Thriller,
Action,
Science Fiction,
Mystery
| USA 2008
WERBUNG
| Produktion: Ein besonderer Blick auf das Monster
Das Resultat aus der Mischung eines überlebensgroßen Monsterangriffs und intimen, ‚kleinen’ Bildern einer Handkamera ist eine adrenalingeladene Achterbahnfahrt, bei der die Verbindung des Zuschauers zu den Charakteren durch eine einzige Kamera aufrechterhalten wird. Dass persönliche Geschichten und Erlebnisse mit einem Camcorder aufgezeichnet werden, ist in den letzten Jahren zum Alltag geworden.
„Als mir die Idee zu diesem Film kam, habe ich auch über die ‚YouTubisierung’ unserer Welt nachgedacht“, sagt Abrams. „Wenn man heute nur zwei Minuten online ist, findet man Videos aus dem Irak, aus London, Spanien oder Manhattan, in denen sich Leute in Läden oder unter Autos verstecken und die Reaktionen der Menschen filmen.“
„Es gibt heute kein Ereignis mehr, das nicht eingefangen wird“, fügt Burk hinzu. „Wenn also ein gigantisches Monster eine Stadt angreift... würden die Leute das dann nicht auch mit der Kamera dokumentieren?“
Solche Aufnahmen, wie man sie in zahllosen hausgemachten Katastrophenfilmchen sehen kann, haben einen ungewöhnlichen Effekt auf den Zuschauer. „Diese Videos sprechen den Voyeur in uns an, auch wenn nur die alltäglichsten Dinge gezeigt werden“, bemerkt Goddard. „Aus irgendeinem Grund kann man sich das ewig anschauen – es ist als würde man in das Leben von Menschen eindringen können. Wir wussten, dass der Film real wirken muss, damit es funktioniert, so als würde man eben heimlich irgendeine Party beobachten. Wenn dann das Chaos ausbricht überträgt sich diese Realität auch auf das Monster.“
Die Herausforderung war nun, diese Art der Videobilder für eine Kinogeschichte zu erschaffen. „Wir haben uns gefragt, wie es aussieht, wenn Leute ein plötzlich auftretendes schreckliches Ereignis filmen“, erklärt Abrams.
„Es war eine unglaubliche Umstellung“, sagt Reeves. „Um die Illusion zu erzeugen, dass wir nur mit einer einzelnen Kamera filmen, mussten wir auf alle gewohnten Erzählinstrumente verzichten. Es gibt keine große Totale, keinen Gegenschuss, um zu zeigen, wie eine andere Person zuhört und zuschaut. Alles, was man sieht sind Bilder aus Huds Kamera und dementsprechend aus seiner Perspektive.“
Diese extreme Einschränkung der möglichen Einstellungen wurde zu einem Schlüsselelement für den authentischen Look des Films. „Es musste sich so anfühlen, als hätte eben kein erfahrener Filmemacher diesen Film gemacht“, führt Reeves weiter aus, „sondern Leute, die gerade mitten in dieser Situation stecken.“
Burk sagt dazu: „Wir wollten, dass der Film wie echtes Leben aussieht. Als würde ein riesiges Monster meine Stadt angreifen und ich hätte mir einfach meine Kamera geschnappt, wäre runter auf die Straße gerannt und hätte drauf gehalten – genau solche Bilder wollten wir.“
Ein wichtiger Aspekt dieser Technik, der für Spannung und Schrecken sorgt, ist die Tatsache, dass der ‚Kameramann’ die Action, die Sichtungen des Monsters oft gerade so verpasst. „Viel vom Reiz amateurhafter Videos liegt in dem, was man hört aber nicht sieht – die Panik, die Reaktionen auf das, was man nicht sieht, und die Geräusche der Dinge, die man nicht sieht“, erklärt Abrams.
