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    Drama, Biografie | Deutschland 2008
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      • | Produktion: Willkommen in Afrika?

      • Nachdem man so den richtigen Ansatz für das Drehbuch gefunden hatte, widmete man sich der Produktion. Der Film musste in Afrika gedreht werden, am Besten natürlich in Eritrea selbst. Doch trotz großer Bemühungen hat die Regierung von Eritrea keine Drehgenehmigung erteilt. „Wir haben uns sehr darum bemüht, an Originalschauplätzen in Eritrea zu drehen. Wir haben alle Drehbuchfassungen an die Eritreische Regierung geschickt – wir haben glaubhafte und nachzurecherchierende Anmerkungen ins Drehbuch eingearbeitet“, so erklärt Andreas Bareiss. „Mit dem Schreiben vom 17.04.2007 teilte uns die eritreische Regierung folgende Begründung für die Ablehnung des Projektes mit: ‚Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte des eritreischen Unabhängigkeitskampfes wurde Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren der Dienst an derWaffe gestattet. Solche Jugendliche, die sich heimlich aus den Schulen entfernten, um aus freien Stücken aktiv am Befreiungskampf teilzunehmen, wurden nachweislich zurück zu ihren Schulen und Betreuungsorten geschickt.’ Sie wollen einfach nicht zugeben, dass sie in ihrer Vergangenheit nachweislich gegen eine UNO- Konvention verstoßen haben“, erklärt Andreas Bareiss. Aufgrund dieser Ablehnung musste man sich einen anderen Ort suchen, der Eritrea glaubhaft gleichkam.

        Luigi Falorni hat zuvor bereits in Eritrea gewesen, in den Gebieten, wo sich die Kämpfe zugetragen haben, und hatte deshalb eine sehr genaue Vorstellung, wie die Drehorte und Schauplätze aussehen sollten. Man fand sie schließlich in Lodwar, im NordenKenias. Die Region um Lodwar ist dem eritreischen Tiefland extrem ähnlich: trocken,monochrom, eintönig mit wenig Vegetation aber sehr interessanten Steinlandschaften. Allerdings war dieser Landstrich äußerstungeeignet für ein Filmteam. Denn er liegt sehr weit abseits aller gängigen Routen, weit weg von Nairobi und seiner Infrastruktur. Immerhin musste man Tonnen von Ausrüstung und 150 Menschen dort hinbringen und mit Strom und Trinkwasser versorgen können. Doch Luigi Falorni blieb hartnäckig: „Als ich da war habe ich nicht Kenia gesehen, sondern Eritrea. Wir hatten unser Hauptmotiv, unseren trockenen Fluss und alles andere. Jetzt musste man eben einen Weg finden das Team und das Equipment dorthin zu transportieren und zu versorgen.“

        Doch weit mehr Probleme als die Locationsuche sollte die Suche nach den Darstellern machen. „Hartnäckig verfolgten wir den Plan mit Eritreern und auf Tigrinya, der eritreischen Landessprache, zu drehen. Darum haben wir ein Casting in Nairobi veranstaltet. Das war zwar sehr erfolgreich, es kamen viele Leute aus der eritreischen Gemeinde, aber als sie erfahren haben, um welches Thema es im Film ging, ist die Hälfte von ihnen aus Angst wieder verschwunden.“, erzählt Luigi Falorni über die ersten Vorbereitungen.

        Die Angst der potentiellen Darsteller aus Eritrea war teilweise berechtigt, wie bald auch das Filmteam feststellen musste. „Man kann sagen, dass die eritreische Regierung und ihre Anhänger diesen Film nicht wollen. Wen sie zu fassen kriegen, dem machen sie das auch persönlich und unmissverständlich klar“, beschreibt Andreas Bareiss die Situation.

        Und auch Kamerafrau Judith Kaufmann bestätigt die schwierige Sicherheitslage während der Vorbereitungen: “Es war schon komisch vor dem Zimmer einen Sicherheitsmann mit einer Kalaschnikow stehen zu haben. Das zeigt die Brisanz der Situation sehr deutlich.“ Und die Schwierigkeiten gingen weiter. „In Schauspielworkshops haben wir dann mit eritreischen Kindern und Erwachsenen begonnen zu arbeiten. Allesamt eritreische Flüchtlinge, die ihre eigene Geschichte zu erzählen wussten. Wir wollten aus ihnen keine Schauspieler machen, aber wir wollten verstehen, was das für Menschen sind und welcher Mensch zu welcher Filmrolle passt. Besonders bei den Erwachsenen, die den Krieg damals als Kinder und Jugendliche selbst erlebt hatten, war die Motivation bei dem Film mitzumachen sehr stark. Nach mehreren Monaten waren wir schließlich am Ziel, wir hatten unseren Cast vollständig.

        Ungefähr fünf Tage vor Drehbeginn kamen dann die ersten Absagen von Darstellern. Sie hatten terrorisierende Anrufe bekommen mit dem eindringlichen Hinweis, nicht an diesem Film teilzunehmen, ansonsten hätte dies schwere Konsequenzen für sie und ihre Familien. Manche kamen ins Produktionsbüro und haben unter Tränen gesagt: ‚Ich möchte es gerne machen, aber es ist zu gefährlich für mich und meine Familie’“, schildert Luigi Falorni. So kam es, dass die Produktion fünf Tage vor Drehbeginn plötzlich fast den kompletten Cast verloren hatte.

        Der Film stand vor dem Aus. „Der Produktionsleiter war noch in Nairobi, ich war mit Judith in Lodwar, um vorzubereiten und wir hatten plötzlich fast keine Darsteller mehr. Sämtliches Gerät, das ganze Filmteam war bereits eingeflogen, die Produktionsfirma hatte hohe Kosten auf sich genommen und wir hatten noch genau zwei Tage, um unsere Darsteller zu finden“, so der Regisseur über diesen Alptraum. Und auch Andreas Bareiss erinnert sich: “In diesen Tagen und überhaupt während des gesamten Drehs haben die Leute des Teams unglaublichen Einsatz und große Loyalität gegenüber dem Regisseur gezeigt. Das habe ich in diesem Maße selten erlebt, noch dazu unter so extremen Bedingungen.“

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