Donnerstag | 31. Mai 2012 | 20:36 Uhr
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    Thriller, Action | USA 2009
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      • | Produktion: Die Enstehung des Films

      • Die Rolle von Koestlers Heimat Boston übernahm in KNOWING die australische Großstadt Melbourne – und bot den Filmemachern dabei erstklassige Produktionsmöglichkeiten und Mitarbeiter. „Ich habe zum ersten Mal in Australien gearbeitet und unser Team war wirklich hervorragend“, erinnert sich Blumenthal. „Das technische Know-how war in jeder Beziehung mindestens so hoch wie an allen anderen Orten, wo ich bisher Filme gedreht habe. Unsere Leute hatten alle bereits vorher zusammen gearbeitet und waren zum Glück ein eingespieltes Team. Beim Filmdreh geht es ja um so viele verschiedene Handgriffe, da bekommt man schnell Schwierigkeiten, wenn nicht alles gut auf einander abgestimmt ist.

        Für Proyas, der bereits häufiger in Sydney gearbeitet hatte, war der Aufenthalt in Melbourne ein besonderer Genuss: „Ich war total begeistert, an einem Ort zu sein, wo ich Neues entdecken und ausprobieren konnte. Tatsächlich ist es sogar noch ein bisschen einfacher dort zu arbeiten als in Sydney, wo es viel mehr Verkehr gibt und alles schnell ein wenig chaotisch wird. Melbourne ist dagegen momentan eine sehr angenehme und offene Stadt für Filmemacher.“

        Es lag in den Händen von Produktionsdesigner Steven Jones-Evans, Melbourne in Boston zu verwandeln. „In den vergangenen fünf Jahren herrschte in Melbourne eine ziemliche Dürre, deswegen ist das Gras überall total braun“, berichtet er. „Es war wirklich nicht einfach, wenn wir nach Gärten oder anderen Grünflächen suchten. Die Universität von Melbourne diente uns als Ersatz für das MIT, doch auch dort war der Rasen vollkommen ausgetrocknet. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als eine Woche vor dem Dreh alle Rasenflächen grün anzusprühen.“

        „Angenehmerweise spielt unser Film im Herbst, was der Jahreszeit während des Drehs in Melbourne entsprach“, fährt er fort. „Aber natürlich sieht der Herbst in der Gegend von Boston ein wenig anders aus – und so schleppten wir ständig säckeweise buntes Laub mit uns herum, das wir dann überall verteilen konnten.“

        Für das Wohnhaus der Koestlers dachte Jones-Evans an ein typisches Haus der Region Neuengland: „In meiner Vorstellung hatten er und seine Frau das Haus in einem leicht maroden Zustand gekauft, um es zu renovieren und dort ihre Familie zu gründen. Es war deswegen ganz wichtig, dem Haus mit vielen verschiedenen Dingen einen sehr persönlichen Anstrich zu verleihen, wie etwa mit Calebs Zimmer. Wir entschieden uns für ein Zimmer unter dem Dach, mit einem einzigen, runden Fenster. Dieses Motiv hat Alex auch in früheren Filmen schon gerne verwendet.“ Darüber hinaus integrierte der Produktionsdesigner möglichst viele Elemente, die einen Bezug zur Natur hatten, seien es Spielzeugtiere oder Landschaftsbilder: „Caleb sollte sich auf jeden Fall für Sachen interessieren, die für ihn einen Bezug zur Erde herstellen.“

        Jones-Evans war es auch, der jenen Gegenstand entwerfen musste, der letztlich im Zentrum des Films steht: die Zeitkapsel. Die Geschichte solcher Behälter lässt sich zurückverfolgen bis zur Weltausstellung von 1939, deren Organisatoren den Einfall hatten, zukünftigen Generationen in einer vergrabenen Flasche eine Art Botschaft zu hinterlassen. Der Metallcontainer, der als Bestandteil der Westinghouse Company-Ausstellung auf dem Messegelände in der Erde versenkt wurde, enthielt als Zeugnisse modernen Lebens unter anderem eine Nadel und ein Knäuel Garn, Wochenschauaufnahmen und Microfilm-Kopien sowohl von einem Wörterbuch als auch von einem Kaufhauskatalog. Erst im Jahre 6939 sollte die Kapsel wieder ausgegraben werden.

