FILMDETAILS | Underdogs - Harte Jungs habens echt nicht leicht
Underdogs - Harte Jungs habens echt nicht leicht
Drama
| Deutschland 2007
WERBUNG
| Interview mit dem Hundetrainer Marco Heyse
Kannten Sie das Projekt „Welpen hinter Gittern“ schon vorher?
Ich wusste von Projekten, bei denen Hunde in einem New Yorker Gefängnis ausgebildet werden, allerdings auch nicht mehr.
Wieso eignen sich gerade Hunde dazu, in diesem Umfeld ausgebildet zu werden?
Hunde sind einfacher zu trainiren als andere Tiere, und sind meiner Meinung nach die einzige Tierart, die wirklich sinnvoll als Blinden- oder Behindertenführhund in Frage kommt. Hunde sind da am sozialsten und einfachsten zu handeln. Aber grundsätzlich ist es natürlich nicht besonders gut, hinter Gefängnismauern zu leben.
Aber es macht ihnen weniger aus, weil sie die Routine mögen...
Ich glaube schon, dass man die Hunde dort gut betreuen und ihnen viel Abwechslung bieten kann. Aber es ist schon mit mehr Aufwand verbunden, als wenn man sie einfach über eine Wiese toben lassen kann, wobei es auch in vielen Gefängnissen große Sportplätze gibt... darauf muss eben geachtet werden.
Merkt ein Hund, dass er im Gefängnis ist? Oder entwickelt er sich anders, weil er doch weniger Auslauf hat als ein Hund draußen?
Mit Sicherheit nicht. Weil ein normaler Hund ja oft auch die meiste Zeit seines Lebens das eingezäunte Grundstück erlebt, und für den ist der ein Meter hohe Zaun genau das Gleiche wie eine 3,50 Meter hohe Gefängnismauer mit Stacheldraht und Selbstschussanlage... das ist für einen Hund kein Unterschied. Er wird ja da rausgeführt, um mit der Umwelt zurechtzukommen. Hunde müssen Leute, Autos, Einkaufszentren und so weiter kennenlernen, nichts anderes ist es mit Hunden, die auf dem Dorf aufwachsen: Die sind die meiste Zeit hinter dem heimischen Gartenzaun, und kommen vielleicht einmal die Woche mit, wenn es irgendwohin zum Einkaufen geht.
Welche Hunde eignen sich am besten für die Ausbildung zum Blindenführhund?
Es gibt verschiedene Rassen, die aufgrund ihrer Eigenschaften bevorzugt genommen werden. das sind zum Einen die Labradore, die, finde ich, sehr gut arbeiten, und die sehr viel Spaß dabei haben, darauf kommt es natürlich an – dass die Hunde sich anbieten und jemandem gefallen wollen. Und dann nimmt man gern noch Schäferhunde, Riesenschnautzer und Großpudel. Die häufigste Hunderasse ist aber der Labrador.
Inwiefern merkt denn der Blindenführhund eigentlich, dass der Mensch versehrt ist, mit dem er zu tun hat?
Ich denke mal, der Hund weiß nicht, dass sein Herrchen eine Behinderung hat – dafür fehlt ihm der Intellekt. Der Mensch ist ja immer noch die führende Person und sagt dem Hund, was er machen soll – der Blinde führt den Hund an. Der Hund hilft ja nur, er sagt nicht wo es lang geht. Der Hund hat also immer noch das Gefühl, eine Autorität vor sich zu haben. Er unterscheidet vielleicht: der Nachbar spielt anders mit mir, da darf ich auch mal frei herumlaufen. Er wird merken, dass diese Person eine andere Führung braucht. Aber warum – dass kann er nicht verstehen.
Es geht im Film sehr stark um die Beziehung zwischen Gefangenen und Hunden, und dass die Insassen durch die Tiere zu ihren Gefühlen finden – wie ist es denn von Hundeseite aus, wenn die Bezugsperson wechselt? Wir haben es ja im Film von der Menschenseite aus gesehen...
Das ist in der Tat so ein bisschen der menschliche Egoismus, wenn man sagt, mein Hund fühlt sich nur bei mir wohl – das ist mit Sicherheit nicht so! Es gibt Hunde, bei denen das stimmt, die ein bisschen ängstlich sind, und sich bei anderen nicht so gut fühlen. Doch die Tiere, die man als Blindenhunde ausbildet, das sind offene Tiere, mit vielen Kontakten, die in der Prägephase – das sind die ersten Lebenswochen – schon viele Menschen kennengelernt haben, und aus Züchtungen kommen, die ausgesucht offene und kontaktfreudige Hunde hervorbringen, und diesen Hunden macht das tatsächlich nichts aus. Die freuen sich über jede neue Person, und sollen sich ja auch von anderen Personen leiten lassen – erst vom Trainer, dann von der blinden Person, und wahrscheinlich noch von einer dritten Person, die den Hund nochmal hin und wieder mitnimmt und frei laufen lässt... ich erleben das ja jeden Tag, auch die Hunde im „Underdogs“-Film gehörten mir nicht alle, die sind in einer Familie, gehen dann aber mit mir mit, haben mit mir Spaß, arbeiten dann noch mit dem Schauspieler, haben mit dem auch Spaß, und gehen dann wieder nach Hause.
