Ich habe den schwedischen Film „In Bed with Santa“ gesehen, den mir Jürgen Fabritius ans Herz gelegt hat, und wir hatten die Idee, ihn neu zu verfilmen. Mir gefiel es, einen witzigen und humorvollen Blick auf eine Patchwork-Familie zu werfen und die Beziehungen der Erwachsenen zueinander anhand einer so verdichteten Situation wie dem Weihnachtsfest zu betrachten. Gerade die Emotionalität solch einer Feierlichkeit lässt Boshaftigkeiten und Sticheleien zu, die gerne die unterdrückten positiven und negativen Affinitäten aller Beteiligten zum Ausdruck bringen. Ich kenne viele Menschen, die in „Patchwork“-Situationen leben und häufig darum bemüht sind, dass alles klappt – insbesondere wenn die Kinder den Kontakt zu beiden leiblichen Elternteilen behalten sollen.
Der Stoff ist schwarz und doppelbödig ...
Wir zeigen es natürlich überspitzt, denn wir machen ja einen Film. Aber letztendlich sind die Verhältnisse in vielen Familien so oder ähnlich. Nur innerhalb dieser Freundes- und Familienkreise kann man ja auch mal solche Dinge sagen. Hier kann man hart sein, aber auch ganz herzlich und liebevoll.
War es schwierig, den Film mit seinem schwarzen Humor finanziert zu bekommen?
Barbara Buhl vom WDR, der ich den schwedischen Film gezeigt hatte, war von Anfang an an meiner Seite. Ebenso die Damen vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Außerdem haben die Filmstiftung NRW und der DFFF den Film unterstützt. Trotz mehrmaliger Versuche konnte das Projektfördergremium der FFA leider nicht überzeugt werden. Zum Glück und darauf sind wir sehr stolz, weil es auch für X Filme das erste Mal ist: Der Film wurde ausgewählt fürs Grand Cinema von Arte. Er bestand vor einem Gremium aus französischen und deutschen Redakteuren und wurde damit eine kleine deutsch-französische Koproduktion. Auf der Schauspielerseite war die Resonanz von Anfang an hervorragend, allen voran Heino Ferch. Er hat von Anfang an gesagt, das ist meine Rolle, die will ich spielen.
Nach welchen Kriterien wurde die Hauptdarstellerin gesucht, nachdem Heino Ferch feststand?
Uns war schnell klar, dass wir eine exzellente Schauspielerin brauchen, der es gelingt, dieses Geheimnis – und auch dieses Geheimnisvolle – mitlaufen zu lassen. Sie sollte ganz verschiedene Facetten abdecken können, im richtigen Alter sein, toll aussehen, für all diese Männer bis hin zum schwulen Erich Attraktivität besitzen. Und da waren wir sehr schnell bei Martina Gedeck. Eine solch komplexe Frauenfigur mit Ecken und Kanten ist ungewöhnlich im deutschen Film. Die Idee dahinter: Wir wollten diese Sara zeigen als Frau, die sich entschieden hat für diese Art von Leben, die sagt, ich möchte all diese Kinder von den verschiedenen Männern, die ich geliebt habe. Dafür tue ich aber auch alles, das ziehe ich durch. Diese Haltung fanden Vanessa und ich gut. Sara ist eine interessante, vielschichtige Frauenfigur, die auch mal anders ist. Das macht Männern vielleicht Angst. Der Anfang, wenn Jan vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ist der Alptraum eines jeden Mannes. Aber Sara übernimmt die Verantwortung für das, was sie sich als Lebensbild gewählt hat. Sie hält die ganze Patchwork-Familie zusammen, die Väter besuchen die Kinder, sie sorgt dafür, dass alle glücklich sind. Das hat etwas Traditionelles – eine Familienmutter – aber auch etwas sehr Zeitgemäßes: die Kinder von verschiedenen Vätern.
Nach ALLES AUF ZUCKER! haben Sie jetzt erneut eine Komödie produziert. Ist das befriedigender als andere Projekte?
