Der geliebte Hund Friday macht es Andi und Bruce schwer, ihn zu verstecken. Schließlich torpediert Friday mit seiner Verfressenheit sämtliche Versuche, unauffällig zu bleiben. „Friday will immer futtern und ist absolut stur. Dabei ignoriert er sämtliche Verbote“, erzählt Freudenthal. „Das bringt die Kinder andauernd in Schwierigkeiten, dennoch ist der Hund für sie auch ein Glücksbote.“
„Ich liebe alle Tiere in DAS HUNDEHOTEL, und davon gibt es gewiss viele!“ gesteht Reitman. „Trotzdem ist Friday mit seinen intelligenten Augen wahrscheinlich mein Liebling.“
Für die Rolle des Vierbeiners Friday entschied man sich für einen geretteten Straßenhund. „Wir versuchten, so viele aus Notsituationen gerettete Hunde wie möglich einzusetzen und sie danach gut unterzubringen“, erklärt Shuler Donner. „Dazu brauchten wir Hunde, die sich gut vertragen. Außerdem suchten wir nach echten Persönlichkeiten, gerne auch mit Macken, die nicht unbedingt schön sein mussten.“
Diese „Macken“ halfen bei der Erschaffung unterscheidbarer Hunde-Persönlichkeiten mit besonderen Eigenschaften. Da sich die Filmemacher gegen den Einsatz von Special Effects entschieden hatten, musste man sich besondere Wege einfallen lassen, um die Hunde voneinander abzugrenzen. „Die Frage war: wie sollen wir das Publikum auf ein Abenteuer mitnehmen, in dem es verschiedene Charaktere kennen lernt, die nicht sprechen können?“ verdeutlicht Produzent Clark die Herausforderung. „Uns waren die Aspekte ‚Wiedererkennungswert’ und ‚Glaubwürdigkeit’ wichtig. Wir wollten, dass die Hunde ihren echten Charakter mit seinen starken Wesenzügen zum Ausdruck bringen.“
Also verpflichtete man Mark Forbes vom Unternehmen ‚Birds & Animals Unlimited’, einen der erfolgreichsten Tiertrainer Hollywoods. Auch Forbes wusste, dass die starke Verbindung zwischen Mensch und Tier eine tragende Rolle spielen musste und war sich der Herausforderung des Skripts deutlich bewusst. „Beim ersten Lesen des Drehbuchs überfielen mich zu gleichen Teilen Vorfreude und Heidenangst. Doch ich wusste, dass die Arbeit an DAS HUNDEHOTEL Spaß machen würde“, erinnert sich Forbes. „Schließlich wird hier eine fantastische Geschichte über Zusammenhalt und Heimat erzählt.“
Neben Friday beziehen noch eine ganze Reihe anderer Hunde Logie im HUNDEHOTEL. Für diese Schlüsselpositionen suchten die Filmemacher neun „heldenhafte“ Vierbeiner aus.
Lenny und Georgia gehören zu den ersten Bewohnern der Unterkunft. Lenny ist ein 72 Kilo schwerer Bullmastiff, ein zärtlicher Riese, der gut auf die resolute Hündin Georgia aufpasst. Die Boston-Terrierdame macht ihre geringe Größe durch einen starken Charakter wieder wett. Durch die Macken der Hunde lassen sich Andi und Bruce immer wieder zu neuen Belustigungen für die Tiere inspirieren.
