Mittwoch | 30. Mai 2012 | 23:28 Uhr
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    Abenteuer, Komödie | Deutschland 2008
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      • | Produktion: Der Kurs

      • Dem Filmteam stand eine ungewöhnlich lange Produktionszeit von 50 Drehtagen zur Verfügung. Insgesamt verteilten sich die zehn Drehwochen auf drei Monate, in denen die 150 Mitwirkenden durch drei europäische Länder reisten. Nur zehn Tage war das Team in Deutschland (im Münchner Bavaria-Studio und am Starnberger See) im Einsatz, dann folgten 15 Drehtage auf Malta und schließlich 25 Drehtage in den römischen Studios von Cinecittà.
        Für die real gefilmten Bombenruinen des im Krieg zerstörten Essen-Kray verwendete man in München das ehemalige Set des TV-Dauerbrenners „Marienhof“, der inzwischen in ein neues Set umgezogen ist. Vor dem Abriss dieses Originalsets wurde es vom „U-900“-Team kunstgerecht „zerbombt“ und in Essen verwandelt – eine Woche lang drehte die Crew in diesen Ruinen. Außerdem entstanden am Starnberger See bei München die Aufnahmen in und um Strassers Villa.

        „Ursprünglich hätten wir auch gern in der noch vorhandenen U-Boot-Kulisse gedreht, die damals für Wolfgang Petersens Film im Bavaria-Studio entstanden ist und unser direktes Vorbild darstellt“, sagt Unterwaldt. „Doch erstens wird das Set nach wie vor für Publikumsführungen verwendet – es wäre sehr schwierig, es fünf Wochen lang für Dreharbeiten mit Beschlag zu belegen. Und zweitens: Petersen drehte auf einem Set in der Studiohalle, das aus drei Teilen bestand und auf einer hydraulischen Plattform montiert war. Inzwischen ist es zu einem Gesamtboot draußen auf dem Studiogelände zusammengeschweißt und daher für Kamerateams nur schwer zugänglich und viel zu eng, denn es lässt sich nicht mehr auseinandernehmen.“

        Der Filmarchitekt Götz Weidner hat damals das Set des Petersen-Films im Bavaria-Studio gebaut – im Jahr 2000 wurde er als U-Boot-Experte von Produzent Dino de Laurentiis engagiert, um ein ganz ähnliches VIIC-U-Boot-Set zu bauen: für die 140-Millionen-Dollar-Produktion „U-571“ mit Matthew McConaughey. Der Film war kein Erfolg, aber das Set dieses Films steht in Cinecittà nach wie vor zur Verfügung – mit beweglichen, verschiebbaren Elementen, die für Kamerateams unabdingbar sind. Die Instrumente und der Motor funktionieren noch. Nach „U-571“ ist das Set für den TV-Film „Ghost Boat“ und den Action-Film „Submerged“ mit Steven Seagal verwendet worden.

        „Wir mussten die Armaturen für unsere Zwecke anpassen und konnten uns auch die Hydraulik nicht leisten, weil wir über kein Hollywood-Budget verfügen“, berichtet Unterwaldt. „Trotzdem haben wir uns sehr eingehend auf alle Details konzentriert – tropfende Rohre, Schüttelanlagen – um das gesamte dramatische Potenzial auszuschöpfen: Für uns war dieses Set eine wahre Goldgrube.“

        Der erfahrene Ausstatter Ari Hantke („Der neunte Tag“, „Der Stellvertreter“) leitete ein Team von hundert Mitarbeitern an, um die Innendekorationen und das in Malta ankernde Über-Wasser-Modell aus „U-571“ für die neue „Feindfahrt“ herzurichten. Dazu Hantke: „In einer Komödie sind die Inszenierung und Schauspieler lustig – aber der gesamte Rest des Teams muss umso ernsthafter arbeiten, damit das Ganze glaubwürdig im Sinne eines seriösen historischen Kriegsfilms wirkt.“

        Ganze fünf Wochen war das Team in Cinecittà im stickigen Rumpf des Boots eingepfercht. „Nichts hat mich in den letzten zehn Jahren mehr angestrengt“, stöhnt Atze Schröder. „Es war irrsinnig heiß in der engen Röhre mit den 50 Darstellern, dem Team und den Scheinwerfern. Die Stimmung war so, dass wir dachten: ,Die englischen Bomben, die laut Drehbuch von oben auf uns herabtrudeln, sind noch das geringste Problem.‘ Aber: Je anstrengender der Dreh, desto besser das Ergebnis. ,No pain, no gain‘, wie die Amerikaner sagen. Schon allein deswegen haben wir einen tollen Film gemacht.“

