„Sebastian Niemann wollte schon lange einen modernen Film im Stil der klassischen Screwball-Komödien mit Doris Day, Rock Hudson, Cary Grant und Tony Randall drehen“, sagt Produzent Christian Becker („Die Welle“, „Hui Buh – Das Schlossgespenst“). „Schon 1999 sprachen wir erstmals darüber; ich fand die Idee sofort wunderbar. Wir dachten dabei an berühmte Vorbilder wie ,Bettgeflüster‘, ‚Ein Hauch von Nerz‘, ,Schick mir keine Blumen‘ und ,Pyjama für zwei‘.“
„Natürlich kann man nicht einfach einen Film machen wie früher. Wir leben in einer anderen Zeit, und man braucht völlig neue Ansätze. Aber ich wollte dieses Gefühl erzeugen und dem Film diesen bestimmten Charme geben. Ich sagte zu Christian: Der Film soll sich so anfühlen, als würde man mit einem Drink an der Bar stehen und einen Dean-Martin-Song hören“, sagt Regisseur Niemann, der vor zwei Jahren mit „Hui Buh – Das Schlossgespenst“ einen großen Komödienerfolg feierte. „Ich lief lange mit der Grundidee herum und überlegte: Wie mache ich daraus eine moderne romantische Komödie? Auf Jamaika, wo ich Verwandtschaft habe, kam dann der entscheidende Impuls. Genauer gesagt: Ich traf auf Tonis reales Vorbild. Dort lernte ich einen jungen Mann namens Anthony kennen (deswegen heißt unsere Hauptfigur Toni). Ein sympathischer Typ, sehr nett, sehr charmant, der mir abends beim Bier ganz nebenbei und selbstverständlich erzählte, er sei Killer. Ich glaubte ihm im ersten Moment nicht und sagte ‚Alles klar! Und was machst du wirklich?‘ Aber er versicherte: ‚Ich arbeite für das Militär und erschieße Dealer!‘ Ich fragte: ,Ist das nicht irgendwie „bad Karma“ oder… verboten?‘ Darauf er: ,Nicht, wenn ich vorher „Freeze, stehen bleiben!“ rufe und sie trotzdem weiterlaufen.‘ Die Geschichte ist in der Realität natürlich nicht so lustig, aber Anthony brachte mich auf die Idee: Das ist es doch – eine romantische Komödie mit einem Profikiller als Hauptfigur! Ansonsten hat unser Toni natürlich nicht viel mit seinem realen Vorbild gemein.“
„Ich hab lange an dem Treatment gearbeitet“, fährt Niemann fort. „Denn der Film sollte sehr turbulent, ,screwballig‘ und voller Ideen sein. Später kam Drehbuchautor Dirk Ahner hinzu, mit dem Christian und ich bereits an Filmen wie ,7 Days to Live‘ und ,Hui Buh – Das Schlossgespenst‘ gearbeitet haben.“
Dazu Becker: „Dirk Ahner lernten wir schon während unseres Studiums an der Filmhochschule kennen. Er stellte mir Jahre später sein Buch zu ,7 Days to Live‘ vor, das ich sofort als einen Stoff erkannte, den nur Sebastian Niemann umsetzen kann, weil der sich gerade mit einem ähnlichen Mystery-Stoff bewährt hatte.“
Christian Becker berichtet weiter: „In den verschiedenen Entwicklungsphasen überlegten wir, ob ,Mord ist mein Geschäft, Liebling‘ besser auf Englisch gedreht werden sollte und wer für die Hauptrollen in Frage kam. Konkret wurde das Projekt erst Ende 2006 nach dem Start unseres gemeinsamen Films ,Hui Buh – Das Schlossgespenst‘. Wir wussten genau: Mit Stars wie Rick Kavanian, Nora Tschirner und Christian Tramitz können wir einen großen Film nach unseren Vorstellungen machen. Den potenziellen Verleihern, bei denen wir vorsprachen, erklärten wir das so: Die jungen Zuschauer bekommen eine rasante Komödie mit jeder Menge Action-Elementen zu sehen, während die filmhistorisch interessierten, anspruchsvolleren Zuschauer sehr viel mehr darin entdecken können.“
Für Becker und Niemann unabdingbar war ein großer Soundtrack, bei dem neben dem klassischen Score auf keinen Fall Dean Martin fehlen durfte. Um die Rechte an den von den Filmemachern favorisierten Dean-Martin-Songs zu bekommen, waren zweieinhalb Jahre harter Arbeit nötig. Dazu Becker: „Wir mussten nicht nur mit Capitol Records verhandeln, sondern auch mit Dean Martins Erben. Wir blieben während der ganzen Vorbereitung in engem Kontakt mit ihnen, schnitten Promos für sie und kamen so schließlich zu einer finanzierbaren Lösung, die es uns erlaubt, gleich neun Originalsongs von Martin zu verwenden.“
„Die Filmmusik besteht aus zwei wichtigen Komponenten“, sagt Niemann. „Die eine ist der tolle Score von Egon Riedel: Er musste eine Verbindung schaffen zwischen einer großen, modernen Filmkomposition und Elementen von Swing- und Big-Band-Sound, die an das Gefühl der 1950er/1960er-Jahre-Komödien anknüpfen. Dabei ist etwas wirklich Neues und Einzigartiges entstanden, was so sicher noch nie da war. Die zweite Komponente der Musik sind die Dean-Martin-Songs, die bereits vor fünf Jahren im Drehbuch eingeplant waren. Sie haben uns inspiriert und wir haben teilweise sogar die Szenen auf die Musik hin geschrieben. Mit dem Film wollte ich unbedingt dieses Lebensgefühl vermitteln, das Dean Martins Songs ausstrahlen: Die Lieder sind immer sehr elegant, sehr smart, und haben einen Hauch vom alten Las-Vegas-Gangster-Feeling. Viel von dem Charme springt dabei natürlich durch Dean Martins Stimme über: Er klang immer ein wenig, als sei er direkt von der Bar gekommen und wollte auch möglichst bald dahin zurück.“
