Mittwoch | 30. Mai 2012 | 23:27 Uhr
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    Abenteuer, Komödie | Deutschland 2008
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      • | Produktion: Die Besetzung an Bord von U-900

      • „Atze Schröder an sich ist ein Phänomen, das unbedingt auf die Leinwand gehört“, weiß Produzent Quirin Berg. „Ihn reizte es aber, in einer Geschichte aufzutreten, die man nicht mit seinem Image assoziieren würde. Dadurch entsteht eine Spannung, weil der Zuschauer nicht von vornherein weiß, was ihn erwartet. Diese Vorstellung begeisterte auch uns: den Lockenkopf mit der großen Klappe in eine lebensgefährliche Situation am Ende des Zweiten Weltkriegs zu stellen.“ Und Produzent Max Wiedemann fügt hinzu: „Atzes Gags funktionieren nicht deshalb so gut, weil er sich über andere, sondern weil er sich über sich selbst lustig macht.“ Berg sieht das ganz ähnlich: „Atze ist nie despektierlich – man kann ihm einfach nichts übel nehmen. Diese Sympathie ist sehr wichtig.“

        „Die Herausforderung für mich besteht darin, neben derart vielen hervorragenden Schauspielern aufzutreten, mitzuhalten und glaubwürdig zu wirken“, sagt Atze Schröder. „Ich muss mit den Kollegen auf Augenhöhe bleiben, muss im Gegensatz zu meinen Fernsehauftritten auch Emotionen wie Trauer und Angst ausdrücken.“

        Quirin Berg ergänzt: „Atze bringt viel Bühnen- und Sitcom-Erfahrung mit, ist ein Naturtalent, aber es gelingt Sven, Dinge aus ihm herauszuholen, die Atze selbst nicht erwartet hätte. Unschätzbar ist Atzes Auftreten am Set: Er verbreitet gute Stimmung beim Drehen, ist professionell, diszipliniert und trotzdem locker.“
        Atze findet sich in seiner Rolle durchaus wieder: „Ich muss ein U-Boot von links nach rechts lenken, ’ne Mannschaft führen, Fliegerangriffe abwehren – das entspricht alles durchaus meinem privaten Naturell.“ Yvonne Catterfeld dazu „Atzes Stärke liegt ja gerade darin, dass er Situationen meistert, in denen er sich überhaupt nicht auskennt“.

        „Atze ist zwar ein Comedian, aber ich wollte nicht einen weiteren Comedian-Film drehen wie ,7 Zwerge‘ oder ,Siegfried‘“, sagt Regisseur Unterwaldt. „Ich möchte diesmal einen Schritt weiter gehen: Der Film ist keine reine Nummern-Show, sondern er soll auch als Geschichte funktionieren. Der äußere Konflikt in der Story ist klar: Wie im ,Hauptmann von Köpenick‘ trägt ein Mann eine falsche Uniform. Und der klaut dann ein U-Boot. Der innere Konflikt: Die Freundschaft zwischen Atze und seinem besten Freund Samuel wird von einer Lüge überschattet. Hier handelt unser Filmheld moralisch verwerflich – das ist ein großer Kino-Konflikt, der am zweiten dramaturgischen Wendepunkt der Story ausgetragen werden muss, wenn Atze diese Lüge um die Ohren fliegt. Diesen Konflikt nehmen wir sehr ernst, sodass die Spannung aus der Frage entsteht, wie Atze aus dem Schlamassel wohl wieder herauskommt. Die Lösung des Konflikts enthält sehr emotionale Szenen, die das Publikum hautnah einbeziehen. Da war ich als Regisseur gefragt, den Comedian in der Hauptrolle mit dieser Story zusammenzubringen. Deshalb habe ich die weiteren Rollen bewusst nicht mit Comedians, sondern mit gestandenen Schauspielern besetzt.“

        „Es kommt schon gut, wenn all die Kollegen um mich herum superernst spielen – und mitten drin die blöde Fresse vom Atze… das bringt eine Menge positiver Spannung“, lacht Atze Schröder.

        Bemerkenswert ist, dass Atze zwar eindeutig die Hauptrolle spielt, sich aber durchaus in ein Ensemble integriert und nicht jede Szene dominiert. „Mit diesem Konzept hatte ich bereits in ,7 Zwerge – Männer allein im Wald‘ Erfolg, denn nach fünf Otto-Filmen war Otto Waalkes bereit, sich die Leinwand mit sechs Comedian-Kollegen zu teilen“, berichtet Sven Unterwaldt.

