Von Anfang an haben die Underworld-Filme sich durch einen sehr einzigartigen visuellen Stil ausgezeichnet, der sich in jedem Aspekt des Films bemerkbar macht – von der Garderobe über die Sets bis hin zur Kameraarbeit. In UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER wollten die Filmemacher dieses Markenzeichen der Serie neu erfinden und haben kleinere und größere Neuerungen eingeführt, die das epische Ausmaß des Films reflektieren.
Nachdem sie ursprünglich Rumänien – traditionell das Heimatland der Vampire – als Drehort in Betracht gezogen hatten, entschlossen sich die Filmemacher doch, in Neuseeland zu drehen. Das Land ist nicht zuletzt durch die Lord of the Rings-Trilogie international für seine Dreharbeiten-freundliche Infrastruktur bekannt. Die atemberaubenden Landschaften und satten grünen Wälder Neuseelands boten die perfekte Kulisse. „Meine erste Reaktion auf den Drehort Neuseeland war, dass es dort einfach zu schön wäre“, erinnert sich Tatopoulos. „Es ist einfach zu umwerfend, zu grün. Man kann dort einfach nichts Böses in Szene setzen. Aber auf unserer ersten Besichtigungsreise sahen wir Woodhill Forest, der aussah wie ein toter Wald. Von da ab wusste ich: Hier ist es großartig.“
Anstatt das entsättigte Blau und die dunklen, grüblerischen Innenschauplätze der ersten beiden Underworld-Filme wiederzubeleben, brachte der Chefkameramann Ross Emery eine neue Tiefe in den visuellen Stil. Weil die Geschichte in lange vergangenen Zeiten spielt, wurden die mysteriösen Cyanblau-Töne überlagert von einem messingartigen, polierten Look, der dem dritten Teil nun die Anmutung eines Historienfilms verleiht. „Die ersten beiden Teile hatten eine sehr moderne Ausstattung wie zum Beispiel fluoreszierendes Licht“, sagt Emery. „In unserer Welt aber spielen eher Kerzen, Feuerstellen und Mondlicht eine Rolle. Das gibt ein sehr viel wärmeres Licht. Wir haben uns darum für Gelb- und Messingtöne entschieden und durch das Moos und die Farne der Außenschauplätze ein bisschen Grün eingebaut.“
Darüber hinaus bewegt sich die Geschichte erstmals ins Tageslicht. Das ist ein wichtiger narrativer Punkt, so Produzent Wright: „Lucians Figur unterzieht sich in diesem Film massiven Wandlungen. Eine davon ist, endlich aus dem Schloss herauszukommen und aus der Dominanz der Nacht zu flüchten. Als er hinaus in die Welt geht und das Grün und den blauen Himmel sieht ist das ein großer Moment. Plötzlich kommt Farbe in die Welt.“
UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER ist der erste Film der Reihe, der in High Definition gedreht wurde. „Für diese Art Film ist HD einfach perfekt“, sagt Emery. „Es ist ein sehr dunkler Film, denn die Vampire kommen nur nachts heraus. Wir hatten nur ein paar Wochen Außenaufnahmen für den ganzen Film. Unter diesen Umständen kann man mit HD wunderbar arbeiten.“
HD erlaubte es Emery außerdem, die Geschwindigkeit der Action in den Kampfszenen zu manipulieren und die Auftritte der Werwölfe leicht zu verbessern. „Wir haben herausgefunden, dass die Werwölfe sehr viel bedrohlicher und gewalttätiger wirken, wenn wir sie mit einem 45-Grad-Verschluss filmen. Alle ihre Bewegengen sehen dann viel schärfer und aggressiver aus“, erläutert er.
„Ich liebe HD, denn man kann schon am Set sehen, wie der Film schließlich aussehen wird“, fährt Emery fort. „Man muss sich nicht vorstellen, wie es aussehen könnte, wenn man das Material bearbeitet hat. Für einen visuellen Menschen wie Patrick ist es fantastisch, denn er konnte schon auf den Monitoren sehen, wie der Film auf der Leinwand wirken würde. Das war ein tolles Werkzeug für alle in der Crew, denn wir konnten dadurch gleich kleine Verbesserungen vornehmen.“
Emery schreibt es dem Art Department zu, dass sein Job bei dieser Produktion einfacher war. „Bei diesen Sets musste ich einfach nur zur Arbeit kommen und das Licht anschalten“, sagt er. „Sie waren so wunderbar detailliert … die Künstler, die Handwerker, die Ausstatter haben alle fantastische Arbeit geleistet. Es macht meinen Job um so vieles leichter, wenn ich an einen Set komme und alles fantastisch aussieht – egal, wo ich meine Kamera positioniere.“
Der Produktionsdesigner Dan Hennah, Academy-Award®-ausgezeichnet für seine Arbeit als Art Director der Lord of the Rings-Trilogie, sagt: „Einer der Vorteile dieses Jobs war es, dass wir mit einem sehr visuell denkenden Regisseur arbeiten durften. Patrick kommt vom Produktionsdesign und aus dem Bereich der Special Effects. Er hatte genau vor Augen, was er wollte, und das ist immer sehr hilfreich.“
Tatopoulos bestand darauf, dass der Film die gotischen visuellen Konventionen des Vampirfilm-Genres vermeiden sollte. „Der Film spielt in einer vor-gotischen Zeit“, sagt Hennah. „Die größten Inspirationsquellen waren die georgische Architektur, die Stein-Architektur der russischen Grenzgebiete und byzantinisch-türkische Einflüsse. Ich finde, es sieht aus wie eine Opiumhöhle aus Stein.“
Tatopoulos wollte, dass der Hauptschauplatz – das Schloss – aus einer einzigen massiven Struktur besteht, die aus dem Stein herausgehauen wurde und bedrohlich über den Figuren thront. Das Gebäude selbst wurde durch computergenerierte Bilder erschaffen, aber das Team baute vor Ort die Innenhofmauern des Schlosses sowie die Fassade auf, wo sich die meiste Action abspielt. Die Bauarbeiten nahmen acht Wochen in einer gewaltigen Lagerhalle in Auckland in Anspruch und hunderte von Zimmerleuten, Malern und Maurern wurden dafür eingestellt.
