PETER KROBATH: Sie sind ein viel beschäftigter Schauspieler. Warum haben Sie gerade diesen Film in Ihren engen Terminplan geschoben?
TOBIAS MORETTI: Es war ein böses, ironisches, gutes Buch, das Sabine Derflinger schon 2005 an mich herangetragen hat. Zur Realisierung ist es dann erst ein Jahr später gekommen. Mit Derflinger wollte ich sowieso schon mal arbeiten, und die Konstellation dieser vier Figuren in unserem Cast mit Claudia Michelsen, Ulrich Tukur und Petra Morzé als meine Frau wollte ich einfach machen. Mit Michelsen habe ich vor diesem Film noch einen anderen gemacht, also waren wir schon eingespielt.
Ihre Figur des Martin in 42plus ist ein arroganter Verführer, ein zynischer Hedonist. Hat er auch positive Seiten?
Er ist ein Typ, wie jeder von uns ihn kennt. Wir nehmen solche Leute als kulinarisch-charmant wahr, obwohl niemand näher mit ihnen zu tun haben will. Er ist so das Mittelmaß der optimalen Computersimulation eines Durchschnitts-Karrieristen. Man kann sich ihm schlecht entziehen, weil er sich die Dinge auf seine Art nimmt, und dadurch der Gegensatz zu Tukur („Georg“) ist.
Was treibt ihn an?
Der Genuss des Augenblicks, sein Spiegelbild, seine Schrankenlosigkeit. Er versucht immer wieder, das Spiel bis an die Grenze der Unverschämtheit zu treiben.
Welche Erinnerungen haben Sie an die Dreharbeiten?
Prachtvolle. Eine tolle Zeit, wir haben hart gearbeitet, aber niemand hat es gemerkt. Wir haben herrlich getrunken und gegessen, wir hatten schönes Wetter und diesen unverfrorenen Vorteil von Arbeitenden in diesem italienischen Inselparadies.
Wie würden Sie Sabine Derflinger beschreiben?
Einfach, kompliziert, lustig, humorvoll, stur – aber wie!, mit einem unbeirrbaren beharrlichen Blick für das, was sie möchte, wohin eine Szene führt. Trotzdem aber in unserem Fall offen für all die Änderungen, die sich in so einer Konstellation wie der unseren ergeben.
Ist 42plus die tragische Form einer Komödie?
So kann man sagen.
Beschreibt 42plus eine Zeiterscheinung, oder geht die Geschichte doch über die Gegenwart hinaus?
Ich glaube, es ist eine Zeiterscheinung, es hat mit dieser Generation von Menschen zu tun.
Glauben Sie daran, dass man sich ein Leben lang lieben kann?
In the best case of the best case, I do.
Oder ist die Ehe doch ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Menschen
noch mit 40 gestorben sind?
Das glaube ich keinesfalls. 40 ist das Ehe-Formtief, das es zu überstehen gilt.