Wie haben Sie sich der Rolle der Gudrun Ensslin genähert?
Während der Dreharbeiten habe ich mich in diese fanatische Konsequenz im Denken, die meiner Ansicht nach ein wichtiger Wesenszug von Gudrun Ensslin war, hineingelebt und alles andere ausgeblendet. Ich glaube, nur so war diese Rolle zu spielen. So grausam die Taten auch waren, die Gudrun Ensslin begangen hat und die mit ihrer Billigung begangen wurden, mir war es nicht möglich, diese während der Dreharbeiten zu bewerten. Natürlich ist das Morden für mich nicht nachvollziehbar, wer kann das schon nachvollziehen? Aber ich sehe es auch nicht als meine Aufgabe als Schauspielerin an, all die offenen Fragen zu Gudrun Ensslin zu beantworten. Im Idealfall wird das Publikum nach dem Film seine eigenen Antworten finden auf Fragen wie „Wie viel Kompromisslosigkeit ist vertretbar? Wie weit darf man gehen im Kampf für eine bessere Welt?“.
Was hat Sie an der Rolle gereizt?
In die Andersartigkeit dieser Person, deren Taten einem so fremd sind, einzutauchen und eine Art der Wahrheit zu finden, das ist natürlich der Reiz für einen Schauspieler. Als ich das Drehbuch gelesen habe, war meine erste Reaktion: „Wahnsinn, was war denn da alles los?“ Das Drehbuch ist ja der Versuch, die Fakten zu erzählen und zu bündeln. Die Geschichte der RAF ist extrem vielschichtig und der Film wird, denke ich, die Komplexität des Themas wieder hervorheben.
Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?
Wir mussten vor dem Dreh ein Waffentraining absolvieren. Dazu gehörte auch mit einem Maschinengewehr Dauerfeuer zu schießen. Das hat mich total gestresst. Die Gewalt einer Waffe so körperlich zu spüren war ein ganz eigenes, schreckliches Erlebnis. Auch die Szenen in Stammheim haben mich sehr angestrengt, denn der Druck, den wir in unseren Rollen aufeinander ausgeübt haben, war psychisch sehr aufreibend.
Wie viele andere Darsteller mussten auch sie während der Dreharbeiten abnehmen. Wie war das?
Dass viele von uns sozusagen auf „Hungerstreik-Diät“ waren, hat mir sehr geholfen. Dieses Gefühl von Abgezehrtheit hat einen härter gemacht, es ist mir leichter gefallen, mich in diesen Zustand der totalen Konsequenz hineinzuversetzen. Obwohl es anscheinend ohnehin so war, dass man damals Essen nicht wirklich wichtig fand. Ich habe mich mit einer der Kostümbildnerinnen unterhalten, die Mitglied der Kommune 1 gewesen war. Sie hat mir erzählt, dass sie immer alle extrem dünn waren und eigentlich fast nur geraucht und wenig gegessen haben.