Donnerstag | 31. Mai 2012 | 23:56 Uhr
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    Drama | Deutschland 2008
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      • | Interview Christian Becker (Produzent)

      • DIE WELLE ist ein Gemeinschaftsprojekt unter Freunden: Dennis Gansel führt Regie und hat mit Peter Thorwarth zusammen das Drehbuch geschrieben. Du produzierst mit Deiner Firma Rat Pack den Film und Nina Maag ist die Ausführende Produzentin. Wie kam es zu diesem Get Together?

        Die Idee zu DIE WELLE hatten Dennis und ich vor ein paar Jahren gemeinsam entwickelt. Ich habe lange Zeit auf der ganzen Welt recherchiert, um an die Stoffrechte zu kommen. Dennis hat sich zwischenzeitlich in den Stoff reingekniet. Um eine weitere Sicht auf die Dinge zu bekommen, haben wir Peter Thorwarth mit an Bord geholt. Wir drei haben zusammen an der HFF in München studiert. Mit Peter hatte ich schon „Bang Boom Bang“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“ und „Goldene Zeiten“ zusammen produziert. Und mit Dennis „Das Phantom“, an dem damals auch schon Nina Maag als Producerin beteiligt war. Das Schöne ist, wir sind alle befreundet und das ist immer das, was ich mit der Firma erreichen wollte. Wir heißen ja nicht umsonst Rat Pack: Alle, die befreundet sind, arbeiten zusammen, feiern zusammen und entwickeln sich weiter. Peter Thorwarth ist stolz, dass Dennis diesen Film macht und dass er mit Dennis zusammen an dem Drehbuch gearbeitet hat. Denn Peter Thorwarth steht normalerweise für andere Stoffe, eher Ruhrgebiet-lastig, Action und lustig. Dennis macht die großen, anspruchsvollen Filme. Es gibt ja immer die private Ebene und die berufliche Ebene. Und es ist sehr interessant, wie das alles zusammen funktionieren kann, komplett ohne Ego-Probleme.


        Ron Jones hat sich nie mit dem Buch von Morton Rhue identifiziert. Was hat ihn an Eurer Geschichte überzeugt?

        Wir erzählen die Geschichte aus dem Blickwinkel verschiedener Personen. Das ist ein viel modernerer und zeitgemäßerer Ansatz. Deshalb gefiel das auch Ron Jones so gut. Er sagt, er ist froh, dass die Deutschen, die eine Verantwortung bezüglich ihrer Geschichte haben und sich mit Schuld beschäftigen, den Film machen. Er ist erleichtert, dass die Amerikaner die Filmrechte damals nicht bekommen haben.


        Das Experiment hat 1967 an einer kalifornischen High School stattgefunden. Warum habt Ihr euch entschieden, den Film in Deutschland spielen zu lassen?

        Wir wollten den Film die ganze Zeit in Deutschland spielen lassen, damit die Jugendlichen einen Zugang dazu haben. Hier, in Deutschland, wo sie sich auskennen. Dass sie das Gefühl haben „das ist wie bei mir, das kenne ich, solche Figuren kenne ich“. Wenn wir den Film in Amerika oder in der Vergangenheit hätten spielen lassen, dann hätte der direkte Bezug und die Glaubwürdigkeit darunter gelitten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir nicht zeigen, wo wir spielen. Zum Beispiel die ganzen Klischees: Berlin sei ein „sozialer Brennpunkt“ oder - hätten wir die Geschichte nach Bayern gesetzt - „hier ist eh alles schwarz“. Jede Region, jede Stadt hat seine Vorurteile und deshalb spielt DIE WELLE in einer fiktiven Stadt. Es war mir wichtig, dass wir diese Geschichte sehr allgemeingültig halten. Denn jeder, der den Film sieht, soll das Gefühl haben, das könnte auch bei mir passieren.


        Neben renommierten Schauspielern wie Jürgen Vogel und Christiane Paul wurde ein außergewöhnliches Cast an jungen Darstellern zusammengestellt. Was zeichnet denn die Darsteller der Klasse aus?

        Wir haben wahnsinnig lange vor Ort gecastet: Wir haben alle Agenturen abgeklappert und –zig Castings veranstaltet. Dafür haben wir jetzt ein einzigartiger Cast - die Crème de la Crème der jungen deutschen Schauspieler. Jeder, der den Film gesehen hat, sagt, „das ist alles so realistisch, das sieht aus wie bei mir in der Schule“. Das macht diesen Film einzigartig. Wir haben uns wirklich viel Zeit genommen und Dennis hat alles möglich gemacht, den perfekten Cast zu finden. Ich glaube, wir haben nicht nur wirklich angesagte Schauspieler, sondern auch wirklich passende Schauspieler. Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen!


        Was kannst Du uns über die Filmmusik erzählen?

        Neben aktuellen Songs haben wir einen perfekten Score: Ganz leise und hintergründig und dann wieder richtig schnell und laut. Was Heiko Maile hier gemacht hat, ist wirklich super. Heiko Maile ist einer der Musiker von ’Camouflage’ gewesen. Als Jugendlicher war ich ein großer Camouflage-Fan, von „Great Commandment“ oder „Love Is A Shield“. Mit der Musik, die er geschaffen hat, bringt er eine zusätzliche Ebene rein. Das heißt, es ist modern, es ist schwungvoll, hat aber auch Elemente des klassischen Score. Das war eine tolle Zusammenarbeit zwischen Heiko, Dennis und uns und hat sehr viel Spaß gemacht.


        DIE WELLE läuft im Januar in Sundance im Wettbewerb. Geht damit für Euch ein Traum in Erfüllung?

        Ganz sicher! Wir wollten unbedingt mit dem Film nach Sundance und trotzdem war es für uns eine Riesenüberraschung. Von 620 Einreichungen im internationalen Kinofilmwettbewerb sind nur 16 angenommen worden. USA gilt unter Filmemachern immer noch als das Maß aller Dinge und Sundance gehört für uns zu den absoluten A-Festivals, dem besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Seit der Bekanntgabe häufen sich bei uns die Anfragen aus aller Welt... Wir haben immer an diesen außergewöhnlichen Film geglaubt. Deshalb ist es umso schöner, wenn man sieht, dass es auch andere tun.

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