| Anmerkungen der Produzentin Anne-Dominique Toussai
Im Oktober 2003 stellte ich auf dem Filmfestival in Beirut Emanuele Crialeses RESPIRO vor, den ich koproduziert hatte. Nach der Vorführung stellte man mir Nadine Labaki vor, die im Libanon wegen ihrer Werbespots und Musikvideos für einige arabische Sänger sehr bekannt ist. Wir sprachen nur etwa zehn Minuten miteinander, aber in dieser sehr kurzen Zeit gelang es Nadine, mir mit einer fast schon beunruhigenden Aufrichtigkeit zu erklären, wie wichtig das Kino für sie ist. Ich schlug ihr vor, dass wir in Kontakt bleiben könnten und ich gerne als Ratgeber für ein Projekt fungieren würde. Einen Monat später, als ich mich nach ihren aktuellen Plänen erkundigte, antwortete sie mir, dass sie gerade eine Idee ausarbeite. Ein paar Tage danach trafen die ersten Seiten des Drehbuchs zu CARAMEL bei mir ein...
Ich riet Nadine, sich bei der Cannes Festival Résidence zu bewerben, ein Ort, der jungen Regisseuren die besten Bedingungen bietet, ihr erstes Drehbuch in Paris zu schreiben. Nadine wurde aus über hundert Bewerbern ausgewählt! Im Oktober 2004 schrieb sie sich bei der Résidence ein, und nur sechs Monate danach gab sie mir schon ihr Drehbuch. Die Anmut ihrer Geschichte hat mich sehr berührt, und ich fühlte, wie sich meine Entscheidung verfestigte, diesen Film produzieren zu wollen. Um libanesische Partner dafür zu suchen, machte ich mich im August auf den Weg nach Beirut. Dort hatte sich allerdings nach dem Frühling 2005 und dem Abzug der syrischen Truppen sehr unerwartet einiges geändert. Ich konnte keinen Koproduzenten finden. Aber ich fand Sadek Sabbah, einen begeisterten Verleiher, und die Aussicht auf eine passende Finanzierung vor Ort. Schnell entschloss ich mich, meine eigene Produktionsfirma zu gründen, Les Films de Beyrouth.
Von diesem Augenblick an reiste ich jeden Monat in den Libanon. Mit einem Assistenten und einem Production Manager aus Frankreich erstellten wir einen Produktionsplan für den Film. Wichtig war dabei besonders, dass die gesamte künstlerische Seite des Films (Kamera, Sets, Kostüme, Musik) unbedingt libanesisch sein sollte. Als wir das Budget für die Dreharbeiten zusammen hatten, hatte ich das Gefühl, es wäre am besten, ohne Pause gleich anzufangen. Am 20. Mai 2006 legten wir los, und am 2. Juli waren wir fertig. Das Ende des Drehs feierten wir mit einer unvergesslichen Party voller Lachen und mit neuen Freunden, am Tag des Fußball-WM-Spiels Frankreich-Brasilien. Eine Woche später fielen Bomben auf Beirut!
Der Film wurde in diesem Frühjahr für die Nebenreihe „Quinzaine des Réalisateurs“ des Filmfestivals in Cannes ausgewählt. Gezeigt wurde er dort ausgerechnet am 20. Mai, also exakt ein Jahr nach dem ersten Drehtag. Die erste Vorführung in Beirut fand in Anwesenheit der gesamten Crew und aller Darsteller statt. Für uns alle war CARAMEL von Anfang bis Ende ein unglaubliches Abenteuer. Die Verbundenheit, die er zwischen uns geschaffen hat, geht weit über die eines anderen Films hinaus. Die Zeitgeschichte hat sich mit unseren persönlichen Geschichten und der Geschichte dieses Films vermischt.
Persönlich bin ich besonders stolz auf CARAMEL. Stolz darauf, eine Verbindung geschaffen zu haben zwischen dem Namen Beirut und diesen Bildern voller Licht und Leben.