Kurz gesagt, ist es die Geschichte von fünf libanesischen Frauen, fünf Freundinnen aus verschiedenen Altersgruppen, die sich in einem Schönheitssalon in Beirut treffen oder dort arbeiten. In dieser typisch weiblichen Welt helfen sich die Frauen – die trotz der westlichen Einflüsse unter der Heuchelei des orientalischen Systems leiden – bei ihren Problemen. Diese betreffen die Beziehungen zu Männern, die Liebe, die Ehe oder den Sex... Heutzutage gilt der Libanon, zumindest in diesem Teil der Welt, als Beispiel für eine offene, freie und emanzipierte Gesellschaft. Aber das stimmt nicht immer. Hinter der Fassade sind wir immer noch vielen Begrenzungen unterworfen, der ständigen Angst vor dem kritischen Blick der anderen und ihrem Urteil über uns. Deswegen lassen sich libanesische Frauen von ihren Gewissensbissen und Schuldgefühlen beinahe auffressen. Im Haar- und Beautysalon aber fühlen sich meine Heldinnen sicher. Das ist ein Ort an dem man sie, auch wenn man sie dort von einem sehr intimen Winkel aus betrachtet, nie verurteilt. Die Frau, die uns die Haare entfernt, sieht uns nackt, im eigentlichen Sinn des Wortes. Denn das ist der Moment, in dem wir uns nicht verstellen können. Und dann, langsam aber sicher, fangen wir an, uns über unser Leben, unsere Ängste, Pläne, Liebesaffären usw. zu erzählen.
Was bedeutet der Titel CARAMEL?
Er bezieht sich auf ein im Nahen Osten sehr gebräuchliches Produkt zur Haarentfernung, eine Mischung aus Zucker, Zitronensaft und Wasser, das man kochen muss, bis es sich in Karamell verwandelt. Diese Mischung wird zum Abkühlen über eine Marmorplatte verteilt. So verwandelt es sich in einen zähen Brei, den man dazu verwendet, unerwünschte Körperbehaarung zu entfernen.
Aber in CARAMEL steckt auch die Idee von Zucker und Salz, süß und sauer, von leckerem Zucker, der brennen und dich verletzen kann.
Es war sicherlich nicht einfach, beim Debütfilm Regie zu führen und gleichzeitig auch zu spielen?
Ich gestehe, dass ich deswegen lange Bedenken hatte. Der Gedanke, selbst zu spielen, hat mich sehr gereizt. Aber ich hatte Angst, es würde dem Film nicht gut tun. Glücklicherweise habe ich es riskiert, weil es mir erlaubte, manche Szenen sozusagen von innen heraus zu inszenieren. Nachdem die Schauspielerinnen Laien waren, konnte ich den Film am besten voranbringen, indem ich ihnen so nah wie möglich war. Besonders, nachdem ich ihnen keine Dialoge zum Einstudieren gegeben hatte, damit sie alle ihre jeweils eigene Art zu sprechen beibehalten.
Ist CARAMEL ein politischer Film?
Es war nicht meine Absicht, als ich das Drehbuch geschrieben habe. Aber jetzt, nach den ganzen Ereignissen der letzten Zeit, würde ich sagen, ja. Im Libanon ist alles zu einer politischen Aktion geworden. Politik schleicht sich bis in die letzten Winkel unseres Privatlebens ein! Ich dachte, ich könnte mich davon fernhalten, aber die Realität des Krieges hat mich leider eingeholt. Heute, mit all diesen Spannungen, die im Land herrschen, enthält CARAMEL dennoch eine Botschaft: Auch wenn der Krieg die Unterschiede zwischen den Religionen wieder geschürt hat – tatsächlich ist doch ein friedliches Zusammenleben der natürliche Umgang miteinander. Und so sollten wir auch leben.