        „Da Atze an der Entwicklung der Grundidee zu ,U-900‘ beteiligt war, gab es immer Konsens über seine Rolle – ich musste ihn gar nicht überzeugen, weil auch er selbst keinen konventionellen Atze-Film machen wollte. Deshalb hagelt es auch nicht pausenlos Atze-Sprüche wie in seinem Bühnenprogramm. Stattdessen wollen wir eine Geschichte à la ,Zurück in die Zukunft‘ erzählen: Wie kommt Marty McFly in die Gegenwart zurück? Es geht um Action und Abenteuer, und Atze-Sprüche tauchen nur auf, wenn sie wirklich passen, nämlich wenn sie die Situationskomik ergänzen – also nie um der Sprüche selbst willen. Bei den Proben stellte sich heraus, dass wir oft weitere Atze-Sprüche strichen, wenn sie der Situation nicht voll gerecht wurden: Wenn Atze mit Frau Strasser in flagranti erwischt wird und der General an die Tür hämmert, dann hat Atze wirklich Todesangst – selbst ihm gehen in dieser gefährlichen Situation die Sprüche aus. Er springt einfach aus dem Fenster. Als Atze sich dann als U-Boot-Kommandeur ausgibt, entsteht daraus eine Situationskomik, die nichts mit seinen Sprüchen zu tun hat.

        Atze Schröder ist wirklich vorbildlich, überhaupt keine Rampensau. Vielmehr sagt er: ,Ich möchte mich im Team wohl fühlen und dem Film dienen.‘ Das sagen zwar auch viele andere Stars – aber sie handeln nicht unbedingt danach. Atze will einen guten Film machen – er zählt nicht die Minuten, die er auf der Leinwand zu sehen ist.“

        Das bestätigt auch Atzes Kollege und Albert-Darsteller Axel Neumann: „Obermaschinist Albert ist die Seele des Bootes – und Atze ist die Seele der Mannschaft. So viel Mensch ist bei kaum einem Comedian zu finden – doch bei ihm ist das einfach da.“

        Atzes besten Freund, den Erfinder Samuel, spielt der im komischen und im dramatischen Fach erfahrene Oliver Wnuk. Dazu Unterwaldt: „Den Samuel haben wir sehr lange gecastet. Ich habe selten mit einem Schauspieler gearbeitet, der so authentisch ist wie Oliver. In Sekundenschnelle versetzt er sich in jede beliebige Situation – das ist fast gespenstisch. Mir lag sehr viel daran, den Samuel wirklich betroffen zu zeigen, weil er sich verantwortlich fühlt für die bedrohliche Situation, in die Atze gerät. Das geht ihm wirklich an die Nieren. Dabei müsste eigentlich Atze die Schuldgefühle haben! Daneben bringt Oliver durch seine ,Stromberg‘-Erfahrung sein ausgefeiltes Comedy-Timing mit. Er war in ,Der Schuh des Manitu‘ dabei, hat in ,Anatomie‘ den Mörder gespielt, zeigt also eine große schauspielerische Bandbreite. Beim Casting dauerte es nicht mehr als 30 Sekunden, bis allen Beteiligten klar war: Oliver ist Samuel. Ich würde jederzeit gern wieder mit ihm arbeiten!“
        „Oliver ist ein grandioser Schauspieler, der auch mich glänzen lässt“, freut sich Atze Schröder. „Persönlich sind wir inzwischen gute Freunde, und ich hoffe, dass wir noch oft zusammenarbeiten.“
        Die junge Schauspielerin Maria stößt unfreiwillig zum Duo Atze/Samuel – die beiden „requirieren“ sie einfach als Fahrerin des Lastwagens, den sie für ihren Coup beschlagnahmen.

