Das Spielfilmdebüt des Autors und Regisseurs Joel Hopkins Jump Tomorrow (2001) begeisterte Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks und brachte ihm 2002 einen BAFTA in der Kategorie „Most Promising Newcomer“ ein. Außerdem erregte er damit die Aufmerksamkeit von Schauspielerin und Academy-Award®-Preisträgerin Emma Thompson, die neugierig auf Hopkins wurde und sich schon bald mit ihm traf, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen.
„Sie sagte, dass ihr meine Arbeit sehr gefallen habe, und ich war sowieso ein großer Fan von ihr“, sagt Hopkins. „Ich dachte sofort über mögliche Figuren nach, die sie spielen könnte. So entstand Kate, die perfekte Rolle für Emma.“
Produzentin Nicola Usborne lobt die großartige Zusammenarbeit zwischen den Stars und ihrem Regisseur und hält den Film für eine sehr persönliche Angelegenheit von Hopkins. „Er hatte die Idee, er schrieb das Drehbuch, er tüftelte diese tolle Beziehung zwischen Kate und Harvey aus. Joel wuchs in London auf, aber verbrachte viel Zeit in Amerika. Deshalb ist es kein Zufall, dass der Film von einem Amerikaner in London handelt, sondern eine absichtliche Fusion der beiden Welten, in denen Joel lebt.“
Tim Perell, der gemeinsam mit Usborne auch Hopkins’ Jump Tomorrow produzierte, weiß, dass sich Thompson für den Regisseur interessierte, weil er frei von jeglichem Zynismus ist. „Sie war an einer Love Story interessiert und Joel gehört wirklich zu den Menschen, die die Welt in den wärmsten und rosigsten Farben sehen. Entweder ist er komplett naiv oder ihm fehlt ganz einfach das Ironie-Gen, von dem der Rest der Menschheit befallen ist. Ich glaube, das war es, was Emma gefiel. Diese Wärme, die seine Arbeit ausstrahlt. Die Figur, die er schrieb, war so detailreich ausgearbeitet, dass sie darauf sofort ansprang.“
Dustin Hoffman und Emma Thompson haben bei Stranger Than Fiction (Schräger als Fiktion, 2006) erstmals zusammengearbeitet. „Da hatten wir aber nur ein paar Szenen zusammen“, sagt Hoffman. „Wir sind damals die Straßen heruntergegangen und haben dabei unsere Sätze gelernt, aber so, dass die Leute es für eine echte Unterhaltung hielten und große Ohren bekamen. Wir mochten uns wirklich und hatten dieselbe Arbeitsauffassung. Am Ende der Dreharbeiten hofften wir, mal einen Film zusammen zu machen, bei dem unsere Rollen größer wären. Rund ein Jahr später rief sie mich an. Sie hatte Joel Hopkins getroffen. Wir lasen sein Skript und dachten: wunderbar – jetzt kann’s losgehen.“
„Dustin und ich merkten sofort, dass die Chemie zwischen uns stimmte“, sagt Thompson. „So was passiert manchmal einfach, aber leider viel seltener, als man es gerne hätte. Als Joel mich fragte, ob ich zu LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK noch etwas zu ergänzen hätte, sagte ich, es sei genau Dustins und meine Kragenweite. Wenn es jetzt noch speziell auf Dustin abgestimmt wird, kann es nur funktionieren“.
