Hounsou lässt keinen Zweifel aufkommen, warum er diesen Film drehen wollte. Er erkannte in dieser Story eine Botschaft, die er den Zuschauern nahe bringen wollte, vor allem dem jungen Publikum. „Einige Kids sind einfach total verloren“, beklagt Hounsou einen generellen Mangel an elterlicher Aufsicht. „Sport- und Trainingsschulen, wie sie etwa Roqua betreibt, sind sehr wichtig. Sie holen die Kids von der Straße und erziehen sie dazu, Körper und Geist zu entwickeln. Roqua betont auch immer, dass Martial Arts nur zu sportlichen Zwecken oder zur Selbstverteidigung eingesetzt werden darf, was ich für sehr wichtig halte.“
„In keinster Weise tritt diese Geschichte für die Anwendung von Gewalt ein“, ergänzt Sean Faris. „Meine Figur lernt eine Lektion. Zunächst ist Jake voller Zorn und Hass, hat richtig Lust, zu zerstören, und zwar alles, was ihm ein Gefühl der Unsicherheit gibt. Als er selbstbewusster wird, will er sein Training fortsetzen, denn es bietet ihm nicht nur ein Ventil für seine Frustrationen, sondern ist auch ein Mittel dazu, der bestmögliche Mensch zu werden. Er will sich auf keine Auseinandersetzung mehr einlassen, nur um Vergeltung zu üben. Das ist eine sehr wichtige Lektion für ihn.“
Vor Beginn der Dreharbeiten mussten die Schauspieler ein extrem hartes Training auf sich nehmen. Geleitet wurde es von Damon Caro und Jonathan Eusebio, zwei Stunt- und Fightkoordinatoren, die schon an zahlreichen Filmen mitgearbeitet hatten. So etwa an Zack Snyders 300 (300, 2007), Paul Greengrass’ DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG (The Bourne Supremacy, 2004) und DAS BOURNE ULTIMATUM (The Bourne Ultimatum, 2007), Len Wisemans STIRB LANGSAM 4.0 (Live Free or Die Hard, 2007), Doug Limans MR. & MRS. SMITH (Mr. & Mrs. Smith, 2005), Sam Raimis SPIDER-MAN 3 (Spider-Man 3, 2007), David Finchers FIGHT CLUB (Fight Club, 1999) und Clark Johnsons S.W.A.T – DIE SPEZIALEINHEIT (S.W.A.T., 2003).
Sportliche Auseinandersetzungen sind über den ganzen Film verstreut. Caro und Eusebio hatten die Aufgabe, die Actionszenen aufregend zu gestalten, wobei die Glaubwürdigkeit der Geschichte gewährt bleiben musste und die Bewegungsabläufe tauglich für die große Leinwand bleiben mussten. Darüber hinaus verbrachten sie Monate damit, die Schauspieler vorzubereiten, ihre Stunts auch selbst ausführen zu können und deren Fitness dann zu konservieren. Acht Wochen vor Drehbeginn begann das Training, das die Darsteller mit den körperlichen Anforderungen dieses Sports vertraut machte.
„Free Fight ist eine Mischung aus Kickboxen, Ringen, Dreh- und Wurftechniken, kombiniert mit dem Einsatz von Ellbogen und Knie“, erklärt Caro. „Der Sport bedient sich in seinen Bewegungsabläufen und Techniken beim Wrestling, Jiu-Jitsu, Karate, Sambo, Muay-Thai, bei allen möglichen Disziplinen. Die meisten Athleten, die diesen Sport betreiben, kommen vom Ringen, vom Jiu-Jitsu oder sind Striker. Sie beherrschen also eine dieser Techniken und arbeiten darauf hin, auch andere zu meistern und diese dann einzubauen.“
Caro hebt hervor, dass ein großer Filmstar maßgeblich dafür verantwortlich war, nicht nur Martial Arts populär zu machen, sondern auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Disziplinen aufzubrechen. Damit bereitete er auch den Weg für den Free Fight. „Martial Arts wurde erstmals in den Fünfzigerjahren durch Karate, Judo oder Kung-Fu populär. Und diese Disziplinen waren strikt voneinander getrennt. Das war fast wie eine Religion: Wer Karate trainierte ließ von Judo die Finger, andernfalls wäre er bei seinem Meister in Ungnade gefallen. Bruce Lee hatte großen Einfluss darauf, diese Einstellung zu verändern. In seinen Filmen aus den Siebzigerjahren kombinierte er verschiedene Martial Arts-Disziplinen und verärgerte damit jeden. Wer ihn herausforderte, verließ diese Auseinandersetzung entweder mit seinen Zähnen in der Hand oder der Überzeugung: Super, das funktioniert ja wirklich! Nach und nach wurden so diese Barrieren abgebaut.“