        Die Rolle der Maria übernimmt die beliebte Nachwuchsdarstellerin Yvonne Catterfeld. „Maria ist eine selbstbewusste, stolze, starke junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben spielt und auch für ihre Überzeugungen kämpft und wegen ihrer Witze über die Nazis Berufsverbot bekommt“, sagt Catterfeld. „Die Rolle fordert von mir eine große Bandbreite – ich muss weiblich, aber auch männlich auftreten. Diese vielen Facetten machen sehr viel Spaß!“

        „Yvonne hatte es beim Casting sicherlich am schwersten, denn unser Konzept war ursprünglich, Atze nur mit Film erfahrenen Schauspielerkollegen zu umgeben“, sagt Unterwaldt. „Yvonne hat zu Unrecht immer noch das Image des Soap-Stars, der Sängerin, der Seiteneinsteigerin. Dabei hat sie intensiv Schauspielunterricht genommen und ist sehr ehrgeizig. Aber ich gebe zu, dass auch ich sie anfangs nicht in dieser Rolle gesehen habe.

        Die Besetzung zog sich hin – wir haben etwa 120 Schauspielerinnen vorsprechen lassen. Yvonne war bereits beim ersten Casting-Termin durchaus überzeugend – letztlich besser als alle Konkurrentinnen. Aber wir suchten trotzdem weiter und luden sie dann mehrfach zu weiteren Terminen ein, machten mit ihr Testaufnahmen in Uniform und als Mann verkleidet. Am Schluss mussten wir zugeben: Wir sollten die beste Leistung würdigen und das Image ignorieren. Weil ich immer das Ensemble im Auge behalte, haben wir Yvonne tatsächlich mit Atze und Oliver zusammen getestet, um festzustellen, dass die Chemie zwischen den dreien stimmt. Das hat sich inzwischen nicht nur auf der Leinwand bestätigt, denn Yvonne und Ollie sind seitdem auch privat ein Paar. Man spürte schon damals sofort, dass die drei sich mögen, und Yvonne zeigt als Maria eine echte Spitzenleistung – viele Leute, die sie heute noch auf Rosamunde-Pilcher-Niveau einstufen, werden große Augen machen, wenn sie ,U-900‘ sehen. Sie ist in unserem Film die Frau – und durchaus nicht das Frauchen, das nur das Beiwerk des Helden darstellt. Sie kann auch zickig sein, auf den Tisch hauen und den Männern zeigen, wo der Hammer hängt. Ich freue mich sehr, dass ihr aktuell mit der Romy-Schneider-Rolle ein weiterer großer Karrieresprung gelungen ist.“

        „Ich muss gestehen: Ich habe sie anfangs falsch eingeschätzt“, sagt Atze Schröder. „Yvonne ist vor und hinter der Kamera eine tolle Kollegin, ein echter Teufelskerl. Ich habe es selten erlebt, dass eine Kollegin beim Dreh aus dem Lkw springt, der liegen geblieben ist, und im Kostüm mithilft, ihn anzuschieben. Yvonne hat das auf Malta ganz spontan gemacht.“

        Über ihren Auftritt als Maria sagt Yvonne Catterfeld: „Ich fühlte mich an meine Kindheit erinnert, weil ich mich als Mädchen wie ein Junge verhalten, nur mit Jungs gespielt habe und oft sehr derb war. Das darf ich jetzt in manchen Szenen wieder ausleben.“

        Die größte Bedrohung für Atze an Bord von U-900 stellt der linientreue Oberleutnant von Stetten dar, der von Götz Otto („Der Morgen stirbt nie“, „Der Untergang“, „Ossi’s Eleven“) gespielt wird. „Von Stetten hat überhaupt keinen Humor“, sagt Götz Otto. „Es tut einer Komödie immer sehr gut, wenn so ein Typ mit von der Partie ist!“

        Dazu Unterwaldt: „Wir kennen uns schon eine ganze Weile und wollten gern zusammenarbeiten. Ich bin sehr froh, dass es jetzt geklappt hat, denn mir lag sehr daran, dass der Antagonist der Geschichte genau die Gefahr ausstrahlt, die in dieser Situation an Bord wichtig ist. So übt hauptsächlich die Figur von Stetten den Druck aus, von dem die Geschichte lebt. Und das macht Götz großartig.“

        Auch Jensen-Darsteller Maxwell Richter war von Götz Otto beeindruckt: „Er ist sehr professionell – daran zeigt sich eben seine internationale Dreherfahrung.“