„Das waren wir sozusagen unserem Firmennamen schuldig: Rat Pack!“, lacht Produzent Becker und bezieht sich auf die berühmte Clique um Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr., die neben ihren gemeinsamen Filmauftritten auch legendäre Shows auf den Bühnen von Las Vegas gestalteten. Wie kam Becker auf die Idee, seiner deutschen Filmproduktion den berühmten Gruppennamen zu geben? „Bis etwa 2001 hatte ich Filme mit unseren damaligen Firmen Indigo Film und Becker & Häberle Filmproduktion produziert, damals waren wir unter der Firma F.A.M.E. Film & Music Entertainment an die Börse gegangen. In dieser Zeit wurde mir jedoch klar, dass ich mit meinen Freunden weiterziehen musste, weil das Geld zu sehr in den Mittelpunkt rückte und nur noch die Banker das Sagen hatten – das Produkt war nicht mehr die Hauptsache. In der neuen Firma wollte ich natürlich die alten Freunde wieder zusammenbringen, die beim Filmemachen ihren Spaß haben und zusammen feiern. Sebastian und ich waren immer schon große Fans von Dean Martin und Frank Sinatra, und ich fand, dass der Name Rat Pack sehr gut zu uns passt – den ließ ich mir europaweit als Firmenname schützen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir übrigens schon intensiv an diesem Projekt gearbeitet.“
Niemann ergänzt: „Christian und ich arbeiten bereits seit über zehn Jahren zusammen, kennen uns noch länger und sind sehr gute Freunde. So stemmen wir auch die aufwändigsten Projekte!“
Das Rat Pack ist also Programm: Wenn Freunde zusammenkommen und gemeinsam arbeiten, wirkt sich das positiv auf die Atmosphäre am Set aus – davon profitieren alle Mitwirkenden.
„Das muss man Christian Becker zugute halten: Er versucht Menschen zusammenzubringen, die miteinander harmonieren“, sagt Rick Kavanian, der Darsteller des Toni. „Entsprechend überzeugend ist das Resultat – in seinem und in unserem Sinne. Das ist seine große Qualität, denn jeder freut sich, wenn er an einen Arbeitsplatz kommt, wo eine gute Stimmung herrscht – selbst am Ende eines 23-Stunden-Tages. Das ist etwas ganz Besonderes – ich komme sehr gern ans Set.“
„Christian und ich haben einfach dieselbe Leidenschaft: das Filmemachen“, sagt Regisseur Sebastian Niemann. „Ein Produzent, der wirklich am Ergebnis interessiert ist, ist nicht unbedingt selbstverständlich und für mich als Regisseur ein absoluter Glücksfall: Gemeinsam kann man außergewöhnliche Projekte planen, zu denen viele andere einfach nicht den Mut hätten. Außerdem hat man ganz andere Möglichkeiten, wenn man als Team auftritt und sich so gegenseitig den Rücken freihält.“
Und Produzent Becker sagt über Regisseur Niemann: „Ich arbeite seit über zehn Jahren mit Sebastian zusammen. Damals produzierte ich für ProSieben seinen TV-Film ,Das Biikenbrennen‘ und war von seiner Leistung derart beeindruckt, dass ich dieses Talent niemand anderem überlassen wollte. Deshalb entwickelte ich das internationale Kinoprojekt ,7 Days to Live‘, das wir gemeinsam realisierten. Später folgte ,Das Jesus Video‘ und zuletzt ,Hui Buh – Das Schlossgespenst‘.
Sebastian arbeitet ungeheuer visuell, bereitet sich äußerst intensiv vor – auf seinen Sets fühlen sich die Schauspieler wie zu Hause. Er hat eine sehr gelassene Art, wird niemals laut, er schreit nie, sondern er erklärt den Darstellern ganz in Ruhe, was er will. Vor allem gelingt es ihm, allen Beteiligten seine Vision zu vermitteln, er ist kommunikativ, geht auf seine Mitarbeiter ein. Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten – nicht nur weil er einer meiner besten Freunde ist!“
Christian Tramitz, der Tonis Killer-Kollegen Münchinger spielt, empfindet das ähnlich: „Sebastian gehört zu den Regisseuren, die sehr genau beobachten und uns nicht schon vorher vollquatschen oder uns – was ich besonders hasse – auch noch die Rolle vorspielen. Je ruhiger ein Regisseur ist, desto besser. Ein Schauspieler wirkt nicht überzeugender, wenn er angeplärrt wird, es sei denn, er ist Masochist – und da kenne ich nur ganz wenige.“