Gewagt hat Marjane Satrapi das Unterfangen auch, weil sie in Vincent Paronnaud auf kongeniale zeichnerische Unterstützung vertrauen konnte. Seit gut sechs Jahren teilen sich die beiden ein Studio. Und als Produzent Marc-Antoine Robert mit der Idee einer Verfilmung auf Marjane zukam, war sofort klar, dass Vincent mit an Bord sein müsste. „Ich hatte bereits animierte Kurzfilme in Schwarz-Weiß gedreht“, so Paronnaud, „und weil ich das Buch und Marjane wirklich liebe, konnte ich auch nicht ablehnen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für mich, etwas zu tun, wie ich es noch nie gemacht habe, an einem künstlerisch so herausfordernden Werk zu arbeiten“. Weshalb man sich auch für eine ungewöhnliche Herangehensweise entschieden hat. Weil Marjane Fan des deutschen Expressionismus und Vincent begeisterter Anhänger des italienischen Neorealismus ist, wurden Realfilme zum maßgeblichen Einfluss für die visuelle Gestaltung von PERSEPOLIS. „Die üblichen Animationsmittel schienen uns nicht zu passen“, erläutert Paronnaud, „deshalb haben wir wie beim echten Film geschnitten, mit einem Haufen Jump-Cuts. Selbst in ästhetischer Hinsicht haben wir uns an den Techniken klassischer Kinoarbeit orientiert.“ Das zugehörige Drehbuch entstand innerhalb von drei Monaten, wie es sich für Zeichner gehört mit dem Bleistift geschrieben: „Wir mussten die rechte Balance zwischen entscheidenden Momenten finden und den unbedeutenden Details des alltäglichen Lebens. Deswegen war es hart, sich für bzw. gegen gewisse Passagen entscheiden zu müssen. Zum Glück haben wir nach einiger Zeit die Buchvorlage vergessen und nur noch am Script gearbeitet“, sagt Paronnaud. Umgesetzt wurde jenes von zwei spezialisierten Animationsstudios: „Je Suis Bien Content“ und „Pumkin 3D“, allerdings anders, als der Name dies vermuten ließe, in 2D, mit den traditionellen Techniken der Animation. So wurden insgesamt 80.000 Zeichnungen für etwa 130.000 Bilder angefertigt, alleine 600 davon für verschiedene Charaktere. Ein Rekord für animierte Filme. Stets in den Entstehungsprozess involviert blieb Satrapi, welche die Skizzen für jeden der Charaktere selbst anfertigte und darüber wachte, dass ihr das eigene „Leben“ nicht aus den Händen genommen würde. Was so weit ging, dass sie die entsprechenden Szenen, dem jeweils bearbeitenden Animationskünstler (insgesamt 20) regelrecht vorspielte.