        Sehr gefährlich für Atze wird es auch immer, wenn General Strasser auftaucht, der mit dem ehemaligen Schwarzmarkthändler ein persönliches Hühnchen zu rupfen hat. Die Rolle des zwielichtigen Generals übernimmt der renommierte Jürgen Schornagel. „Wir alle wissen: Der Gegenspieler ist genauso wichtig wie der Held“, sagt Regisseur Unterwaldt. „Ich wünschte mir für ,U-900‘ einen großen Schurken, der mit kleinen Gesten und Blicken alles auszudrücken vermag. Jürgen Schornagel verehre ich seit vielen Jahren – er ist einer der ganz großen deutschen Schauspieler. Schon beim Drehbuchschreiben habe ich Jürgen immer vor mir gesehen. Von unserer Casting-Agentur wusste ich allerdings, dass er nach etlichen Nazi-Rollen so etwas nicht mehr spielen will. Jürgen ist ein erdiger, ehrlicher Ruhrgebietstyp – er stammt aus Essen. Ich traf mich mit ihm in Berlin, und wir haben nicht viel mehr als eine halbe Stunde zusammen gesessen – da hatte ich ihn schon mit meiner Begeisterung angesteckt. Er sagte einfach: ,Weißt du, ich mach’ das – ich brauche gar nicht darüber zu schlafen. Mir gefällt, wie du die Rolle siehst, wie du den Film beschreibst. Ich sage dir jetzt sofort zu: Hier hast du meine Hand!‘ Ich freute mich natürlich riesig, weil er dem Film jene Dimension gibt, die ein Abenteuerstoff eben braucht.“

        Über den Darsteller von Strassers Adjutant Leutnant Block sagt Sven Unterwaldt: „Auch Christian Kahrmann ist durch seine Auftritte im Fernsehen, in der ,Lindenstraße‘ vorbelastet, obwohl das wirklich schon lange her ist – immer noch wird er als ,Benny Beimer‘ angesprochen. Das ist allerdings sehr ungerecht, weil er seitdem hochkarätige Rollen gespielt hat, zum Beispiel in ,Bang Boom Bang‘ oder in ,Goldene Zeiten‘. Er ist ein großes komödiantisches Talent, und wenn er richtig eingesetzt wird, zeigt er überragende Leistungen. In ,U-900‘ spielt er den typischen Nazi-Mitläufer – den Bauern in Uniform. General Strasser sucht sich bewusst einen Adjutanten aus, der keine Karriereambitionen hat. Für den ehrlichen, treuen, naiven Leutnant Block bietet der Nationalsozialismus Sicherheit, Gemeinschaftsgefühl – der General ist für ihn eine Vaterfigur. So ergeben Strasser und Block fast ein Komik-Duo, und Christian wirkt als Adjutant unglaublich überzeugend. Seine Begegnung mit dem Heiligen Gral ist wohl das Beste, was er bisher gezeigt hat. Viele Schauspieler spielen den Dummen, indem sie augenzwinkernd deutlich machen, dass das nur gespielt ist. Die Kunst besteht darin, den Dummen wie jede andere Rolle ernst zu nehmen, sodass wir glauben müssen: Der ist tatsächlich so. Genau das gelingt Christian als Block.“

        „Für mich ist Christian die große Entdeckung des Films – selten so gelacht!“, sagt Atze Schröder.
        2008 ist das Jahr, in dem die Karriere von Messerschmidt-Darsteller Maxim Mehmet einen gewaltigen Schub bekommen hat – was Sven Unterwaldt nicht verwundert, sondern seine Einschätzung des jungen Schauspielers bestätigt: „Maxim ist der Shooting Star des Jahres mit drei großen Filmrollen. Nach der sehr großen Rolle in ,Der rote Baron‘ als enger Freund des Helden war er in der Hauptrolle von ,Fleisch ist mein Gemüse‘ zu sehen. Und jetzt auch noch ,U-900‘.

        Ähnlich wie Ollie Wnuk wirkt Maxim sehr authentisch. Komödie oder Drama – diese Frage stellt sich ihm gar nicht: Er interessiert sich für die Rolle an sich, bewahrt sich dabei aber eine Leichtigkeit, die manchen seiner ähnlich ,ernsthaften‘ Kollegen fehlt. Denn ich als Regisseur muss auch Anweisungen geben können wie: ,Hier sollten wir das Comedy-Tempo etwas anziehen.‘ Das heißt, die Darsteller dürfen ihre Arbeit nicht nur aus der Rolle definieren, sondern müssen sich manchmal auch dem Gag unterordnen. Diese Mischung ist sehr schwer zu finden. Maxim hat sie, und unter anderem ist das sein Starpotenzial – ich glaube, dass er eine große Karriere vor sich hat.“

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