Donnerstag | 31. Mai 2012 | 21:04 Uhr
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    Abenteuer, Familie | Deutschland 2009
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      • | Interview mit Ulrich Limmer

      • Sie arbeiten schon zum vierten Mal mit Paul Maar zusammen. Worin liegt das Geheimnis Ihres erfolgreichen Teamworks?

        Wir beherzigen das Motto von Billy Wilder, dessen Drehbücher ja auch immer im Autorenduo entstanden sind. Wenn einem der beiden Autoren die Szenenidee des Anderen nicht gefällt, wird sie sofort fallengelassen und eine neue Idee gesucht. Andernfalls gibt es Streit. So ist es uns gelungen, uns in den neun Jahren, die wir schon gemeinsam schreiben, kein einziges Mal gestritten zu haben. Wir sind im Gegenteil gute Freunde geworden. Außerdem: bei unseren mehrwöchigen Klausuren hat sich Paul Maar als hervorragender Koch herausgestellt. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.


        Haben Sie in Moritz Bleibtreu zuerst den alleinerziehenden Koch oder den orientalischen Herrscher erkannt?

        Tatsächlich verbindet man mit Moritz Bleibtreu eher den orientalischen Herrscher, als den alleinerziehenden Koch. Er hat noch keinen Vater eines frühpubertierenden Jungen gespielt. Für ihn also eine Premiere. Aber das ist genau der Grund, warum er die Idealbesetzung ist: Wir wollten die ausgetrampelten Wege verlassen und von einem jungen Vater erzählen, der sich auch als Meisterkoch unkonventionell gibt – so wie beispielsweise Jamie Oliver. Übrigens hat Moritz Bleibtreu einmal eine Kochlehre begonnen – und ist dann lieber Schauspieler geworden. Zu unserem Glück!


        An welchen einprägsamen, wiederkehrenden Traum aus ihrer eigenen Kindheit erinnern Sie sich noch?

        Ich war eher wie Lippel: ein sehr vorsichtiges, eher verängstigtes Kind. Auch ich habe mich in Bücherwelten geflüchtet. Und wenn ich schöne Träume hatte, dann die vom Fliegen: ich konnte mich in die Lüfte erheben, indem ich mit den Armen geflattert habe wie ein Vogel. Und so flog ich dann über die Städte und war weit weg von allem Geschehen. Ein wahres Glücksgefühl. Weg von allem, hoch über den Wolken.


        Worin sehen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Ihrem letzten Familienfilm HERR BELLO?

        In beiden Geschichten geht es um Kinder, die lernen müssen mit der Wirklichkeit umzugehen. Wie in Bello geht es auch hier um Erlösung. Bei BELLO findet der junge Max Erlösung, indem er es schafft sich von seiner toten Mutter zu verabschieden. Und Lippel findet Erlösung, indem er lernt sich zu wehren und vom passiven Betrachter zum aktiv Agierenden wird.
        Bei BELLO ist es ein Hund, beziehungsweise ein Mensch gewordener Hund, der dem Jungen hilft. Bei Lippel aber ist es die Kraft der Fantasie, die ihm den Weg zeigt. In LIPPEL wird auch endlich die vielgeschundene und verspottete Figur des Träumers rehabilitiert. Während HERR BELLO auf die heilende Kraft der Liebe setzt, ist LIPPELS TRAUM ein Loblied auf die Kraft der Fantasie.


        Was macht Karl Alexander Seidel zum perfekten Lippel?

        Als wir ihn auf dem Castingband gesehen haben, stand er für uns sofort als Besetzung fest. Er ist kein kleines Kind mehr, aber noch kindlich genug, um seinen Vater ungern auf Reisen zu schicken. Alexander ist ungemein sympathisch, freundlich und offen. Und trotzdem umweht ihn etwas Geheimnisvolles, was vermuten lässt, dass auch er ein Träumer ist. Und all diese Eigenschaften gepaart mit einem großen schauspielerischen Talent machen ihn zu einem perfekten Lippel. Und wenn man sich die Zeichnungen von Paul Maar im Kinderbuch anschaut, glaubt man, er hätte Alexander als Vorbild gehabt.


        Sie sind einer der Mitbegründer der Welle erfolgreicher deutscher Familienfilme, von DER RÄUBER HOTZENPLOTZ bis zum SAMS. Wo liegen für Sie die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des Genres?

        Nach den großen Erfolgen dieses Genres war man der irrigen Meinung, man hätte nun ein Patentrezept für Markterfolg gefunden. Natürlich ist das nicht der Fall. Patentrezepte gibt es nicht. Der Kinomarkt wurde in den beiden letzten Jahren von deutschen Familienfilmen überschwemmt. Und manch ein Film ist unter den Erwartungen geblieben. Und das in einen Umfeld, das gerade auch in diesem Genre von den amerikanischen Majors beherrscht wird. Das hat nun zu einer großen Vorsicht diesem Genre gegenüber geführt. Unberechtigterweise. Ich habe mich sehr früh in diesem Genre bewegt und werde ihm auch weiterhin, neben meinen anderen Projekten, treu bleiben. Aber natürlich eignet sich nicht jede Idee für einen Film. Man muss sich bei jedem Projekt die gleichen Fragen stellen: Wie schafft es unsere Geschichte in diesem heiß umkämpften Markt zu überleben? Wie unterscheidet sich unser Film von den amerikanischen Großfilmen? Wie unterscheiden wir uns von dem, was man täglich im Fernsehen zu sehen bekommt? Wenn man sich diese Fragen vor Augen hält, kommt man sehr schnell auf die Idee von Literaturverfilmung, auf die Idee von Exotik, auf die Idee von Poesie. Und in unserem konkreten Fall: auf LIPPELS TRAUM.


        Und die wichtigste Frage zum Schluss: Wer spielt Muck?

        Nach langen intensiven Verhandlungen ist es uns gelungen, zwei bewährte Filmstars erneut auf die Leinwand zu holen. Es sind Silas und Scotty, die beiden Hunde, die schon in HERR BELLO gespielt haben. Die beiden haben zwar die damaligen Dreharbeiten in bester Erinnerung, aber dennoch mussten wir ihnen das Drehbuch wiederholt gemeinsam vorlesen, bis sie ihre Mitarbeit zugesichert haben. Silas ist in Deutschland aufgewachsen und somit des Deutschen mächtig, bei Scotty verhält es sich komplizierter. Er lebte in Frankreich und seine bisherigen menschlichen Pflegeeltern waren Engländer. Der Hund spricht also Englisch. Gut für ihn, dass Muck keine Sprechrolle ist.


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