Donnerstag | 31. Mai 2012 | 03:44 Uhr
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    Thriller, Drama | Deutschland / Italien 2008
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      • | Interview Gian-Piero Ringel (Produzent)

      • Wie würden Sie den Film beschreiben?

        Ein sehr mutiger, radikaler, authentischer Wenders, der polarisieren wird. Eine musikintensive, abenteuerliche Reise in eine der aufregendsten Städte Europas. Diesem Film kann man unmöglich gleichgültig gegenüber stehen!


        Reiseführer warnen davor, in Palermo ungefragt Photos zu machen – Sie drehen gleich einen ganzen Film dort: Welche Hindernisse gibt es dort zu überwinden?

        Den großen Charme Palermos machen vor allem die verwinkelten Gassen der immens großen Altstadt aus. Das bringt ganz alltägliche Schwierigkeiten mit sich, die man in fast allen südeuropäischen Großstädten antrifft: Verkehr, Stau, Abgase, Lärm. Daraus resultieren dann viele praktische Fragen: Wie bewege ich den Filmtross durch die Stadt? Woher bekomme ich eine Vespa? Was tue ich, wenn sie am nächsten Morgen nicht mehr vor meiner Tür steht? Sind Mafia und Schutzgelder nur ein sizilianisches Klischee? Oder wie weit muss man sich da vorab ‚arrangieren’? Abseits des Klischees muss man sich professionell damit auseinandersetzen. Beginnend mit der Erzählebene: Muss die Mafia eine Rolle spielen in unserer Geschichte in Palermo? Welche Erwartungen hat der Zuschauer und wie gehen wir damit um? Danach kann man sich über Kriminalität und Sicherheit Gedanken machen, aber ich frage auch nicht die Russenmafia, ob ich in Berlin drehen darf. Jedoch ist man gut beraten, sich mit den Bewohnern der Stadt zu verständigen, bevor man mit 40 Mann vor ihrer Haustür kampiert.


        Wie groß ist der Respekt eines jungen Produzenten vor dem erfahrenen Regisseur?

        Groß. Alles andere wäre gelogen. Jedoch nicht nur aufgrund seines Ruhmes, der DVD-Box in meinem Schrank oder der goldenen Palme, sondern aufgrund dessen wie er arbeitet, was er leistet. Der Mann ist unglaublich reflektiert, effizient und hat im Normalfall einfach doppelt so viel Energie wie ich. Ich erfahre von seiner Seite auch großen Respekt und großes Vertrauen. Das ist toll und macht so ein Projekt mit einem altem Hasen und einem jungen Hund überhaupt erst möglich.


        Wie schwierig ist die Finanzierung für ein Wenders-Projekt?

        Erst unmöglich. Dann ganz einfach, um dann wieder unmöglich zu werden. In jedem Fall komplex. Es dauerte an sich erstmal sechs Jahre bis die eigentliche Finanzierung losging, um sie dann in drei Monaten stemmen zu müssen. Wir sind da mit dem hohen eigenen Druck rein gegangen, kurzfristig drehen zu müssen. Das hat dann viele Entscheidungen – teils schweren Herzens – vereinfacht. Im Endeffekt habe ich nur ein paar graue Haare bekommen. Dafür wurden aber aus manchen Geschäftspartnern Freunde.


        Wie teuer sind die Musikrechte an den zahlreichen Songs – oder gab es einen Friends&Family-Rabatt?

        Natürlich war das Musikbudget viel zu klein, nämlich anfangs 50.000 €. Niemand hat mit über 20 Songs, unter anderem von Portishead, Grinderman und Calexico gerechnet. Ich zumindest nicht. Dann mussten wir nachfinanzieren und es gab eigentlich teure Freunde, die uns sehr entgegengekommen sind. Die meisten waren von PALERMO SHOOTING und Wim so begeistert, dass es nicht wirklich ums Geld ging. Wichtig ist dabei auch, wie gut man beraten wird und wie man eine transparente, gerechte Gagenpolitik vermitteln kann.


        Welche Rolle spielt die digitale Bearbeitung?

        Die digitale Bildbearbeitung ist ein Ausdrucksmittel von Finns Kreativität. Die Manipulation seiner Bilder begründet seinen Erfolg. In Palermo ändert sich seine Haltung. Nicht nur zur Bildbearbeitung und zur Photographie an sich, sondern auch zu sich selbst, zum Leben. Das wirkt sich natürlich auch auf den konkreten, digital bearbeiteten Look des Films aus. Die Entwicklung Finns ist also nicht nur in Franz Lustigs fantastischen Bilder spürbar, sondern auch in der gesamten digitalen Bearbeitung. Man könnte also sagen: die digital Bearbeitung geht in diesem Film weit über die Grenzen bloßer Gestaltung hinaus.

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