„Lenny möchte eigentlich hauptsächlich etwas von der Welt sehen und will deshalb alle Fenster geöffnet haben“, erklärt Forbes. „Sobald man Lenny die Aussicht versperrt oder die Fenster schließt, fängt er an zu jaulen – und gefährdet damit natürlich die ganze Undercover-Aktion.“
Lennys Komplizin Georgia dagegen ist zwanghaft apportiersüchtig. „Georgia muss ständig irgend etwas hinterher jagen, es aufheben und apportieren, damit man es erneut werfen kann“, erzählt der Trainer. „Damit sie den ganzen Tag spielen kann, erfindet Bruce schließlich eine Apportiermaschine.“
„Georgia gefällt den Kindern am besten, denn sie ist süß, klein und hat diesen Wiederbring-Trieb“, sagt Shuler Donner. „Ihr nettes Wesen passt zu ihrem lieben Gesicht.“
Auch Shep, Cooper und Romeo, die drei Hunde aus der Zoohandlung, die Andi auf Daves Bitten zu sich nimmt, haben ihre Macken, weswegen sich bislang keine neuen Besitzer finden ließen. So knabbert die englische Bulldogge Cooper grundsätzlich alles an, was sich in Reichweite befindet. „Cooper kaut Fertigbetonwände, Nummernschilder, Schuhe, einfach alles“, lacht Forbes. „Der würde sich sogar aus seinem eigenen Sarg frei nagen.“
Für Reitman ist Cooper der geborenen Komiker. „Er hat einfach Format! Sein Gewicht und das pummlige Gesicht bringen mich sofort zum Lachen.“
Cooper wird eine Menge Herzen brechen, vermutet Shuler Donner, die sich noch an dessen erste Begegnung mit einer der typischen Erfindungen des Films erinnert. „Wir haben Laufbänder aufgestellt und davor Knochen gehängt, um die Hunde zum Laufen zu bringen. Alle anderen Hunde versuchten, das richtige Tempo zu finden. Cooper dagegen stürzte sich weit über das Laufband hinaus, um den Knochen zu erwischen. Das hatten wir so nicht geplant, aber es ist im Film gelandet, weil wir es so witzig fanden. Ich mochte ihn sehr gern.“
Der dynamische Border Collie Shep kann nicht gegen seinen Instinkt ankämpfen, andere Tiere zu behüten und zusammenzuhalten „Shep liebt das Schafe-Hüten und scheucht auch die Menschen herum, indem er sie ständig umrundet“, erklärt Regisseur Freudenthal. „Als sie sich am Schluss verlaufen, versammelt er auch alle Hunde und steuert sie in die richtige Richtung.“
Romeo trägt seinen Namen zu unrecht, denn er gehört zur Sorte der Chinesischen Schopfhunde, die außer dem besagten Wuschel auf dem Kopf keine Haare besitzt. „Nun, was soll man zu Romeo sagen?“, grübelt Forbes. „Er ist nicht gerade ein Adonis, aber davon will er nichts wissen. Er verliebt sich in die schöne Juliet; das ist eine echt interessante Paarung.“
Die Pudeldame Juliet wird von den Kindern vor Tierfängern gerettet. „Nachdem die Kids sie im Hotel gekämmt haben, sieht sie aus wie eine Bo Derek auf vier Beinen. Sofort verfolgt Romeo sie durch das ganze Hotel bis aufs Dach, wo die beiden sich auch prompt verlieben“, erzählt Forbes.
„Zu Beginn versteckt sich das kleine, schüchterne Würstchen Romeo immer gerne unterm Tisch“, berichtet Freundenthal. „Doch sobald er Juliet erblickt, gewinnen seine Liebesinstinkte die Oberhand. Damit bestätigt er das Klischee vom stillen, aber tiefen Wasser, denn seine romantische Art sticht nicht gerade ins Auge.“
Last but not least ist da auch noch der Respekt einflößende Beauceron Henry. Die französische Züchtung sieht aus wie eine Mischung aus Dobermann und Rottweiler und ist doch ein echt gutmütiger Pazifist. „In der Geschichte“, erklärt Tiertrainer Forbes, „wollte Henrys Vorbesitzer ihn zu einem Wachhund abrichten. Das passt aber überhaupt nicht zu dessen Gemüt. Also retten ihn die Kinder und bringen ihn ins Hotel. Dabei gewinnt Henry an Selbstvertrauen und hilft seinen Rettern schließlich sogar aus einer echt brenzligen Situation.“