„Es wirkt sehr wie eine Welt im Untergrund“, erläutert Hennah. „Das Konzept sah vor, dass die Vampire ein altes Schloss oder ein Kloster, das aus dem Stein gehauen wurde, übernommen haben und dass sie es zu ihren Zwecken umgebaut haben. Darum auch die vielen Sklaven und Baustellen.“
Das Tor des Schlosses ist geschmückt mit Schädeln – ein Tribut an den altertümlichen Brauch, nach dem man die abgeschlagenen Köpfe der Gegner zur Abschreckung seiner Feinde und anderer Verbrecher zur Schau stellte. Das Schädelmotiv ist auch in den Stein über dem Innenhof gemeißelt, zusammen mit Ornamenten, die an russisch-georgische und keltische Symbole erinnern.
Aber Hennahs meisterlichste Kreation ist die Gruft, ein imposanter, runder Raum, der so bemalt wurde als sei er mit zahllosen goldenen, gelben, grünen und roten Mosaiken ausgestattet. „Wenn dieser Raum nicht akkurat bemalt worden wäre, wäre er nicht glaubwürdig“, sagt Tatopoulos. „Die Endausstattung dieses Sets war von einer unglaublichen Perfektion.“
Auch die Kostüme haben für den visuellen Stil der Underworld-Serie stets eine Schlüsselrolle gespielt. Für UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER haben die Designer auch hier einen neuen, einzigartigen Look geschaffen. Die Filmemacher brauchten für Sonja etwas Kriegerisches, das dennoch sexy und für die Actionszenen praktisch sein sollte. Wendy Partridge, die die Kostüme der ersten beiden Underworld-Filme entworfen hatte, produzierte ein Kostüm mit oberschenkelhohen Stiefeln, einem Lederkorsett und einer Rüstung mit Kettenpanzer für die Kampfszenen.
„Ich weiß nicht, ob man so etwas vorher schon einmal gesehen hat“, sagt Rhona Mitra. „Es ist einfach eine Klasse für sich, was die Kostüme betrifft. Wie kann man so unglaublich maskulin, aber gleichzeitig wirklich keck aussehen? Das ist mir ein Rätsel. Es war ein Albtraum, das Kostüm anzulegen, aber ich finde, das war es Wert. Jedes Mal, wenn ich aus meinem Wohnwagen trat, hatte ich das Gefühl: ,Jawohl, ich bin diese Figur!‘“
Die Designerin Jane Holland entwarf die Kostüme für den Rest des Ensembles. Für sie war die Zusammenarbeit mit Patrick Tatopoulos ein Highlight ihrer Karriere. „Er wusste immer ganz genau, in welche Richtung wir mit unseren visuellen Stilmitteln gehen wollten“, sagt sie. „Er war in der Lage, seine Ideen klar auszudrücken und er kann schnell und wunderbar zeichnen. Er hat ganz offensichtlich klare Bilder in seinem Kopf, aber er war offen für alles, was wir ihm angeboten haben.“
„Wir haben sehr viele handgearbeitete Dinge entworfen, sehr viel mit Leder und Metall gearbeitet, haben viel geschneidert und dann einzeln fertig gestellt“, fährt sie fort. „Es war sehr aufregend, so zu arbeiten – und es war besonders großartig, dass jemand die kleinen Details so zu würdigen weiß.“
Nachdem sie sich mit Tatopoulos beraten hatte, fertigte Holland ein Konzept an, das mittelalterliche Geschichte mit purer Fantasie verbindet. Für die Mitglieder des Rats der Vampire schuf sie opulente, beinahe dekadente Designs in schweren Stoffen wie Samt, die versklavten Lykaner dagegen kleidete sie in Leder und die Menschen trugen Kostüme aus Sackleinen.