„Dabei funktioniert so etwas normalerweise nie“, ergänzt die Schauspielerin. „Es klingt alles zauberhaft – jemand hat sein zweites Drehbuch auf zwei ganz bestimmte Schauspieler zugeschnitten. Hört sich nach einem Kinderspiel an, verläuft aber immer im Sande. In diesem Fall hat es auch nur geklappt, weil Dustin zusagte, auf einen Großteil seiner üblichen Gage zu verzichten.“
Das Projekt ist laut Produzent Perell sehr schnell zustande gekommen. „Emma las die erste Drehbuchfassung innerhalb von vierundzwanzig Stunden und schickte eine Email, in der stand: ‚Love it love it love it, let’s do it, darf ich es Dustin schicken?’ Dazu kann man doch gar nicht nein sagen.“ „Offen gestanden habe ich gedacht, das Ding würde im Orbit verschwinden“, sagt Perell. „Aber bereits achtundvierzig Stunden später leitete sie mir eine Email von Dustin weiter, in der er sich sehr positiv äußerte. Damals handelte es sich noch mehr oder weniger um die erste Fassung und alle machten Anmerkungen, die Joel berücksichtigte. Aber da sich Dustin und Emma wirklich für das Projekt einsetzten, kamen wir in Rekordzeit voran.“
Perell zeigte das Skript Robert Kessel von dem frisch gegründeten Studio Overture Films. „Wir empfanden eine gewisse Loyalität Robert gegenüber“, sagt er. „Denn er war seit Jahren ein großer Fan von Joels Arbeit. Tatsächlich war er sogar in der Jury, als Joels NYU-Kurzfilm den großen Preis gewann. Von Overture Films kam eine sehr ermutigende Antwort und die Zusammenarbeit nahm Form an.“
Hopkins fand die Idee einer reifen Liebesgeschichte zwischen zwei völlig verschiedenen Menschen unwiderstehlich. „Etwas ältere Figuren sind viel interessanter“, sagt der Filmemacher. „Sie verfügen über jede Menge Erfahrung und schleppen viel Ballast mit sich herum, was sehr gut ist. So was ist immer interessant.“
Hoffman stimmt dem zu: „Wenn eine Ehe scheitert, passiert meistens eins: man stellt fest, dass man nicht weiß, was man zu wissen glaubte. Du warst sicher, diese Person ist die Einzige für dich – das dachtest du jedenfalls – und das erschüttert dein ganzes Glaubenssystem und du machst komplett dicht. Das Interessante an unserem Film ist, dass er von zwei Menschen handelt, die nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend stehen. Beide sind durch schmerzhafte Erfahrungen in der Vergangenheit so sehr verletzt worden, dass sie sich nicht aufeinander einlassen wollen, was den Film spannend macht.“
Thompson ergänzt: „Ich finde, es ist verheerend, sich zu verlieben, wenn man älter ist. Es ist eine gewaltige Sache, besonders wenn man nicht glaubt, dass es einem passieren könnte. Beide Figuren haben sich auf die eine oder andere Weise längst aufgegeben. Sie geben sich durchaus Mühe, wollen beruflich etwas leisten und Gutes tun, ein interessantes Leben führen. Aber irgendwie scheint ihnen alles langsam zu entgleiten. Ich möchte Menschen auf der Leinwand sehen, von denen ich glauben kann, dass sie tatsächlich existieren, die mir vage ähneln“, ergänzt sie. „Menschen, die nicht perfekt sind, die nicht so wunderschön aussehen, dass sich jeder automatisch in sie verliebt. Eine Liebesgeschichte wie unsere sieht man sonst nie. Es geht immer nur um sehr attraktive Menschen, die sich ineinander verlieben, und das langweilt mich zu Tode. Das interessiert mich nicht!“
Thompson sagt, sie habe ihre Rolle an Frauen aus ihrem Bekanntenkreis orientiert, die einfach nie den Richtigen getroffen haben. „Dabei spielt Alter gar keine so große Rolle“, sagt sie. „Es geht vielmehr darum, wie schwierig es ist, diese Art von Bindung aufzubauen – es ist ja nicht so, dass man es nicht versuchen würde. Auch Kate versucht es. Aber erst jemandem wie Harvey gelingt es, ihren Schutzwall einzureißen, indem er einfach in ihr Leben platzt und sie nie aufgibt.“
