Donnerstag | 31. Mai 2012 | 23:52 Uhr
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    Drama, Romanze | Deutschland 2007
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      • | Hannelore Elsner über ihre Rolle (Trudi)

      • Trudi ist zugleich eingesperrt und frei. Sie hat sich für das Leben entschieden, das sie in dieser wunderschönen bayerischen Landschaft, dem Allgäu, lebt. Sie hat drei Kinder bekommen und hat das Butohmäßig erlebt, hat sich diesem Leben hingegeben. Sie hat vielleicht manchmal etwas vermisst, so wie jeder Mensch etwas vermisst.
        Doris Dörrie hält fast ein Vergrößerungsglas auf diese Liebesschmerzgeschichten, die in einer Familie, einer Liebe, einer Ehe vorhanden sind. Diese Abstoßung und Anziehung. Die Familiengemeinheiten und auch die große verbindende Liebe. Und nach dem Tod der Eltern, wenn die Kinder merken, dass sie etwas versäumt haben.

        Trudi ist sehr stark und sehr weich. Sie hat sich mit Stolz ihrem Rudi hingegeben. Sie erinnert mich an meine bayerische Oma, eine richtige Bäuerin. Sie hatte ein schweres Leben und meinen Opa lange pflegen müssen. Sie war stark und bescheiden. Trudi ist auch bescheiden und gebend.
        Mein Vater ist gestorben, als ich acht Jahre alt war. Es war ein großer Schmerz und trotzdem war es normal. Meine Oma hat mir beigebracht, dass das Sterben genauso zum Leben gehört wie das Leben. Ich glaube als Kind versteht man das viel besser, dass man sterben muss. Ich habe mir vorgestellt, dass Trudi früher Jazz gehört hat, so wie ich. Dann gab es in ihrer Stadt einen Kurs, da wurde Butoh getanzt, um sich auszudrücken, zu rebellieren. Sie hat das innere Wesen des Butoh verstanden und das lässt einen nicht mehr los.


        Sie haben Butoh für diese Rolle gelernt.

        Das lernt man sein ganzes Leben lang, das hat Tadashi Endo oder Kazuo Ohno auch ge-sagt, man braucht ein ganzes Leben. Es tanzt einen. Man stellt sich eine Blume vor, man verschmilzt mit ihr. Wenn Kinder spielen mit kleinen Autos, dann sitzen die da drin ... so ähnlich ist auch Butoh, man ist drinnen und gleichzeitig außen.


        Die Szene, in der sie vor dem Fuji im Morgengrauen mit Elmar Wepper tanzen, haben Sie sich lange darauf vorbereitet...

        Für die letzte Szene haben wir alle nicht geschlafen, weil wir um drei Uhr morgens auf-stehen mussten. Dann wurden Elmar und ich von Tadashi Endo weiß geschminkt und dann haben wir in der eisigen Kälte im Morgengrauen vor dem Fuji getanzt. Haben das einfach getan, ohne viele Proben. Im Hintergrund der Fuji war wunderschön, mit diesem weißen Schneegipfel. Sonst war Japan um den Fuji herum sehr amerikanisch, sehr tou-ristisch. Aber wir hatten Glück, mit einem Filmteam erlebt man viel mehr als als Tourist. Doris Dörrie hat vor Drehbeginn von einem Zenpriester eine Messe zelebrieren lassen, das war sehr schön, eine Messe, dass der Film gut gehen möge. Das macht man anscheinend vor jedem großen Dreh in Japan so.


        Sie sind in diesem Film ungeschminkt, haben graue Haare, keine besonders aufregenden Kleider.

        Wir sind alle völlig ungeschminkt in diesem Film, denn Doris Dörrie wollte unter unsere Haut. Ich hatte nicht mal ein kleines Make-up, gar nichts. Die grauen Haare hat mir Doris Dörrie aufgesprüht. Aber Trudi hat sich nie gesorgt ums Älterwerden. Man kann in ihr alle ihre Lebensalter sehen: man sieht ihre Kindheit, ihre Jugend - man sieht ihre Schönheit, man sieht alles … alles … gerade weil sie so nackt ist.

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