        Die meisten Außenaufnahmen entstanden auf der Mittelmeerinsel Malta. Unterwaldt berichtet: „Wir entschieden uns für diesen Drehort, weil wir nach langer Suche in allen Mittelmeerhäfen von Kroatien bis Spanien auf Malta ein Hafengelände fanden, das dem Hafen von Toulon im Jahr 1944 entspricht: Alle heutigen Häfen sehen viel zu nett und ansprechend aus. Denn Toulon war durchaus kein pittoresker Hafen, sondern ein heruntergekommener Industriehafen mit vielen Werften – in Toulon haben die Franzosen ihre eigene Flotte versenkt, damit sie den Deutschen nicht in die Hände fiel. Nur auf Malta gibt es noch ein Werftgelände mit den alten Kränen und Docks, die den Bildern des damaligen Toulon entsprechen – wir mussten sie allerdings mit etlichen Ausstattungselementen ergänzen.“

        Und der Regisseur fährt fort: „Der zweite wichtige Grund für den Dreh auf Malta: Dort liegt nach wie vor die Über-Wasser-Version des Boots aus „U-571“. Dieses Boot schwimmt wie ein Ponton auf dem Wasser und entspricht in den Dimensionen genau den 67 Metern des Typs VIIC und damit der Innendekoration in Cinecittà. Es ist seetüchtig und lässt sich von einem Techniker manövrieren, der im Aufbau verborgen ist.“

        Atze Schröder erinnert sich: „Als ich vor Malta im Baströckchen oben auf dem Außendeck des Boots tanzte, lief gerade das Kreuzfahrtschiff Aida in den Hafen von Valletta ein. Alle Passagiere samt Besatzung schauten mir zu, und die staunten nicht schlecht, als ich dann spaßeshalber die Bordkanone auf sie richtete… In Malta haben wir auch eine Szene gedreht, um speziell die Frauen ins Kino zu locken: 40 Mannschaftsmitglieder springen splitternackt ins Wasser, wobei wir all die Ärsche besonders abschwenken!“

        Für diesen Schwenk wie für alle restlichen Aufnahmen zeichnet Kameramann Stephan Schuh verantwortlich, mit dem Regisseur Unterwaldt besonders gern zusammenarbeitet: „Stephan hat ein unglaubliches visuelles Gespür. Wer Bully Herbigs ,Der Schuh des Manitu‘ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ sieht, merkt sofort, dass Stephan als Kameramann absolut amerikanisch denkt – das ist ein Look, der mir sehr gefällt.“

        Schuh ergänzt: „Wir haben den Ehrgeiz, an das Original-,Boot‘ heranzureichen, ohne es zu kopieren, sodass wir uns also jede Menge Freiheiten nehmen können. In der engen Blechröhre ist man aber bei der Lichtsetzung sehr eingeschränkt. Doch wenn man so minimalistisch arbeiten muss, findet man oft auch sehr hübsche Lösungen für die Probleme. Kameramann Jost Vacano hat damals in ,Das Boot‘ Großartiges geleistet – in Bezug auf U-Boote hat das seither niemand erreicht. Bei manchen Szenen frage ich mich, wie er das gemacht hat, und einiges haben wir auf unserem Boot dann ,nachgespielt‘.“

        Wegen der großen Enge drehte Schuh zwei Drittel des Films mit der Handkamera – sogar die sonst häufig eingesetzte Steadicam war an diesem Set zu sperrig. „Vacanos Team hat in der Bavaria ohne Ton gedreht. Doch bei einer Komödie ist es sehr wichtig, Originalton zu verwenden, weil sonst der spontane Comedy-Effekt durch die Nachsynchronisation leiden würde. Dadurch ist der Dreh auch kameratechnisch schwieriger, weil wir keine Kameras verwenden können, die Lärm machen.“