Also die Geschichten von den Hunden, die ewig traurig am Grab ihres Herrchens heulen...
...die halte ich ganz einfach für Geschichten!
Wie dreht man eigentlich so eine Szene, wie die im Film, als der kleine Hund von Mosk recht brutal vom Bett weggeschleudert wird?
Das geht natürlich nur über das Spiel. Das war eine ganz empfindliche Szene, für die wir lange überlegt haben, wie wir sie am besten machen. Und ich bin sehr glücklich damit, denn sie sieht zwar brutal aus, machte dem Hund aber überhaupt nichts – wenn man mal genau drauf achtet, sieht man, dass der Hund beim Aufstehen schon wieder anfängt, zu wedeln und das lustig findet – das war auch das Problem. Man musste eben sofort schneiden, damit die Dramatik erhalten wird. Die Geräusche, das laute Scheppern, sind drunter gelegt. Der Hund wurde ganz wild aufs Spielen gemacht, wir haben einen genommen, der grundsätzlich auch eher gern ein bisschen rauhbeiniger war beim Spielen, den haben wir ein bisschen auf dem Boden hin und her geschoben. Und dann – das wurde natürlich auch geschnitten, man sieht also, dass Mosk den Hund greift, dann kommt ein Schnitt, und der Hund fliegt durch die Gegend. Das war dann ich, und ich weiß genau, wie ich das dosieren muss, hinter dem Hund war eine Decke, in die er reingerutscht ist. Der ist dann auch sofort angekommen und wollte nochmal. Aber es sieht wirklich schlimm aus, ich hab mich selber erschrocken, als ich das gesehen hab!
Haben sich beim Dreh auch Hunde und Schauspieler angefreundet?
Ja, wir hatten vorher ein Trainingswochenende, weil es in diesem Fall so war, dass die Schauspieler auch wirklich trainerisch mit dem Hund agieren mussten. In der Regel ist es ja so, dass ich bei einem Dreh hinter dem Schauspieler stehe, und der nur so tut, als ob er den Hund ruft. Das kann ich aber nicht mit sechs Hunden gleichzeitig machen, und bei einer Totale mit ganz vielen Leuten und Hunden geht das schon gar nicht. Bei diesem Trainingswochenende wurden die Hunde an die Schauspieler rangeführt, und den Menschen wurde gesagt, wie sie reagieren müssen, wenn die Tiere mal etwas falsch machen, so dass es am Ende gar nicht mehr schlimm war, wenn mal etwas nicht geklappt hat – denn im Film sollten das ja auch oft Trainingssituationen sein, wo es dann ganz gut gepasst hat, wenn der Hund nicht gleich richtig agiert. Das war also eine sehr schöne Zusammenarbeit! Am Ende musste ich nur noch drauf achten, dass die Schauspieler die Kommandos richtig geben, um die Hunde brauchte ich mich fast gar nicht mehr zu kümmern.
Die Schauspieler haben alle sehr gut mit den Tieren gearbeitet, ich glaube, die mochten ihre Hunde sehr gerne. Am Anfang hatten wir ein Pärchen, bei dem es etwas schwieriger war – Kida Ramadan mit seinem Hund, er hatte ein bisschen Berührungsängste. Aber nachher war er einer der besseren!
Stimmt das denn, dass Hunde das nicht leiden können, wenn man sich breitbeinig über sie stellt?
Na ja, das ist zwar eine Dominanzgeste. Es wurde aber etwas dramatisiert. Es ist so, dass die meisten erwachsenen Hunde das nicht so gerne mögen, junge Welpen haben damit aber eigentlich kein Problem.
Wenn man einem Hund einen Film zeigt, in dem er vorkommt, kann er das eigentlich irgendwie erkennen?
Nein, kann er nicht. Vielleicht kann er im besten Falle erkennen, dass da ein Hund ist, aber sich selbst erkennt er nicht. Eventuell reagiert er trotzdem drauf, weil er die Stimme erkennt, weil er gerufen wird oder er ein Bellen hört. Aber den Film genießen kann er nicht.