All diese „Hundeschauspieler“ mussten natürlich erst einmal gecastet werden. „Um einem Hund so etwas wie „Persönlichkeit“ zu verleihen, muss man dessen Instinkte mit dem Geschehen auf der Leinwand verbinden“, erklärt Forbes. „Man kann einen Hund nur schwer dazu bringen, gegen sein Naturell zu agieren. Letztendlich ist es schwierig, den grundlegenden Charakter eines Hundes zu ändern. Weil man dem Hund kein Skript in die Hand drücken kann, um ihn nach seiner Meinung zu fragen, mussten wir uns sehr anstrengen, um den richtigen Hund für die richtige Rolle auszuwählen.“
Mit Forbes’ Hilfe arbeiteten sich die Filmemacher durch einen Hundekatalog, um die Identität der einzelnen Haupt-Hunde festzulegen. „Wir wünschten uns für die bessere Unterscheidbarkeit verschieden große Hunde mit unterschiedlichen Farben und Gesichtern“, erinnert sich Freudenthal. „Man kann den Hund nicht nach seiner Stimmung fragen, also muss man die Persönlichkeit in seinem Gesicht ablesen.“
„Mich haben aus Kontrast-Gründen automatisch die ganz Kleinen und die ganz Großen angesprochen“, erzählt Freudenthal. „Bei der Romeo-und-Julia-Paarung sowie Lenny und Georgia ist uns das auch ziemlich gut gelungen, finde ich!“
Für die insgesamt 70 Hunde wählte das Team zahlreiche verschiedene Typen aus, zumeist Mischlinge, aber auch einige reinrassige Tiere. „Hinter jedem davon steckt eine Geschichte“; erklärt Produzent Leslie. „Innerhalb von ein paar Monaten hatten wir sie soweit, dass sie alles Nötige für den Film beherrschten. Das ist doch eine Leistung!“
Passend zum Drehbuch stammten auch etwa zwei Drittel der Hunde aus schwierigen Verhältnissen. So wurden der Friday-„Darsteller“ Cosmo und seine beiden brillanten Doubles erst wenige Monate vor Drehbeginn gerettet.
Produzent und Tierschützer Leslie engagiert sich bei Karma Rescue, einer Organisation, die sich um neue Besitzer für ausgesetzte oder streunende Hunde kümmert. Dank einer Spende von DreamWorks Pictures konnte er während der Vorbereitung und der Dreharbeiten für 14 Hunde ein neues Heim finden. Darüber hinaus adoptierten einige Crewmitglieder selbst einen Hund oder brachten ihn bei Bekannten unter.
Leslie kommentiert enthusiastisch: „Wir haben einige Hunde retten können und hoffen, dass sich auch Andere ein Beispiel daran nehmen. Das Tolle an diesen Hunden ist, dass sie sich so dankbar über ihre Rettung zeigen. Sobald man sich liebevoll um sie kümmert, teilen sie ihre Dankbarkeit sofort mit. Das Resultat ist, dass sie sich einfach super benehmen!“
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Alles Lüge!
16 Wochen vor Produktionsbeginn startete das Training der 16 wichtigsten Hunde für die vielseitigen Aufgaben, die sie während des Shootings zu beherrschen hatten. Für die „Rookies“ unter den Hunden, die also zuvor noch nie vor der Kamera agiert hatten, unterteilte man das Training in vier Phasen. Im ersten Schritt lernten sie grundlegende Befehle wie „Sitz!“ und „Platz!“ zu befolgen, sowie das Berühren einer Markierung auf einem hohen Block mit den Vorderpfoten. In der zweiten Phase wurden schwierigere Aktionen wie Apportieren und Winken eingeübt und die individuellen Verhaltensmuster herauskristallisiert, die man bei jedem einzelnen Hund triggern musste, um die gewünschte Handlung zu erreichen.
„Ein Hund, der auf dem Rücken liegt und mit den Pfoten strampelt, könnte ‚Gelächter’ ausdrücken“, verdeutlicht Clark. „Ein Hund kann Traurigkeit ausstrahlen, wenn er seinen Schwanz zwischen den Beinen einklemmt und die Schultern und Ohren hängen lässt. Die Suche nach genau diesen Verhaltensweisen zur Definition einer Hundepersönlichkeit passierte im zweiten Trainingsschritt.