        Zum authentischen Look des Boots gehören entsprechende Original-Uniformen, die in der Verantwortung der erfahrenen Kostümbildnerin Monika Jacobs („Lola rennt“, „Der Krieger und die Kaiserin“, „Die Luftbrücke“) lagen. Sie erzählt: „,U-900‘ war für uns eine echte Herausforderung, weil man zunächst glauben könnte, dass alle Uniformen gleich aussehen. Wir hatten aber den Ehrgeiz, den einzelnen Darstellern trotzdem ein individuelles Aussehen zu geben. Anhand von Lothar-Günther Buchheims Fotos, die das Leben an Bord des U-Boots zeigen, können wir belegen, dass der Uniform-Zwang unter den Seeleuten sehr lax ausgelegt wurde – sie sahen oft eher so aus wie bei Oma am Kaffeetisch. Es ist also durchaus möglich, dass der eine einen Pulli, der andere ein kariertes Hemd, der dritte eine Afrika-Uniform trägt. Gerade in Komödien muss man auf historische Exaktheit achten, bis hin zu den U-Boot-Päckchen (der Grundausrüstung für die Mannschaft an Bord).“

        Weil die Schauspieler sowohl auf dem Studio-Set als auch auf See vor Malta damit rechnen mussten, nass zu werden, musste Jacobs’ Team nicht nur für die Hauptdarsteller, sondern auch für die Komparsen jeweils drei oder sogar vier identische Kostüm-Sets vorhalten, damit bei einer Szenenwiederholung ausreichend trockene Kleidung zur Verfügung stand. Das erforderte eine komplizierte, aufwändige Logistik, denn auf See mussten Darsteller und Team ständig zwischen dem Motiv (der U-Boot-Attrappe) und der Produktionsbasis auf einem Transportschiff mit Motorbooten hin- und hermanövrieren – und sei es nur, um die Toilette zu benutzen.

        Trotz des sommerlichen Wetters und der glatten See wurden etliche Team-Mitglieder seekrank (was sich meist mit Tabletten beheben ließ). Aber auch schwere Erkältungen und Verletzungen durch Flaschendeckel, die durch den Druck in der Cola-Flasche zu gefährlichen Geschossen wurden, führten zu tagelangen Ausfällen im Team. Maxim Mehmet brach sich daheim in Deutschland den Arm und musste den Gips beim Dreh vor der Kamera verstecken.

        Die Münchner Trickschmiede Scanline hat sich mit den visuellen Effekten zu Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“, aber auch mit Wassereffekten in internationalen Filmen wie „Poseidon“ und „300“ profiliert. Zu „U-900“ steuert das Team unter anderem das zerbombte Essen-Kray und das New York von 1944 bei. Auch die Unterwassersequenzen in der Meerenge von Gibraltar stammen aus den Scanline-Rechnern.

        Um die aufwändig gestalteten Bildpanoramen in „U-900“ angemessen zu untermalen, engagierten die Filmemacher ein 70 Mann starkes Symphonieorchester, wie Unterwaldt berichtet: „So bekommen wir 90 Minuten lang einen großen klassischen Score von Karim Sebastian Elias, der für mich schon die Musik zu ,Siegfried‘ geschrieben hat. Dadurch werden die großen Filmbilder um eine weitere entscheidende Dimension ergänzt und erweitert.“

        Dustin Semmelrogge sagt abschließend: „Mein Vater hat im ,Boot‘ mitgewirkt, und ich habe schon im Kindergarten Szenen daraus mit meinen Freunden nachgespielt – ich bin damit aufgewachsen, und schon deshalb lag mir ,U-900‘ am Herzen – es ist eines der schönsten Projekte, an denen ich bisher mitgewirkt habe.“

        Yvonne Catterfield erzählt dazu: „Ich bin richtig traurig, dass die Dreharbeiten vorbei sind – das habe ich bei der Arbeit nur sehr selten erlebt.“ Und über den Film sagt sie: „Das Publikum lacht und weint mit den Figuren, es bangt um sie, denn die Story ist sehr dramatisch. Eine Komödie setzt Wahrheit und Schmerz voraus – eine gute Komödie ist im Grunde auch eine Tragödie. Humor ist also eine Überhöhung der Wahrheit. Die komischen, überhöhten Elemente unserer Geschichte sind auch eine erzählte Wahrheit. Sie entstehen dabei nicht aus den Gags, sondern aus der Situation, aus der Konstellation der Figuren. Dadurch funktioniert die Story so gut.“ Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Die Zuschauer dürfen sich auf den schönsten Damenbart der Filmgeschichte freuen!“
        Und Atze Schröder weiß: „Comedy hat viel mit Herz zu tun – das ist ein Ratschlag von Rudi Carrell, der mich sehr gefördert hat. Den Ratschlag habe ich immer beherzigt. Ob ,U-900‘ eine Botschaft hat? Ja: Dies ist ein U-Boot-Film. Wir tauchen auf 210 Meter: Tiefer kann eine Botschaft nicht sein.“

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