„Es ist schon etwas wahres dran, wenn man sagt, das Wichtigste am Regieführen ist, dass die Besetzung stimmt“, sagt Hopkins. „Bei uns stimmte sie hundertprozentig, deshalb brauchte ich nicht viel zu tun. Ich habe ihnen bloß gesagt, wo sie sich hinstellen sollen.“
Nach Hoffmans und Thompsons Zusage sei es für die Filmemacher einfach gewesen, brillante Nebendarsteller zu interessieren, wie Produzentin Nicola Usborne sagt. „Um mit Dustin und Emma zu spielen, stehen jede Menge fantastische Schauspieler Schlange.“
Hopkins befolgte eine einfache Regel, um die richtige Auswahl zu treffen: „Ich schrieb auf ein Post-it: ’keine schlechten Schauspieler in diesem Film’. Die Rollen sollten alle – mindestens – dreidimensional angelegt sein und nicht karikaturenhaft wirken. Mit Dustin und Emma gelang uns ein großartiger Besetzungscoup, aber auch die Nebenfiguren spielen eine Schlüsselrolle in dem Film. Deshalb war bei ihrer Besetzung dieselbe Qualität sehr wichtig. Schließlich bekamen wir ein unglaublich talentiertes Ensemble zusammen. Tolle Darsteller, die verhindern, dass ihre wichtigen Rollen in simple Schwarzweißmalerei abdriften.“
Perell stimmt zu: „Wir hatten unglaubliches Glück mit unserer Besetzung, so ein Glück! Richard Schiff war als Harveys Chef eine Offenbarung, Kathy Baker ein Traum und James Brolin hatte Joel schon vor Augen, als er das Drehbuch schrieb. Wir waren so glücklich, dass wir ihn überzeugen konnten, für zwei Wochen nach London zu kommen. Und Liane Balaban ist eine riesige Entdeckung.“
„Eileen Atkins spielt Kates Mutter Maggie perfekt“, ergänzt der Produzent. „Emma und sie sehen sich sogar ähnlich und die Chemie zwischen ihnen war phänomenal. Und alles geht auf Joel Hopkins Blick auf die Welt zurück, diese enorme Warmherzigkeit und der Humor, aber auch ein Quäntchen Frustration.“ Die nuancierten Darstellungen waren von unschätzbarem Wert, um die Lebensumstände und die komplizierte Gefühlslage der beiden Hauptfiguren auszudrücken. „Wir hatten nicht gerade viel Zeit für den Background jeder einzelnen Figur. In der Hochzeitsszene beispielsweise mussten wir Harveys Vergangenheit mit sparsamsten Mitteln verdeutlichen. Da ist es eine große Hilfe, wenn einem Schauspieler dieses Kalibers zur Verfügung stehen.“
Hopkins ergänzt zustimmend: „Das Drehbuch spielt natürlich auch eine gewisse Rolle dabei, aber solche kleineren Rollen wirken erst lebendig durch Vollblutschauspielerinnen wie Kathy und Eileen. Sie haben aus den Parts mehr herausgeholt, als ich geschrieben habe. Aus diesem Grund lernte ich jeden Tag etwas Neues über die Figuren, weil sie sie mittlerweile besser kannten als ich.“
Über Hoffman und Thompson sagt er: „Das Beste, was ich tun konnte, war, ihnen alle Freiheiten zu lassen und da zu sein, wenn sie mich brauchten.“ Produzent Perell war besonders von den verschiedenen Schauspieltechniken der Stars fasziniert. „Emma und Dustin könnten gar nicht unterschiedlicher sein, was ihre Herangehensweisen angeht. Sie strahlt eine Ruhe aus und ist so geerdet. Wenn sie ans Set kommt, weiß sie genau, was sie will und ist bestens vorbereitet. Sie wiederholt ihre Szenen so oft wie nötig auf immer andere Art und Weise. Bei ihr sieht alles so mühelos aus.“
„Dustin funktioniert wie eine geölte Maschine, er liefert sich seiner Rolle schutzlos aus“, stellt Perell fest. „Er sprüht vor Einfällen und nichts entgeht ihm. Jedes Detail wird geprüft, infrage gestellt, analysiert, in den Ablauf integriert. Das Faszinierende dabei ist, während man diesem Entstehungsprozess zusieht, merkt man, dass er ihn längst als Harvey durchführt und nicht als Dustin. Das wirkt sehr erhebend auf die Performance und auf uns alle. Man kann dabei aber nicht relaxt zusehen, denn ständig stellt er etwas infrage, und da weiß man besser genau, worum es gerade geht.“
Thompson sagt, die Arbeit mit Hoffman sei ein Kinderspiel. „Wir funktionieren beide gleich in dem Sinne, dass wir absolut echt und spontan wirken möchten. Das funktioniert nur mit wenigen Leuten. Tatsache ist, seine schauspielerische Vorgehensweise ist mir eigentlich herzlich egal, wir kommen einfach ans Set und spielen. Dustin ist so ein vollkommener Künstler, der aus jedem einzelnen Moment das absolut Beste herausholt.“