In der letzten Trainingsphase brachte man die Hunde zum Üben und Sichern der Kommandos an verschiedene öffentliche Orte. „Wir nahmen sie mit Einkaufszentren, Parks und öffentlich zugängliche Orte – nur so konnten wir in etwa die Atmosphäre auf einem Filmset erzeugen“, erinnert sich Forbes. „Man will den Hunden das Gefühl geben, dass alles in Ordnung ist und sie unabhängig vom Ort ihre Belohnung bekommen. So wird das Filmset für sie nur zu einem von vielen Orten.“
Nach der „Grundausbildung“ konzentrierte sich Forbes’ Team auf die Anforderungen an jeden einzelnen Hund. „Damit man jeden Hund dazu bringt, genau das zu tun, was man von ihm will, braucht es schon jede Menge Organisation“, erklärt er. „Schließlich muss man quasi das Drehbuch in die Hundesprache übersetzen. Anschließend übt man sanft mit den Hunden, damit sie verstehen, was man von ihnen will. Bei jeder Szene dreht es sich im Endeffekt primär um die Anzahl der Einstellungen, die man benötigt. Vor jeder Einstellung muss man die Hunde daran erinnern, was sie zu tun haben. Sie können sich das Gelernte nämlich unmöglich bis zum nächsten Tag merken.“
Auch die Schauspieler mussten auf den Umgang mit den Tieren „trainiert“ werden, um sich mit deren Verhalten vertraut zu machen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. „Ein Großteil des Trainings findet tatsächlich mehr für die Schauspieler als für die Tiere statt. Sie müssen lernen, sich auf ihren jeweiligen vierbeinigen Leinwandpartner einzustellen“, verdeutlicht Forbes.
„Die Arbeit vor Drehstart ist auch wichtig, um den Schauspielern ein Gefühl dafür zu vermitteln, welcher Einsatz für die Dreharbeiten mit einem Tier notwendig ist“, fährt Forbes fort. „Mal müssen die Darsteller den Hunden immer wieder neue Leckerchen geben, mal springt ein Tiertrainer knapp außerhalb des Blickfelds auf und ab und winkt dem Hund – das alles ist für Schauspieler auch recht anstrengend.“
„Wir wollten den Darstellern und den Hunden die Möglichkeit geben, eine Beziehung aufzubauen. Das hat wunderbar funktioniert!“ freut sich Produzent Clark. „Die Kinder haben diese Hunde ins Herz geschlossen und man merkt das auch noch, wenn die Kamera nicht mehr läuft. Da hat sich ein echter familiärer Zusammenhalt entwickelt, den man auch auf der Leinwand sieht.“
Diese Erfahrung öffnete Roberts, die noch nie zuvor mit einem Vierbeiner vor der Kamera gestanden hatte, die Augen. „Die Arbeit mit all diesen Hunden erfordert wesentlich mehr Geduld, als man annehmen möchte. Sobald der Hund nicht folgt, geht der Take auch dann schief, wenn man selbst gut war. Manchmal schafft der Hund die Einstellung perfekt, ein anderes Mal wandert er plötzlich herum. Auch wenn man es bisweilen vergisst, muss man sich doch immer daran erinnern, dass es doch „nur“ Tiere sind, und sie eben nicht jedes Kommando aufs Wort befolgen.“
„Auf einem normalen Filmset herrscht normalerweise Stille, sobald die Kameras laufen. Die Hundetrainer machen dagegen alles Mögliche, von Rufen, Herumspringen bis hin zu Pfeifen – das lenkt die Schauspieler schon mal ab“, vermutet Clark. „Emma, Jake und all die anderen Darsteller haben sich aber toll an diese Arbeitweise gewöhnt und nicht weniger großartig agiert, als sonst.“
Als Vorbereitung auf die verschiedenartigen Gerätschaften im Film versorgten, die Special Effects Experten die Hundetrainer schon früh mit Dummies der späteren Filmrequisiten. „Michael Lantieri und seine Effekt-Leute war wirklich toll“, lobt Clark. „Schon Monate bevor die Maschinen wirklich fertig gebaut waren, bereiteten sie für uns Kopien vor, mit denen sich die Hunde vertraut machen konnten.“