Es kommt darauf an, wo man gerade im Leben steht und welche Geschichten man gerade erzählen will.
Zu diesem Zeitpunkt war es für mich diese Komödie. Natürlich macht das bereits bei der Herstellung
viel Freude und auch Spaß – die Komödie erfordert aber auch eine Präzision in jedem Detail. Das ist
eine besondere Herausforderung.
War Komödienerfahrung ein Kriterium beim Casting?
Wie immer war die Zusammenarbeit mit Simone Bär fantastisch. Ein wesentliches Kriterium war die Unterscheidbarkeit. Es galt so viele Rollen zu besetzen, und sie sollten sich nicht ähnlich sehen, per se eigene Charaktere ausstrahlen und natürlich hervorragende Schauspieler sein. Da stellt sich die Genrefrage weniger. Ich finde, wir haben durch die Bank wirklich tolle Schauspieler gefunden, die sich im Spiel wunderbar ergänzen und den Figuren etwas ganz Besonderes geben.
Sie haben den Film im Sommer gedreht. Bei den Außenaufnahmen schneit es – wie waren Ihre Erfahrungen mit Kunstschnee?
Das war der Wahnsinn, wir brauchten gewaltige Mengen an Schnee. Wir haben eine Woche in einem Vorort von Köln gefilmt und mussten eine ganze Straßenecke mit Häusern, Gärten, Bürgersteigen etc. einschneien. Das erforderte nicht nur einiges Verhandlungsgeschick mit den Besitzern. Durch den frühen Frühling war es schon sehr warm, die Krokusse sprossen, Büsche und Bäume schossen und mussten nicht nur zurück geschnitten, sondern auch eingeschneit werden. Wir hatten eine fantastische Firma aus Nordrhein-Westfalen, die auf Schnee spezialisiert ist und auch für US-Produktionen arbeitet. Diese Superprofis versorgten uns mit allem, Schnee aus Kanonen, von der Schaufel oder per Hand – für jede Situation braucht man speziellen Schnee, sei es auf der Kleidung, auf Boden oder Blättern, für Schneebälle... Wenn es geregnet hätte, wären wir verloren gewesen. Der Schnee ist mehr oder weniger Zellulose, also auch Natur, aber bei Regen wird das Material pappig und löst sich auf.
Sie haben in Babelsberg im Studio gedreht. Wie waren die Dreharbeiten?
Für mich war die Arbeit im Studio sehr spannend, zumal es auch mein erster nahezu komplett im Studio entstandener Film ist. Das fing schon bei den Bauten an, die das Art Departement vom Studio Babelsberg nach den Plänen unseres Ausstatters Peter Menne gebaut hat. Es musste ja alles mit dem
tatsächlichen Haus, das in Köln steht, zusammenpassen. Unser Kostümbildner Guido Maria Kretschmer, der eigentlich Modedesigner ist und zuvor nur einen Spielfilm ausgestattet hat, stand vor der großen Herausforderung, dass alle Figuren bis auf Sara und Jan während des gesamten Films nur ein Kostüm tragen. Dieses musste daher besonders die Persönlichkeit der jeweiligen Figur ausdrücken. Guido Maria Kretschmer hat die Charaktere sehr gut erkannt und sie letztendlich in den Kostümen toll umgesetzt. Die konzentrierte Situation im Studio habe ich sehr genossen. Es ist ein anderes Arbeiten, Produktions und Aufnahmeleitung sind immer vor Ort, dadurch entstehen keine Reibungsverluste: alles kann sofort kommuniziert und geregelt werden. Die große Konzentration, die so entstand, ist gerade bei einem Schauspielerfilm wie diesem sehr wertvoll. Das gesamte Team hat hervorragend zusammengearbeitet. Im Studio ist man auf der sicheren Seite, es gibt keine Probleme mit dem Ton, man ist unabhängig vom Wetter – und was hatten wir? Die ganze Zeit nur Sonnenschein, so etwas habe ich noch nie erlebt bei Dreharbeiten. Es hat nicht einen Tag geregnet.