Wie schon bei Austin Powers wollte Mike Myers eine einfallsreich und hoch entwickelte Bildwelt für Guru Pitka und seine spaßigen Spießgesellen schaffen. Zuerst suchten er und Regisseur Schnabel in Indien nach Inspiration – nicht nur in der reichen spirituellen Geschichte des Landes, sondern auch in dem atemlosen Überschwang, den strahlenden Farben und den spontanen Tanznummern, die für das Phänomen des Bollywood-Films typisch sind.
Ein wichtiger Teil des Film-Designs war der Look des Guru Pitka, den man nach dem jugendlichen Rock’n Roll-Stil des berühmten Beatles-Guru Maharishi Mahesh Yogi gestaltete. Myers entwickelte zunächst ein Outfit für die Auftritte an den New Yorker Theatern und arbeitete dann mit Kostümbildnerin Karen Patch, der Oscar-gekrönten Makeup-Künstlerin Ve Neill und der Haar-Stylistin Jennifer O’Halloran zusammen, um sein Aussehen für den Film zu verfeinern. Effektiv verbrachte er für seine komplette Guru-Aufmachung vier Stunden pro Tag im Makeup-Stuhl, wo man ihm verschiedene prothetische Gesichtsmasken, falsche Bärte und Perücken verpasste.
Davon ausgehend kombinierte Bühnenbildner Charles Wood (The Italian Job – Jagd auf Millionen, 2003) alle Arten von Stilen und verschmolz Ost und West in Sets, die von schwitzigen Eisstadien zum geheiligten Ashram von Tugginmypuddha reichten. “Wir brauchten einen Bühnenbildner, der all diese verschiedenen Welten miteinander verbinden und dazu die ganze Pracht einer Bollywood-Produktion schaffen konnte, und Charles machte echt gute Arbeit, “ so Produzent De Luca.
In den über 80 Sets wimmelte es häufig nicht nur vor lachenden Komikern, sondern auch von Straußen, Elefanten und High-Tech-Marionetten. Woods Ziel war es, eine visuell überwältigende, farbenfrohe Welt zu schaffen, die jedoch die noch farbigeren Charaktere des Films nicht überlagerte.
„Wir wollten eine interessante Umgebung mit positiver Ausstrahlung und großem Detailreichtum, die sich in die Komödie einfügte“, erklärt er. „Für Mike war es wichtig, dass die Bühnenbilder glaubhaft waren, aber auch den Humor unterstützten.” Größenmaßstäbe waren besonders beim Ashram von Guru Tugginmypuddha wichtig, das in drei Monaten Arbeit zum Leben erweckt wurde. Wood musste besonders sorgfältig arbeiten, damit darin auch Maggie und Jenny Platz hatten, die zwei riesigen, Eishockey-fanatischen Indischen Elefanten, die Pitka als wichtigstes Verkehrsmittel dienen. Das exakte Gegenteil galt für das Büro von Trainer Cherkov, in dem alles präzise auf die Größe des kleinwüchsigen Verne Troyer angepasst war – bis hin zum Wasserbehälter und den Büromaterialien.
Für Regisseur Schnabel war der Einfallsreichtum der Sets eine ständige Inspiration, aber sein Herz hing vor allem an den aufwändig choreographierten Bollywood-Tanznummern: „Sie waren für mich die reinste Freude. Wir drehten mehrere völlig voneinander verschiedene Sequenzen. Eine davon, am Ende des Films, ist an den Bollywood-Klassiker Devdas – Flamme unserer Liebe (Devdas, 2002) angelehnt, das „Titanic“ des indischen Films. Aber wir drehten auch Bollywood-Nummern zu ‘More Than Words’, der großen 90er-Jahre-Ballade von Extreme und zu Dolly Parton’s ‘9 to 5’. Alle waren echte Höhepunkte für uns.”
Von diesen prächtigen musikalischen Zwischenspielen abgesehen gab es die aufregendsten Drehmomente, wenn die Elefanten zum Einsatz kamen – insbesondere bei den Höhepunkt-Sequenzen, in denen sie eine entscheidende komische Rolle spielen. „Das ganze Lob dafür gebührt Marco Schnabel, der das alles durchgezogen hat“, so Myers. „Wir hatten einen großartigen Mix aus echten Tieren und mechanischen Tricks, was für einige erstaunliche Effekte sorgte.“
Die mechanischen Elefanten und der Strauß wurden von dem Spezialeffekt-Künstler Ron Stefaniuk kreiert und zum Leben erweckt. Stefaniuk schuf auch Guru Pitkas Keuschheitsgürtel, fungierte als Puppenspieler bei Mike Myers „yogisch“ beweglichen Beinen und fertigte noch weitere ungewöhnliche Gegenstände an. Bei den Tieren setzte er ein von fünf Mitarbeitern bedientes Gerüst samt einer einzigartigen Kombination von Airbags ein, um eine wirklichkeitsgetreue rollende Bewegung zu erzeugen. Er erinnert sich noch an Myers’ Reaktion, als dieser die Mensch-getriebenen Tiere zum ersten Mal sah: „Er mochte sie total. Er war von diesen fließenden Bewegungen ehrlich beeindruckt.“
Um all dieses Chaos auch visuell dynamisch einzufangen, holte sich Myers wieder Kameramann Peter Deming, der bereits Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat (Austin Powers: International Man of Mystery, 1997) und Austin Powers in Goldständer (Austin Powers in Goldmember, 2002) fotografiert hatte.
Regisseur Marco Schnabel fasst zusammen: „Alles was man von Mike Myers sehen möchte, findet sich in DER LOVE GURU – eine herrlich komische Welt mit denkwürdigen Charakteren, Musiknummern, anrührende Romantik, unglaublichen Stil und Design – das alles hat Mike auf ein ganz neues, völlig unerwartetes Niveau gebracht, und genau deshalb macht es so viel Spaß.”
Myers meint abschließend: „Noch nie hatte ich bei einem Film so viel Vergnügen. Je häufiger ich das mache, desto stärker begreife ich, dass mir das Lachen des Publikums mehr als alles andere auf der Welt bedeutet. Das ist meine Freude und Erfüllung.“