Donnerstag | 31. Mai 2012 | 09:57 Uhr
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    Komödie | Deutschland 2007
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      • | Interview mit Martina Gedeck

      • Wie war es für Sie, Sara zu spielen, eine Frau, die sich bewusst für Kinder und Familie entscheidet?

        Sehr schön. Sara ist ein fast anachronistischer Typ. Sie ist eine zeitlose Figur, die zu ihrem Leben steht und sich freuen kann wie ein Kind. Sie liebt Kinder, sie sind für sie das Wichtigste im Leben. Dahinter steht eine große innere Kraft. Ich hatte Lust darauf, einen Menschen darzustellen, der dem Leben und den Kindern so zugewandt ist. Das ist für mich der Ansatz dieser Figur. Sie hat alle moralisierenden Aspekte beiseite gelegt. Dafür hat sie gar keine Zeit.


        Was macht Sara zu einer besonderen, anderen Person?

        Dass sie nicht so sehr an sich selber zweifelt. Dass sie nicht so sehr mit der Frage beschäftigt ist, bin ich gut, bin ich schön, bin ich besser ... Sie lässt sich erst gar nicht auf eine Konkurrenz-Situation ein. Das macht ihre Stärke aus, das mögen auch die Männer. Die anderen Frauen sind damit nämlich sehr stark beschäftigt. Sara interessieren auch keine emanzipatorischen Fragen, und das Essen muss auch nicht perfekt sein. Das wirkt befreiend, auch auf die Menschen, die mit ihr zu tun haben, weckt aber ebenfalls Eifersüchteleien. Diese Sara mögen die Frauen nicht so gern, aber sie steht da drüber. Das setzt persönliche Reife voraus.


        Ist sie eine emanzipierte Frau mit anderen Vorzeichen?

        Die Frage stellt sich für sie nicht. Sie lebt ihr Leben so, wie sie sich das vorstellt. Gegen Menschen, die das monieren, geht sie vor. Sie merkt anfangs nicht, dass die Gesellschaft, die sie eingeladen hat, sich auch über sie lustig macht. Irgendwann spürt sie das dann und wird rabiat und wütend. Sie hat einen starken Gerechtigkeitssinn und weist auch ihre eigene Mutter in die Schranken, indem sie sagt: Ich muss mir nicht dauernd erzählen lassen, wie ich zu leben habe. Das, finde ich, ist eine gute Haltung. Eine starke Figur mit Ecken und Kanten.


        Ist ihr Verhalten zu rechtfertigen?

        Wir sind davon ausgegangen, dass diese Beziehung stabil ist, nicht wirklich gefährdet durch das, was da passiert. Es ist wie immer, die beiden sind noch nicht sehr lange zusammen und wollen voreinander auch idealisiert dastehen. Es gab nie wirkliche Konfrontationen, Gespräche, sie weiß z.B. nicht, dass er gar kein Kind will. Das prallt jetzt aufeinander. Es geht um Menschen, die sich eigentlich schützen wollen voreinander, die ihr Schwächepotenzial verbergen wollen, und die Lösung möglicher Konflikte lieber heimlich ans Schicksal delegieren wollen – und das funktioniert nicht. Das Schicksal macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, das ist der Witz an der ganzen Sache.


        Gibt es einen Lerneffekt?

        Ja – man kann den Partner nicht übergehen, nicht in kleinen Dingen und schon gar nicht in entscheidenden. Jan muss etwas auf sich nehmen, was ihm nicht passt, und Sara muss einsehen, dass sie auf ihn Rücksicht nehmen sollte.


        War das Thema Patchwork-Familie interessant für Sie?

        Das Thema Patchwork in Verbindung mit Weihnachten und Komödie, das ist die spannende, explosive Mischung. Patchwork ist nicht wirklich durchdefiniert in der Gesellschaft, man nimmt das so zur Kenntnis. Dass MEINE SCHÖNE BESCHERUNG das Thema gleich in satirisch-verschärfter Form angeht, und auch noch an DEM Familienfest schlechthin, ist wunderbar. Weihnachten bedeutet für jeden etwas Besonderes Kinderträume, Sentimentales, Sehnsucht nach Geborgenheit – und dann wird man mit einer Realität konfrontiert, die das nicht einlöst, was man sich wünscht.


        Die Dialoge klingen locker, war das schon realitätsnah geschrieben, oder haben Sie am Set noch daran gefeilt?

        Wir haben am Set eine ganze Woche zur Verfügung gehabt und mit allen Schauspielern geprobt. Das ist der Grund, warum das so locker daherkommt. Das ist schon Arbeit gewesen. Bei den Proben ist natürlich vieles noch entstanden, oder auch weggefallen. Wenn andere im Hintergrund reden, muss das ja auch inszeniert werden. Wir haben die Biografien der Figuren und deren Verhältnis untereinander erarbeitet. Sämtliche Figuren sind sehr genau beobachtet, es sind Menschen mit hohem Realitätsfaktor, die nichts Aufgesetztes haben.


        Wie war die Zusammenarbeit mit Vanessa Jopp?

        Vanessa Jopp ist ganz stark in der Ensemblearbeit. Die Gleichberechtigung der Leute am Set wurde hoch gehalten. Das war eine seltene und schöne Erfahrung. Ich hatte anfangs Bedenken, alles an einem Tag, einem Set, im selben Kostüm usw. Aber der Stoff ist so reich an Emotionen, menschlichen Höhen und Tiefen, da war das kein Problem.


        War diese differenzierte Figur schwer zu spielen?

        Ja. Sie klopft keine coolen Sprüche, das machen die anderen. Sie ist anders als die anderen, und sie hat Mut zum Anderssein. Genau das habe ich interessant gefunden an meiner Rolle. Sara gerät immer mehr in einen Nebel hinein, ist die Verwirrteste von allen. Die anderen sehen glasklar, was abläuft, sie ist eingenebelt in ihr Weihnachts-Goldflocken-Idyll, bis sie merkt, dass alles anders läuft als erwartet, dass ihre ganze Planerei, all die gut gemeinten Aktionen, völlig schief laufen. Das ist eine Traumrolle für einen Schauspieler, eine klassische Frauennummer, die großen Spaß gemacht hat, aber auch eine ganz schöne Herausforderung.


        Hatten Sie überhaupt das Gefühl, in einer Komödie zu spielen, oder war das eher Drama?

        Nein, absolut Komödie! Die Konstellationen sind das Komische, nicht was die Einzelnen erleben – die sind wütend oder verzweifelt. Von der Technik her muss man schnell sein, einen guten Schlagabtausch haben. Das war mit Heino fantastisch, weil wir schon so oft Paare gespielt haben. Er ist ein großer Komödiant. Wir haben uns miteinander wohl gefühlt. In der Komödie, wenn zwei Menschen aufeinanderprallen, ist es wichtig, dass sie ebenbürtig sind und glaubwürdig bleiben.


        Wie würden Sie den Film charakterisieren?

        Superfilm!

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      Wertung: 8.0/10 (1 vote)

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