Mit Atze Schröder arbeitet Regisseur Sven Unterwaldt („7 Zwerge“, „Siegfried“) seit der zweiten Staffel von „Alles Atze“ zusammen. „Ich bin sehr eng mit Sven befreundet“, sagt Atze. „Ich finde, dass er der begabteste deutsche Regisseur ist. Wir haben bereits vier Filme zusammen gemacht, und für eine gemeinsame Folge von ,Alles Atze‘ bekamen wir den Deutschen Fernsehpreis.“
„Die Idee, einen gemeinsamen Kinofilm mit Atze als Star zu machen, hatten wir schon früh“, berichtet Unterwaldt. „Aber wir haben drei, vier Jahre nach einem geeigneten Sujet gesucht. Denn Atze unterscheidet sich in diesem Punkt von anderen Komikern, die sagen: ,Hauptsache Kino – egal was.‘ Atze wollte etwas ganz Besonderes – eben nicht irgendeinen Atze-Film. Natürlich liegt es nahe, Atze mit einer klassischen ,Fish out of Water‘-Situation zu konfrontieren – etwa im Sinn der berühmten ,Flodder‘-Filme nach dem Motto: Atze machte eine Erbschaft und benimmt sich in der wohlhabenden Gesellschaft daneben. Da Atze sich nun mal als Ruhrgebiet-Urgestein mit Mutterwitz profiliert hat, kann man durchaus auf eine solche Idee kommen. Doch die reicht letztlich nur für einen Fernsehfilm.“
Weil Atze aber so sehr in der Gegenwart verwurzelt ist, kamen die Filmemacher zunächst nicht auf die Idee, in anderen Bereichen und Genres zu suchen. Doch eines Tages meinte Drehbuchautor Michael Gantenberg: „Was haltet ihr von ,Das Boot’?“
Dazu Unterwaldt: „Es dauerte bei uns einen Moment, bis der Groschen fiel: ,Wie jetzt? Atze im Zweiten Weltkrieg? Wie soll das funktionieren?‘ Doch dann ging uns ein Licht auf: ,Genau das ist es! Das ist genial!‘ Denn wir sind alle große Fans des Originalfilms ,Das Boot‘. Für mich ist er als U-Boot-Film nach wie vor unübertroffen. Als Kontrast dazu hat die populäre Figur Atze mit den Nazis, Autoritäten und Gehorsam so gar nichts am Hut. Umso toller erschien es uns also, Atze aufs Dritte Reich prallen zu lassen! Diese Kombination ist in unseren Augen weniger eine Parodie als vielmehr eine Hommage an Wolfgang Petersens Film.“
„Mit dem Titel ,U-900‘ weisen wir nur auf die Bezeichnung unseres U-Boots hin“, sagt Atze Schröder. „Es gibt keine Anspielung – darin sind keine satanischen Verse versteckt!“
Die Vorarbeit zum Drehbuch leisteten Autor Michael Gantenberg, Atze Schröder und Regisseur Unterwaldt. Das eigentliche Buch schrieben dann Gantenberg (der die ursprüngliche Idee zum Film hatte), Unterwaldt und Autor Oliver Ziegenbalg („Kein Bund fürs Leben“). „Oliver spricht ähnlich schnell wie ich, und wenn wir uns die Bälle zuwerfen, haben alle anderen anschließend Kopfschmerzen… Bei der Arbeit mit Ollie fangen wir unsere Sätze nur an und sagen sofort: ,Ja, ja, alles klar, schon verstanden.‘ So entwickeln wir in Windeseile neue Szenen. Wenn man an dramaturgische Knoten gerät, ist es sehr angenehm, sich auf diese Art gegenseitig zu befruchten. Wenn Oliver nicht so sehr beschäftigt wäre, würde ich ihn nie mehr von meiner Seite lassen! Jedenfalls bereiten wir schon ein weiteres Projekt vor.“
Verantwortlich für die Produktion sind Max Wiedemann und Quirin Berg, die mit „Das Leben der Anderen“ (2006) neben zahlreichen anderen Preisen den Oscar und sieben Deutsche Filmpreise gewonnen haben. Über „U-900“ sagt Berg: „Große Bilder, eine große Geschichte, viel Spaß – die Mischung aus Abenteuer und Komödie ist genau das, was einen Kinobesuch rechtfertigt. In ,U-900‘ schicken wir einen sehr Verrückten in eine sehr düstere Welt. Dabei widmen wir uns anspruchsvollen Themen genauso intensiv wie leichteren Themen – immer geht es darum, das Publikum zu packen und emotional anzurühren. Wenn der Zuschauer nach Hause geht, will er Gefühle spüren: Begeisterung, Trauer, Empathie. Das Genre ist dabei zweitrangig.“
„Max und Quirin haben alles aufs Spiel gesetzt, um unser Riesenbudget zu stemmen“, sagt Regisseur Unterwaldt. „Kompromisslos haben sie sich mit Haus und Hof in dieses Projekt gestürzt. Ich kenne die beiden seit einigen Jahren – damals erwähnten sie, dass sie große Atze-Fans sind. Als nun unser Projekt Gestalt annahm, wünschten wir uns junge Produzenten, die bereit sind, wirklich ihr letztes Hemd zu geben, um den Film auf die Beine zu stellen. Und ich lag genau richtig: Die beiden waren sofort Feuer und Flamme, wobei ich ihnen gleich gesagt habe: Das wird nicht billig, denn der Film muss so aussehen wie ,Das Boot‘ – mit beeindruckendem großen Kino-Look und visuellen Effekten. Das hat die beiden nicht abgeschreckt, denn im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen sind sie nicht ausschließlich Geschäftsleute, sondern seit ihren Teenagertagen auch ausgesprochene Filmfans.“
Dieses Attribut trifft genauso auf Sven Unterwaldt selbst zu, der sein Team immer wieder seine eigene Begeisterung für das Kino vermitteln kann. Und er beeindruckt alle Beteiligten mit seinem Knowhow und Engagement. „Sven weiß nicht nur, was er will, er weiß auch, wie er das umsetzen kann“, sagt Götz Otto, der den Oberleutnant von Stetten darstellt. „Das ist nicht dasselbe, und nicht allen Regisseuren gelingt das! Sven hat alle U-Boot-Filme gesehen, die jemals gemacht wurden. Und er kennt sich an Bord aus, als ob er 36 Jahre zur See gefahren wäre.“
Und Unterwaldt-Spezi Axel Neumann weiß: „Ein Film mit Sven ist immer ein Abenteuerspielplatz – da darf man im Dreck wühlen. Inzwischen verstehen wir uns fast blindlings. Ein Blick von ihm, und ich weiß Bescheid. Das macht Freude!“
Trotz der präzisen Vorstellungen, die der stets perfekt vorbereitete Regisseur am Set umsetzt, gelingt es ihm, auch den kreativen Input der Darsteller für das Projekt zu nutzen, wie Samuel-Darsteller Oliver Wnuk bestätigt: „Es ist Sven sehr wichtig, was wir als Darsteller einbringen, und er nimmt es gern an.“ Und Yvonne Catterfeld, die in der Rolle der Maria zu sehen ist, berichtet: „Wir sagten uns oft: Sven müsste mal in einem Film alle Rollen selbst spielen – denn das kann er! Wir merken, dass er seinen Traum auslebt – er ist mit voller Leidenschaft dabei.“