Bei Thompson, selbst eine Oscar®-preisgekrönte Drehbuchautorin, schrillen normalerweise die Alarmglocken, wenn Autoren ihr eigenes Skript verfilmen. „Aber Joel hat Jump Tomorrow, den ich wirklich liebe, geschrieben und inszeniert und deshalb war mir klar, dass es für ihn kein Problem darstellte, sein eigenes Material umzusetzen. Wobei es für einen jungen Mann, der seinen zweiten Film dreht, etwas Besonderes ist, gleich eine Legende wie Dustin Hoffman vor der Kamera zu haben. Ich glaube nicht, dass Joel jemals einen Schauspieler vor der Kamera hatte, der sich so unvergleichlich in seine Figur einarbeitet.“
Hopkins macht keinen Hehl daraus, dass er beim Dreh täglich etwas dazulernte. „Eine ehrfürchtige Situation, die aber auch viel Spaß gemacht hat. Ich hatte mich schnell daran gewöhnt, die Stars vor mir zu haben. Doch wenn ich sie plötzlich auf dem Monitor sah, schoss es mir durch den Kopf: mein Gott, da sind Dustin Hoffman und Emma Thompson – und ich bin ihr Regisseur!“
„Kate und Harvey befinden sich beide an einem ähnlich brisanten Punkt in ihrem Leben, als sie mehr oder weniger zusammenstoßen“, erklärt Hopkins. „Es kommen nicht mehr viele Gelegenheiten wie diese. Dustins Figur hört schon die Uhr ticken und möchte seinem Leben noch einmal eine neue Wende geben. Er beschließt, das ist es jetzt, und entwickelt diese unglaubliche Energie, weil er das Beste aus der Situation herausholen will.“
Laut Hoffman gehört Hopkins zu den Regisseuren, die jede Szene schon genauestens im Kopf haben, bevor sie überhaupt nur einen Fuß ans Set setzen, und ihren Darstellern dennoch genügend Raum für Improvisationen lassen. „Er spürte die Energie zwischen Emma und mir und hat sie bestens genutzt“, sagt er. „Wir wussten nicht, wie die Szenen laufen würden. Manchmal sagten wir zu ihm, ’Wir glauben nicht, dass diese ganzen Sätze nötig sind, damit die Szene funktioniert’. Ich glaube, das gefiel ihm.“
Hopkins sagt, die Arbeit mit diesen zwei hochbegabten und erfahrenen Schauspielern brachte ihn dazu, den Film gelegentlich neu zu überdenken. „Ich war mir sicherer, was ich aussagen wollte, als ich vorher gedacht hatte. Dadurch konnte ich etwas freier vorgehen, weil ich ein ziemlich gutes Gefühl für den Kern jeder Szene besaß. Andererseits bestand dadurch natürlich die Gefahr, dass ich mich zu wichtig nahm, nach dem Motto: ’So habe ich das aber nicht geschrieben’. Die Kunst bestand darin, für das, was sich spontan entwickelte, offen genug zu sein, um zu merken, wenn eine Szene dadurch tatsächlich besser wurde.“
Tim Perell sagt, es war ein großer Vertrauensvorschuss für Hopkins, dass jeder, der an LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK mitarbeitete – von den Stars bis zum Studio – sich in seine Hände begab, obwohl er erst seinen zweiten Film drehte.
„Joels erster Film kostete eine Million Dollar, hatte zwar großartige Schauspieler, aber keine Stars und nur eine kleine Crew“, sagt der Produzent. „Das war ein gewaltiger Sprung für ihn. Keiner wusste, wie es werden würde. Er hat das wirklich toll gemeistert, obwohl vieles neu für ihn war. Dies ist sein erster Studiofilm, mit einer großen Crew und viel Geld, das auf dem Spiel steht. Er musste zwei Megastars durch den Film führen, sie unterstützen und das Beste aus ihnen herausholen, was ihm auch gelungen ist. Ihr Vertrauen in Joel und ihre Beziehung zu ihm ist auf der Leinwand spürbar.“