Sean Faris und Cam Gigandet waren sehr athletisch und körperlich in guter Verfassung. Dennoch mussten sie strenge Ernährungsprogramme auf sich nehmen und lernen, die komplizierten Bewegungsabläufe des populären Sports sicher und authentisch zu beherrschen. Faris hatte auf der Leinwand bereits einen Athleten verkörpert, aber Free Fight stellte für ihn eine absolut neue Herausforderung dar. „Jeden Tag trainierten wir etwa dreieinhalb Stunden“, erzählt der Jungstar. „Mit Martial Arts hatte ich vorher noch nie etwas zu tun gehabt. Jetzt lernte ich Taekwondo, Jiu-Jitsu, Muay-Thai, Ringen, lauter unterschiedliche Disziplinen. Und dann kam auch noch das eineinhalbstündige Krafttraining dazu, ganz zu schweigen von der verordneten Diät, damit wir an Gewicht zulegen konnten. Noch während der Dreharbeiten trainierten wir zwölf Stunden täglich und ich verlor genau so viel, wie ich für den Film ursprünglich zugenommen hatte.“
Obwohl Faris als Kind und Jugendlicher Fußball, Football und Rugby gespielt hatte, war für ihn dieser neue Sport genauso exotisch wie für seine Figur Jake. Während er sich diese neuen Fähigkeiten aneignete, machte er körperlich und emotional eine ähnliche Entwicklung durch wie Jake. „Das Training gehörte definitiv zu den härtesten Prüfungen, denen ich mich je unterziehen musste, aber letztlich auch zu denjenigen, von denen ich am meisten profitieren konnte“, erklärt Faris. „Im Film hatte ich bisher Sportarten betrieben, die ich auch als Kind und Jugendlicher ausgeübt hatte. Das hier war etwas völlig anderes. Dieser Sport war mir völlig fremd und es gab keinen Bereich, in dem ich mich sicher fühlen konnte. Es gab schon Momente, in denen ich zweifelte, ob ich das durchstehen würde. Aber als ich dann die Kurve gekriegt hatte, spürte ich, dass ich mich wirklich weiterentwickelt und etwas geleistet hatte. Plötzlich konnte ich meinen Fuß über den Kopf meines Gegenübers führen, plötzlich fügte sich alles zusammen. Während des Trainings begriff ich außerdem, dass es hier auch um eine Geisteshaltung ging, nicht darum, ein harter Bursche zu sein. Es ging nur um Selbstverteidigung.“
Cam Gigandet ist überzeugt davon, dass das Training der Darstellung seiner Rolle, Jakes Erzrivale Ryan, zugute kam. Der junge Schauspieler besaß bereits Martial Arts-Erfahrung, war aber weit entfernt vom Niveau seiner Figur eines Meisterfighters, der sich aus den völlig falschen Gründen auf Streitereien einlässt. Natürlich war es sehr hilfreich, dass Gigandet und Faris viel Zeit miteinander verbringen mussten, um die Bewegungsabläufe einzustudieren, die dann in der finalen Auseinandersetzung zwischen Jake und Ryan zu sehen sind.
„Ein ganz normaler Trainingstag“, erinnert sich Gigandet, „begann mit Basisübungen, mit Faust– und Fußangriffen, Abblockgriffen und Kombinationen daraus. Dann konzentrierten wir uns auf die Planung und Choreographie der Fightszenen. Erst übten wir mit den Stuntmännern, dann studierten Sean und ich gemeinsam das Gelernte ein. Nach einer Weile wirkte das alles sehr flüssig und auf den verschiedensten Ebenen sehr realistisch, obwohl es einer festgelegten Choreographie folgte.“
Djimon Hounsou hatte in seiner Jugend in Frankreich Martial Arts gelernt und auch geboxt. Trotzdem empfand er das Training als nützlich und als Herausforderung. „In Frankreich trainierte ich sieben Jahre Kung-Fu und fünf Jahre Boxen. Das war für mich eine große Hilfe, aber natürlich musste ich für diesen Film trotzdem wieder ins Training. Vor Beginn der Dreharbeiten arbeitete ich zwei bis drei Wochen mit den Stuntkoordinatoren. Ehrlich gesagt, hat mich das Free Fight-Training ganz schön geschlaucht. Hier wurden Muskeln und Körperteile in Anspruch genommen, die ich nie benutzt hatte, die sich jetzt aber bemerkbar machten. Aber mir machte das Spaß. Außerdem besteht immer ein gewisser Druck, wenn man eine Rolle spielt, in der man den Eindruck vermittelten muss, alles schon zu wissen.“
Wie schon Roqua, die von ihm gespielte Figur, ist sich auch Hounsou bewusst, welche großen Kräfte bei diesem Sport involviert, welche potenzielle Gefahr und auch Verantwortung damit verbunden sind. „Ob es nun um Kung-Fu, Karate, Free Fight oder um andere verwandte Sportarten geht, sollte es ein Gesetz geben, das die Anwendung außerhalb der Trainingsstätten verbietet“, fordert Hounsou mit Überzeugung. „Wenn man jemanden verletzt, trägt man selbst auch die Verantwortung.“