„Was man nicht sehen kann, ist Angst einflößend”, fügt Reeves hinzu. „Jeder Moment ist geladen mit der Vorstellung dessen, was vielleicht passieren könnte oder was gerade außerhalb des Blickfelds passiert. Man malt sich einfach aus, was man nicht sieht und das sorgt für einen ordentlichen Nervenkitzel.“
„Die Idee ist, dass alles fast willkürlich erscheint. Im Augenwinkel nimmt man etwas war, aber man ist sich nicht ganz sicher, was es ist“, erklärt Visual Effects Supervisor Michael Ellis. „Was Hud filmt, wird oft dadurch bestimmt, in welche Richtung ihn die anderen lenken. Sie sehen das normalerweise vor ihm, er versucht es zu finden und oft ist es dann schon wieder weg oder vorbei. Er hat es gerade verpasst und seine Freunde rennen weg.“
Eine der Schwierigkeiten dieser amateurhaften Aufnahmen lag darin, dass erfahrene Profis wie Chris Hayes diese Aufnahmen machen mussten. „Chris ist ein toller Kameramann“, so Reeves, „nur musste ich ihn manchmal darauf hinweisen, dass er etwas zu toll arbeitet. Es sollte eben alles ziemlich versehentlich wirken, so als hätte jeder Mensch mit einer Kamera diesen Film machen können.“
Eine ebenso wirkungsvolle wie offensichtliche Methode, diesen Eindruck zu erzeugen, war, T.J. Miller für eine ganze Reihe von Sequenzen die Kamera in die Hand zu drücken und ihn genau das tun zu lassen, was seine Rolle Hud in dieser Szene macht. „T.J. hat tatsächlich ziemlich viel gedreht”, so Bonvillain. „Er hat die ganze Zeit gewitzelt, dass er dafür normalerweise schon längst seinen Gewerkschaftsausweis als Kameramann bekommen hätte.“
Die Szenen mit teilweise extrem langen Einstellungen für nur „eine“ Kamera zu orchestrieren, brauchte viel Erfahrung und Planung. In einem eher genretypischen Film wären solche Szenen mit vielen verschiedenen Einstellungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven gefilmt worden und jede Einstellung hätte eine bestimmte wichtige Information oder einen Eindruck transportiert. In „Cloverfield” mussten die frenetischen Kamerabewegungen sorgfältig geplant werden, um jede Aktion, jedes Bild, jede Information und jede Stimmung einzufangen, die Reeves den Zuschauer sehen lassen wollte.
Die Szenen mit dem Monster brauchten eine ausgeklügelte Strategie, um die Sichtungen am Anfang des Filmes auf ‚flüchtige Eindrücke’ zu reduzieren und erst später frontale Sichtungen zu erlauben. Meistens kann man das Monster nur vom Erdboden aus sehen, da sich Hud dort die meiste Zeit des Filmes bewegt. „Das sorgt für eine einzigartige Perspektive“, merkt Reeves an.
„Schließlich aber wurde uns klar“, so Goddard, „dass wir dem Publikum ein Bild des Monsters schulden.“ Die Luftaufnahmen aus der „Gott-Perspektive“ eines traditionalen Genrefilms gibt es hier nicht, abgesehen von zwei sorgfältig geplanten Sequenzen wie zum Beispiel einem Helikopterflug, den Reeves in den Film eingebaut hatte. „Als sie in einem Elektronikladen sind, sehen sie einen Fernsehbericht in den laufenden TV-Geräten und eine Helikopteraufnahme des Monsters, wie es mit seinem Schwanz ein Stück der Brooklyn Bridge herausschlägt“, erläutert der Regisseur.
Einen intimen Blick auf das Monster gibt es dafür, wenn unser Kameramann Hud von dem Monster angegriffen wird und die Kamera kurz das Innere des Monsterschlunds zeigt, bevor sie auf die Straße gespuckt wird. „Für einen Monsterfilm-Fan gibt es nichts, das cooler wäre, als von einem Monster aufgefressen zu werden“, schmunzelt Reeves.