Guru Pitka alias „Der Love Guru“ tauchte zum ersten Mal in Mike Myers’ Fantasie auf, als der Komiker an der Blockbuster-Serie Austin Powers arbeitete. Damals hatte Myers gerade seinen Vater verloren. Um seine Trauer zu bewältigen, begab er sich auf eine ernsthafte spirituelle Suche, die ihn zu Gurus und Ashrams und in einem unerwarteten Zirkelschluss wieder zurück zur Komödie führte. In den Worten Deepak Chopras begriff er, dass „Humor der Weg der Menschheit ist, um tiefem Leiden zu entkommen.“
Myers war bereits berühmt für seine respektlose und unwiderstehliche Weise, mit der er einzigartige Charaktere in eine ungewohnte Umgebung versetzte und diese Situationen ins komische Extrem trieb. Daher konnte er der Idee nicht widerstehen, eine Welt zu karikieren, die er sowohl faszinierend wie hanebüchen fand und deren äußere Symbole teilweise lächerlich und doch von tiefer Ehrlichkeit erfüllt waren. Eine Sphäre, in der ehrwürdige Denker die Natur des Lebens erforschten und doch immer wieder auf der Bananenschale moderner Versuchungen ausglitten.
„Als ich Gurus wie Gary Zukav and Deepak Chopra kennenlernte, fiel mir auf, dass sie eigentlich sehr lustig sind“, so Myers. „Ich begriff, dass es beim Konzept der Erleuchtung im Grunde darum geht, die Stimmung der Menschen aufzuhellen.” Myers fand sich noch aus einem anderen Grund zu diesem Stoff hingezogen: „Steve Martin sagte einmal: ‚Das Aufregendste ist es, Komödie dort zu finden, wo es vorher noch keine gab.’ Und ich mochte die Vorstellung, Ironie und Humor in die menschliche Suche nach Glück und Liebe einzuführen.”
Als nächstes machte Myers mit seinem unverschämten Guru eine Testfahrt. Mit einem falschen Bart, einem mysteriösen Akzent und Guru-Outfit trat Myers in einer Reihe von New Yorker Theatern auf, wo er Guru Pitkas herrlich überdrehte „Dharma Vorlesung“ anbot – ein schräges Potpourri aus konfessionsfreien Ratschlägen, angefangen von purem Unsinn bis hin zu überraschend subtilen Erkenntnissen.
Die Figur wurde schnell zum Hit beim New Yorker Publikum, das die verschiedenen Entwicklungsstufen von Myers’ Kreation miterleben durfte. Einige sahen in Pitka eine herrliche Satire, andere fanden in ihm sogar eine legitime Inspiration – und diese Mischung schien Myers’ Hoffnungen zu erfüllen: in Bereiche vorzudringen, die die Komödie noch nicht ausgelotet hatte. Als Deepak Chopra Guru Pitka zum ersten Mal sah, fand er ihn „herrlich komisch. Trotzdem schaffte es Mike einige tiefgründige Statements abzugeben – und zwar auf eine so alberne Weise, dass er einem im Gedächtnis blieb.“
Bald nachdem er Guru Pitka der Öffentlichkeit gezeigt hatte, begann Myers mit dem Drehbuchautor Graham Gordy zusammenzuarbeiten, um eine jüngere, hippere Version des Charakters in einer neuen Geschichte auf die Leinwand zu bringen – so wie er es schon mit seiner improvisierten Figur Austin Powers getan hatte. Gordy und Myers hatten einen Riesenspaß, als sie aus kosmischen Sutren Slapstick machten und die Geschichte des Films ausheckten. Diese zeigt, wie aus Guru Pitka der zweitbeste Guru der Welt wurde und er seinen unerhört berühmten Hauptrivalen, den echten Deepak Chopra, vom Thron stoßen will, indem er sich in der Welt des Profi-Sports und der Celebrity Affären durchschlägt.
„Mike ist brillant und hartnäckig“, so Gordy. „Komödie ist für ihn so wichtig, wie man sich das von allen Komikern erhofft. Er ist der ultimative Komödienstudent, aber zugleich auch ein großartiger Lehrer, denn er brachte mir alles bei, was ich weiß. Es war großartig, mit ihm zusammenzuarbeiten.“
Die Geschichte stürzt Guru Pitka nicht nur in alle möglichen komischen Situationen, einschließlich privater Liebesnöte, sondern lässt ihn auch inromantische und spirituelle Erkenntnisse hineinrasseln.
„Im Endeffekt erlebt er eine Reise von der Berühmtheit zurück zur Reinheit“, erklärt Myers. „Guru Pitka hat tolle Ideen, aber anstatt den Menschen zu helfen, interessiert er sich jetzt viel mehr für Ruhm und Ehre. Nachdem er mit dem widerstandsfähigsten Schüler seines Lebens konfrontiert ist (Eishockey-Star Darren Roanoke) muss er nach den Regeln leben, die er selbst aufgestellt hat. Der Lehrer wird gewissermaßen zum Schüler.“
Für Myers gab es noch einen weiteren Schlüsselfaktor, warum er mit DER LOVE GURU seinen Spaß hatte. So baute er einen seinen der großen Träume in die Geschichte ein: Sein geliebtes Eishockeyteam der Toronto Maple Leafs sollte endlich einmal eine Saison gewinnen. „Es ist ein Jammer meines Lebens, dass sie seit 1967 nicht mehr den Stanley Cup gewonnen haben“, gibt er zu. „Und die Chance, auf dem Eis des Air Canada Centers zu drehen, wo ich sprichwörtlich jeden Samstag meineJungs spielen sehe, versetzte mich in freudige Erregung.”
Myers und Gordy kombinierten Riffs aus mehreren Filmgenres – von Sportdramen bis zu romantischen Komödien – und schrieben dabei auch eine ebenso ambitionierte wie elaborierte Bollywood-Tanzsequenz ins Drehbuch. “Ich bin ein Entertainer der alten Schule”, meint Myers. “Ich empfinde eine große Verantwortung, wenn ich die Leute bitte, 90 Minuten lang im Dunkeln zu sitzen, und daher stelle ich sicher, dass es eine Riesenmenge an Unterhaltung gibt – daher haben wir im LOVE GURU Tanznummern, Komödie, Drama – und noch mehr. Ich liebe es einfach, die Menschen zu unterhalten.”