Die Stuntkoordinatoren waren nicht die einzigen Experten am Set. So hatte Produzent David Zelon zwei Jahre die israelische Selbstverteidigungskunst Krav Maga gelernt. Grundsätzlich, aber vor allem auch für Zelon, der viele Kontakte zur Martial Arts-Szene unterhält, war es von größter Bedeutung, dass die Fights absolut authentisch wirken mussten. „Wochenlang drehten wir nur Fightszenen – mit verschiedenen Spezialkameras und Apparaturen“, erzählt Zelon. „Unser Ziel war es, ganz nah an die Fights heranzugehen, man sollte jeden Treffer fast spüren können. Natürlich mussten wir mit einkalkulieren, dass sich jemand verletzen oder verausgaben könnte. Deshalb gingen wir auf Nummer sicher. Aber unsere Intention blieb unverändert: alles sollte realistisch, instinktiv ausgeführt wirken. Wir wollten mit unseren Fightszenen neue Maßstäbe setzen. Das begann mit unseren Stuntkoordinatoren und der Planung der Choreographie und setzte sich mit unseren Darstellern fort, die so viel wie möglich selbst machen mussten, damit wirklich alles echt aussah.“
„Den Morgen am ersten Trainingstag werde ich nie vergessen“, erinnert sich Regisseur Wadlow. „Ich habe Sean und Cam zufällig auf dem Parkplatz vor der Trainingshalle getroffen. Ich habe beiden in die Augen gesehen und ihnen gesagt, dass für uns – obwohl es noch acht Wochen bis Drehbeginn waren – heute schon der Film beginnen würde. Aufgeregter hätten sie nicht sein können und meiner Ansicht nach sieht man dem Film ihre harte Arbeit an. Jede ihrer Fightszenen haben sie gelernt – und es gibt im ganzen Film nicht einen Bewegungsablauf, den sie nicht selbst hätten ausführen können.“
Vor Beginn der Dreharbeiten wusste Wadlow nicht viel über Free Fight, aber er entwickelte sich schnell zum Experten. „Gleich nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich Feuer und Flamme für dieses Projekt, ich begann sofort mit meinen Vorbereitungen. Ich besuchte Sportstudios und Dojos, sah mir so viele Fights wie möglich live an, darüber hinaus hunderte DVD-Zusammenstellungen von Free Fight-Highlights. Ich verbrachte mehr Stunden als ich sie noch zählen könnte, mit unserem Stunt-Team in der Trainingshalle, besprach die Choreographie und stellte Fragen über Fragen. Nicht nur über die Fights, sondern auch über verschiedene Trainingsmethoden, ihren eigenen Martial Arts-Background und auch über die Geschichte der einzelnen Disziplinen, aus denen sich Free Fight schließlich zusammensetzt. Nach Ankunft unseres Kameramannes Lukas Ettlin sah ich mir mit ihm in meinem Büro und bis spät in die Nacht hinein Fightfilme an. Wir versuchten herauszufinden, warum einige Fights so wuchtig und dramatisch, andere dagegen so langweilig wirkten.“
Wadlows Begeisterung für den Sport und seine Aufmerksamkeit für die kleinsten Details inspirierte vorbildhaft auch den Dreh der Fightszenen. „Die Vorbereitung für die Fightszenen waren extrem anstrengend“, gibt Wadlow zu. „Zunächst habe ich jeden einzelnen Fight im Skript mit Damon Caro und Jonathan Eusebio besprochen. Ich sagte ihnen, was ich hinsichtlich der Entwicklung der Story für wichtig hielt, was ich mit jedem Aspekt eines Fights dramaturgisch erreichen wollte. Sie begannen dann, mir für die großen dramatischen Momente bestimmte Bewegungsabläufe vorzuschlagen. So nahm der Fight allmählich Konturen an. Der nächste Schritt war dann, in die Trainingshalle zu gehen und zuzusehen, wie Mitglieder des Stuntteams in den Rollen von Jake und Ryan den Fight in groben Zügen darstellten. Meine erste Frage war immer, ob das auch wirklich Free Fight-tauglich war. In der Regel bejahten sie es, schließlich sind das absolute Experten. Wenn sie aber irgendwelche Zweifel hatten, arbeiteten sie die Choreographie noch genauer aus.“
Die Kameras wurden ausschließlich an Drehorten in Orlando, Florida aufgestellt. Orlando ist zwar für seine Freizeitparks bekannt, aber die Filmemacher fanden auch geeignete Locations für weniger exotische Schauplätze – wie etwa für Jakes altes Haus in Iowa. Außerdem bekam das Team schnell mit, dass Free Fight in Zentralflorida immer populärer wird. Um seinen Darstellern so viel Zeit wie möglich für das Training geben zu können, schob Regisseur Wadlow den Dreh der Fightszenen ans Ende des Drehplans, bis es schließlich an den „Beatdown“ ging, das jährlich abgehaltene Turnier für nichtprofessionelle Free Fighter. Gedreht wurden die Fights vor Publikum, mit fast 1000 leidenschaftlich agierenden Statisten, die sich mit ganzem Herzen ins Zeug legten und mehrere Tage lang Runde für Runde den Fightern zujubelten.