        „Wir schauten uns ganz verschiedene Zeitkapseln an, denn natürlich gibt es die unterschiedlichsten Designs“, erzählt Jones-Evans. „Die von Westinghouse von 1939 sah aus wie eine Rakete, doch das erschien uns zu militärisch.“ Stattdessen ließ er sich von einem Modell von 1958 inspirieren: „Natürlich war auch diese Kapsel ein Design ihrer Zeit, aber nicht ganz so altmodisch. Sie ist recht klassisch aus Edelstahl geformt und hat einen Deckel, den man mit zwei Flügelmuttern festschraubt. Wir haben den Entwurf bewusst schlicht gehalten, schließlich geht es uns mehr um den Inhalt der Kapsel als um die Kapsel selbst.“
        Für den ersten Teil des Films mit dem Look der Fünfziger Jahre zu arbeiten, war für den Designer ein besonderes Vergnügen: „Das war eine sehr interessante Zeit, in der es viel mehr Hoffnung und viel weniger Zynismus gab als heute. Verschmutzung und andere Umweltthemen fingen gerade erst an, Gesprächsstoff zu werden – und die Welt war in jeder Hinsicht noch etwas reiner. Um das Fröhliche und Hoffnungsvolle zu unterstreichen, entschieden wir uns deswegen in diesen Szenen für etwas leuchtendere Farben.“

        Für eine der schwierigsten Szenen des Films, nämlich den Flugzeugabsturz, benötigte Jones-Evans neben seinem Talent als Produktionsdesigner auch ein wenig Hilfe von den Experten für Spezialeffekte. „Alex wollte den ganzen Absturz in einem Take drehen“, erinnert er sich. „Er wollte das Flugzeug ins Bild bringen, in die Telefonmasten fliegen und mit einem der Flügel ein Auto treffen lassen. Das Auto wird dabei in die Luft gewirbelt, schlägt in einem Feld auf und wird komplett zerstört. Das Wrack des Flugzeugs haben wir dafür auch tatsächlich nachgebaut. Aber alles andere wäre nicht in einer Aufnahme zu drehen gewesen, wenn man nicht mit dem Effekte-Team zusammengearbeitet hätte.“

        „Ich arbeite gerne mit visuellen Effekten, wenn sich dadurch etwas verbessern oder vervollständigen lässt, was wir als Produktionsdesigner hergestellt haben“, lobt er seine Mitstreiter. „Der Supervisor der Spezialeffekte-Abteilung war schon in der allerersten Produktionsphase mit dabei, so dass es jede Menge Informationen und Austausch darüber gab, wie sich bestimmte Szenen und Probleme gemeinsam lösen ließen.“

        KNOWING ist einer der ersten Filme, die mit der Red One Camera gedreht wurden, einer Neuentwicklung im Bereich leichter, hochauflösender Digitalkameras. Laut Simon Duggan, dem Kameramann des Films, lässt diese Kamera Regisseure Digitalkameras in einem neuen Licht sehen: „Die Farbtöne sind sanft und sehen fantastisch aus, außerdem sind die Bilder so gut wie gar nicht körnig. Unser Film sollte eine gewisse Unmittelbarkeit an den Tag legen, deswegen machte eine Digitalkamera Sinn. Und bei dieser sind die Aufnahmen eigentlich identisch mit jenen auf Film!“

        Trotzdem führten Proyas und Duggan zunächst ausführliche Tests durch, bevor sie sich tatsächlich aufs digitale Format festlegten. „Letztlich sahen beide enormes Potential in der Verwendung dieser Kamera“, sagt auch Blumenthal. „Durch sie ließ sich sehr vieles sehr schnell bewegen. Sehr vieles konnten wir nun direkt am Set machen, statt auf die Postproduktion warten zu müssen, etwa Veränderungen an den Farbeinstellungen.“ Und Duggan fügt hinzu: „Alex hasst es, wenn etwas zu ausgeleuchtet aussieht. Dank der Red One Camera mussten wir nun nicht mehr bis zum nächsten Tag warten, um zu sehen, ob unser Beleuchtungskonzept hingehauen hat. Vieles lässt sich jetzt sofort erledigen – und wir waren irgendwann so überzeugt von dieser Herangehensweise, dass wir häufig sogar noch einen Schritt weiter gingen als ursprünglich gedacht.“

        Als Produzent fühlte sich Blumenthal dabei in manchen Momenten als stolzer Pionier, in anderen als Digital-Versuchskaninchen, wie er es beschreibt: „Letztlich wollten wir aber so fortschrittlich sein wie möglich, und der gesamte Prozess war eine sehr lehrreiche Erfahrung. Diese Technik gab uns die Gelegenheit, unsere Geschichte in einem einzigartigen, neuen Look zu präsentieren. Was früher ‚Science Fiction’ war, ist dank solcher neuen Technologien heute eher ‚Science Fact’. Und wir haben sie genutzt, weil sie uns die beste Qualität für unser Produkt zu bieten hatte.“

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