„Emma und ich haben unser ganzes Leben lang Charakterrollen gespielt“, sagt Hoffman. „Dieses Mal wollten wir etwas spielen, was sehr viel mit uns zu tun hat.“
„In einer Szene sitzt Emma allein für sich im Bus und es wirkt so echt“, ergänzt Hoffman. „Sie lehnt ihren Kopf einfach nur ans Fenster und sofort wird ihre tiefe Verletzlichkeit spürbar. Im Leben gibt es so viele Momente, in denen man einsam ist, ohne zu wollen. Sie kann ihr ganzes Seelenleben entblößen, und es ist etwas ganz besonderes, wie sie es mit uns teilt.“
Usborne findet, dass Hoffman und Thompson ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede besitzen. „Beiden liegt Komödie und Drama im Blut. Es fällt ihnen überhaupt nicht schwer, dazwischen hin und her zu springen. Der Film hat einige urkomische Momente, doch selbst die sind im Kern aufrichtig, wahrhaftig und sehr gefühlvoll.“
„Am Anfang verhält sich Harvey nicht nur positiv. Und trotzdem gelingt es Dustin Hoffman, das Publikum auf seine Seite zu ziehen, damit es an ihn glaubt und mit ihm mitfiebert“, sagt der Produzent. „Er wird einem nie unsympathisch, auch wenn man mit einigen seiner Entscheidungen vielleicht nicht einverstanden ist. Sobald er auftaucht, ist man völlig auf seiner Seite. Ich weiß nicht, wie er das anstellt. Ob es an seinem Gesicht liegt, oder an seiner Körpersprache, aber man fühlt sich augenblicklich mit ihm verbunden, fast egal, was er treibt.“
James Brolin, der den jetzigen Ehemann von Harveys Ex-Frau spielt, ist „so männlich wie man nur sein kann“, sagt Perell. „Er hat diesen kräftigen weißen Haarschopf, er ist unglaublich groß und unwiderstehlich attraktiv. Eine ausgesprochen bezwingende Erscheinung. Als Harvey beim Probe-Dinner auftaucht und er seine Ex-Frau mit James Brolin sieht, bricht es einem das Herz, denn gegen einen solchen Gegner hat der arme Harvey so gut wie keine Chance.“
Brolin sagt, dass nur wenige romantische Komödien so gut funktionieren wie diese. „Das liegt zu allererst an Joels Drehbuch, weil er aus einer klar umrissenen und sehr herzlichen Warte heraus schreibt. Er glaubt fest daran, dass es immer irgendwie weitergeht, selbst wenn alle Stricke reißen.“ Außerdem war Brolin von Hopkins’ leiser Bestimmtheit als Regisseur beeindruckt. „Du rückst deinen Stuhl näher an ihn heran, um ihn besser zu verstehen, statt abzuwinken und zu sagen: ’okay, okay, okay, ich denke darüber nach’.“
Harveys entfremdete Tochter wird von der kanadischen Newcomerin Liane Balaban gespielt. „Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte, wusste ich, dass diese wunderbare, bedächtige Story unbedingt erzählt werden musste. Was mich dabei besonders berührte, waren diese realen, menschlichen Defizite, die alle Figuren haben, besonders Harvey. Er ist aufrichtig, echt und nicht besonders liebenswert. Wie die meisten hat er in seinem Leben viele Fehler gemacht, weshalb man sich mit seinen Problemen identifizieren kann, mit der Entfremdung von seiner Familie, seiner Einsamkeit, den schweren Zeiten, denen er entgegensieht.“
Die Arbeit an dem Film bezeichnet sie als „beste Schauspielschule der Welt“. „Dustin prüft ununterbrochen, ob alles lebensecht wirkt, und verschwindet geradezu in der Figur, die er spielt. Aber er probiert auch gern aus und improvisiert ein bisschen, was aufregend und beängstigend zugleich ist.“
Daniel Lapaine, der Lianes Bräutigam spielt, nahm die Rolle einzig wegen der übrigen Besetzung an, bevor er das vollständige Drehbuch kannte. „Bei diesen Hollywoodfilmen geht es oft sehr geheimniskrämerisch zu, was das Skript angeht, wer es lesen darf“, sagt er. „Ich kannte nur meine Szenen, aber als ich hörte, dass Dustin Hoffman und Emma Thompson dabei waren, konnte ich gar nicht nein sagen.“
Lapaine sagt, er habe seine Entscheidung nie bereut. „Ich arbeite mit Dustin Hoffman, ich meine, viel besser geht’s doch wohl nicht. Er inspiriert einen und macht einen besser. Das ist das größte Kompliment, das ich ihm machen kann.“