Haben Sie eine Antwort darauf gefunden, wer Andreas Baader war?
Egal, wie man seine Taten moralisch werten will, Andreas Baader ist eine Legende, die immer noch in unserem kollektiven Unterbewusstsein umhergeistert. Und Legenden sind immer Projektionsflächen für alle möglichen Ideale, Sehnsüchte und Aggressionen. Jeder – auch die, die ihn gekannt haben – hat seinen eigenen Baader im Kopf und verteidigt den bis aufs Blut.
Wie haben Sie Andreas Baader dann spielen können?
Ich musste die Summe dessen, was ich über Baader in Erfahrung gebracht hatte, irgendwo im Hinterkopf behalten und trotzdem vergessen und meinen eigenen Baader spielen. Für mich war das ein Mensch mit einem extremen Geltungsbedürfnis, und es gibt wenige Hinweise darauf, dass er anfangs irgendeinen intellektuellen Anspruch hatte. Er wusste zwar schon, worum es politisch ging, und hatte einen starken anti-autoritären Drang, aber sein Intellekt ist meiner Meinung nach aus der Not geboren. Als er gemerkt hat, dass er so schnell nicht wieder aus Stammheim rauskommt, hat er sich intellektuell mit Politik auseinandergesetzt und wurde zu dem politischen Anführer, zu dem ihn die RAF-Sympathisanten gemacht hatten.
Andreas Baader ist für zahlreiche Tote und Verletzte verantwortlich. Hatten Sie manchmal Bedenken, dass Sie ihn zu positiv oder zu charismatisch darstellen?
Baader muss ein wahnsinnig charismatischer, charmanter Typ gewesen sein. Durch seinen Charme und seinen Witz konnte er die Leute auf seine Seite ziehen, eben wie ein typischer Anti-Held. Am Anfang hatte er diese Anziehungskraft auf jeden Fall. So ist er im Drehbuch angelegt und so wollte ich das auch spielen. Ohne da jetzt ein moralisches Urteil fällen zu wollen, muss man doch zeigen und der Zuschauer muss verstehen, warum so viele Leute diesem Mann gefolgt sind. Ohne Sympathiepotenzial konnte er nicht so viele Leute bezirzen.
Wie war die Arbeit mit Uli Edel?
Die Arbeit mit Uli Edel war das wirklich Tolle an den Dreharbeiten. Uli ist jemand, der führt, ohne dass man merkt, geführt zu werden. Für einen Schauspieler ist das super, besonders weil Uli im richtigen Moment genau weiß, was man braucht. Wann man Ermutigung braucht und wann man in Ruhe gelassen werden muss. Vor allem aber hat man gemerkt, dass ihm der Film persönlich viel bedeutet und dass er persönlich einen großen Anspruch an seine Arbeit hat. Das Tolle war auch, dass er uns so viel von der damaligen Zeit erzählen konnte, denn er war ja dabei gewesen. Er hat es geschafft, eine Stimmung zu verbreiten, in der alle das Gefühl hatten, das, was man erzählt, war Teil seines Lebens.