„Patricks Vorstellung von den Vampiren war, dass sie sehr geschmeidig und schmal sind, damit sie sich schnell bewegen können“, erläutert Holland. „Mit dieser Silhouette habe ich dann gearbeitet. Ihre Kostüme wirkten schließlich dann auch wie maßgeschneidert. Weil der Film zum größten Teil nachts und in einer dunklen Farbumgebung spielt, haben wir auch schwarze und sehr dunkle Farben bei der Garderobe benutzt. Wir haben Leder verwendet und andere Gewebe, die das Licht einfangen.“
Die vier Kostüme von Viktor bestanden vor allem aus seiner charakteristischen Kleidung, einem langen, Gehrock-artigen Mantel aus Kaschmir mit kunstvoll bestickten Kragen, Bündchen und Saum. Er trägt außerdem eine lederartige Weste, einen Wappenrock und einen Rock, seine verzierte Rüstung und einen Schädel-Helm.
Lucian und die anderen Sklaven wurden in schäbiges und gealtertes Leder gekleidet, das aussah wie eine zweite Haut. Es war außerdem flexibel genug, damit Michael Sheen sich bei den anspruchsvollen Kampfszenen angemessen und so ausholend wie möglich bewegen konnte.
„Sie nehmen dir eine Menge Arbeit ab“, gibt Steven Mackintosh über die Kostüme zu Protokoll. „Wenn man in diesen Kleidern an den Set kommt und dort in einer gewaltigen Halle steht oder in einem Hof voller brennender Fackeln, mit Toren, Fallgittern, Folterkammern und Kerkern, macht es das visuelle Element des Films schlichtweg fantastisch. Ich beschreibe mein Kostüm gern als Mischung aus Richard Löwenherz und Black Sabbath, was es meiner Meinung nach genau auf den Punkt bringt: Es ist mittelalterlich, aber es ist auch Rock’n’Roll.“
Es gibt in UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER etliche intensive, hoch rasante Actionszenen, darunter ein Duell zwischen zwei mächtigen Vampiren, eine blutige Begegnung zwischen einem Death Dealer und Werwölfen und die epische Schlacht zwischen den Lykanern und den Vampiren, die in einem finalen Kampf zwischen Viktor und Lucian mündet.
Um die Schauspieler gebührend auf die Herausforderungen vorzubereiten, denen sie sich bei den Actionszenen des Films stellen mussten, trainierten sie vor und während der Produktion intensiv mit dem Stuntkoordinator Allan Poppleton. Michael Sheen verbrachte mehrere Wochen damit, sich auf seine Rolle vorzubereiten. „Ich liebe Schwertkämpfe und dieses Zeug, also nutzte ich hier die Gelegenheit dafür ausgiebig“, sagt er. „Ich betrachte mich selbst als sehr körperlichen Schauspieler und ich bringe so viel ich kann in eine Rolle ein. Darum trage ich in bestimmten Szenen des Films auch nicht allzu viel, also war es umso besser, wenn ich in der Kälte viel herumspringen konnte.“
Der Kampf zwischen Viktor und Sonja wurde im Set des Schloss-Innenhofs gefilmt, während eine Regenmaschine einen tobenden Sturm simulierte. „Wir haben fast eine Woche damit zugebracht, im strömenden Regen und mit diesen Kontaktlinsen unserer Charaktere mit Schwertern auf uns einzuhauen“, sagt Mitra. „Jedes Mal, wenn wir hochschauten, bekamen wir Wasser in die Augen, und die Kontaktlinsen schwammen uns davon.“
„Es war ziemlich schwer, mein Kostüm in diesem Regen zu tragen“, fährt sie fort. „Der Kettenpanzer war an meinen Armen wie eine Käsereibe. Ich war völlig durchgeweicht und nass und sah wie eine ertrunkene Ratte aus – aber ich sollte sexy und ritterlich wirken.“
Tatopoulos beschreibt die finale Schlacht als Kampf zwischen zwei Clans, bei dem es um alles oder nichts geht und die Kämpfer willens sind, für ihre Sache in den Tod zu gehen. Eine Kombination aus animatronischen Kreaturen, echten Darstellern und CGI erweckte das Schlachtfeld mit Lykanern und Werwölfen zum Leben und schuf einen albtraumhaften Showdown zwischen den überlegenen Waffen der Vampire und der angeborenen Wildheit der Werwölfe.
Weil er selbst schon viele Kreaturen designt hatte, arbeitete Tatopoulos so oft es geht mit animatronischen Apparaten und benutzte CGI dann, um deren Wirkung zu erhöhen. „Es war eine echte Herausforderung“, sagt der Regisseur. „Wir mussten in dieser Schlacht eine Unermesslichkeit darstellen, hatten am Set aber nur vier Lykaner und vier Werwölfe zur Verfügung. Nur zwei dieser Typen waren mechanisch, das heißt: Nur die beiden konnten sich in der Aufnahme auch bewegen.“
„Ich habe dann die Aufnahmen um die Kreaturen, die man bewegen konnte, herumkonstruiert“, sagt Tatopoulos. „Ich bin ein großer Verfechter der mechanischen Kreaturen, aber man muss einfach ein bisschen Platz für die CGIs um sie herum lassen, die letzten Endes besser kontrollierbar sind. Ich glaube, wir haben die richtige Balance gefunden.“