Franzi ist die Lebensgefährtin der Tochter von Trudi und Rudi. Die Tochter lebt in Berlin weit weg von den Eltern. Sie sind einander aus dem Blickfeld geraten, sind sich emotional nicht mehr nah. Sie hat keine Zeit für Trudi und Rudi und will sie auch nicht so recht haben. Und wie es eben so ist, Freunde oder auch Fremde kümmern sich manchmal mehr um die eigenen Eltern. Franzi hat das Herz am rechten Fleck, sie ist aber kein Engelchen. Sie findet es in Ordnung, sich um die Eltern ihrer Freundin zu kümmern, und sie findet es sicherlich nicht in Ordnung, dass sich die Tochter so aus der Affäre zieht.
Was war der erste Eindruck von Ihrer Rolle?
Die Figur Franzi fügt sich in eine Geschichte, bei der man zugleich lachen und weinen möchte. Das ist selten. Es ist ein schönes und herzergreifendes Buch, das mit viel Tiefe, Lakonie, Traurigkeit und Humor in Leichtigkeit geschrieben ist. Wenn ich etwas Derartiges lese - und das kenne ich bisher nur von Wolfgang Kohlhaase - liebe ich meinen Beruf besonders.
Die Liebe und der Tod sind die großen Themen.
Es geht nicht nur um den Tod, sondern um die verspielte Chance zu Leben und zu Lie-ben. Wenn das bis zum Tod geklärt wäre, dann würde es einen gewissen Frieden mit sich bringen. Aber wenn der Tod für etwas Verpasstes steht, für etwas, das nie wieder gut gemacht werden kann - dann ist es tragisch.
Sie spielen eine lesbische Frau.
Für mich ist es gar nicht so primär, dass Franzi lesbisch ist. Ich habe mir überlegt, wie sind denn die Mädels, die ich kenne, die Mädels lieben. Und die sind alle so unterschied-lich, dass ich die Schublade gleich vergessen habe - der Kuss mit Birgit hat übrigens nach Pfefferminzkaugummi geschmeckt!
Sind die Dialoge, wie wir sie im Film hören, so auch geschrieben oder haben sie viel improvisiert?
Doris Dörrie ist flexibel mit dem Text, sie ist nicht fest gefahren mit den Dialogen. Aber sie achtet auf die Authentizität. Wir haben viel improvisiert mit einer großen Leichtigkeit, doch das darf uns Schauspieler nicht verführen, ungenau zu werden. Unter den Schauspielern stellt sich bei dieser Arbeitsweise eine große Sensibilität füreinander her, weil keiner weiß was kommt, weil wir nicht geprobt haben. Diese Herangehensweise ist sehr intensiv und macht sehr viel Spaß.