filme über sie angeschaut, habe mich mit ihren Features beschäftigt. Und ich habe mich mit ihrer Sprechweise, ihrer Stimme beschäftigt, die sich über die Jahre sehr veränderte.


        Was ist Ihre Haltung zur Person Ulrike Meinhof und zum bewaffneten Kampf der RAF?

        Dieses Unbedingte, dieses „Wir müssen bis zum Äußersten kämpfen,“ dieses „Wir müssen unsere Pflicht tun und für die Gerechtigkeit kämpfen,“ ein Sendungsbewusstsein bis hin zum Fanatismus, all das hat etwas Hysterisches. Eine hysterische Bewegung, die auf eine noch nicht ganz sattelfeste demokratische Gesellschaft trifft, die ihrerseits hysterisch reagiert. Der bewaffnete Kampf der RAF war etwas, was 40 Jahre früher hätte stattfinden sollen, als Hitler zum Krieg drängte. Damals hätte man sich zur Wehr setzen und bewaffneten Widerstand aufbauen sollen. Aber in den 70er Jahren war dieses Blutvergießen und Ermorden Unschuldiger nicht nur unangebracht und grausam, sondern auch politisch falsch.


        Haben Sie durch die Rolle das Rätsel „Ulrike Meinhof“ für sich lösen können?

        Ich habe immer noch Fragen zu Ulrike Meinhof. Und wenn sie heute noch leben würde, würde ich gerne wissen, wie sie das heute sieht, ob ihrer Meinung nach der bewaffnete Kampf damals auch etwas gebracht hat, nicht nur Tote, Verletzte und die Verschärfung des staatlichen Überwachungssystems. Ich würde wissen wollen, wie sie damit zurecht gekommen ist, dass sie, die gegen den Atomtod und die Ungerechtigkeit gekämpft hat, den gewaltsamen Tod Unschuldiger zu verantworten hat.


        Stichwort Mythos RAF – welche Rolle kann diesbezüglich der Film spielen?

        Ich glaube, dass es durch den Film die Möglichkeit geben könnte, eine Schublade, die man für die Mitglieder der RAF gefunden hat, noch einmal zu öffnen und dadurch die Legendenbildung zu zerstören, und die Geschichte der RAF stärker in die Realität zu rücken. Dadurch wird das Ganze gefährlicher, aber auch wahrer.


        Wie haben Sie die Dreharbeiten in Stammheim empfunden?

        Es ist beim Spielen immer eine Gradwanderung zwischen Film und Leben. Und bei diesem Film war der Grad sehr schmal. Bei DER BAADER MEINHOF KOMPLEX haben wir versucht, dieses „so tun als ob“ zu vergessen. Es geht für diese Leute um Leben und Tod, und dem muss man als Schauspieler ein Stück weit folgen. Deswegen hat mir Stammheim fast den Atem genommen, denn dort war man dem, was damals passiert ist, ganz nah.

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