Donnerstag | 31. Mai 2012 | 21:11 Uhr
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  • FILMDETAILS | Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra
  • Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra

    Drama, Krimi | Italien 2008
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      • | Geschichte: Eine mörderische Statistik

      • Eigentlich braucht man die Toten nicht zu zählen, um die Geschäfte der Camorra zu verstehen, eigentlich sagen sie am wenigsten aus über ihre reale Macht, doch sie sind die sichtbarste Spur und lösen die unmittelbarsten Reaktionen aus. Ich mache die Rechung auf:

        1979 hundert Tote
        1980 hundertvierzig
        1981 hundertzehn
        1982 zweihundertvierundsechzig
        1983 zweihundertvier
        1984 hundertfünfzig
        1986 hundertachtundsechzig
        1987 hundertsiebenundzwanzig
        1988 hundertachtundsechzig
        1989 zweihundertachtundzwanzig
        1990 zweihundertzweiundzwanzig
        1991 zweihundertdreiundzwanzig
        1992 hundertsechzig
        1993 hundertzwanzig
        1994 hundertfünfzehn
        1995 hundertachtundvierzig
        1996 hundertsiebenundvierzig
        1997 hundertdreißig
        1998 hundertzweiunddreißig
        1999 neunundneunzig
        2000 hundertachtzehn
        2001 achtzig
        2002 dreiundsechzig
        2003 dreiundachtzig
        2004 hundertzweiundvierzig
        2005 neunzig

        Dreitausendsechshundert Tote seit ich geboren bin. Die Camorra hat mehr Menschen umgebracht als die sizilianische Mafia, mehr als die 'Ndrangheta, mehr als die russische Mafia, mehr als die albanischen Familien, mehr als die ETA in Spanien und die IRA in Irland, mehr als die Roten Brigaden, mehr als die Rechtsterroristen der NAR und mehr als alle Attentate in Italien, bei denen die Geheimdienste ihre Hand im Spiel hatten. Die Camorra hat mehr Menschen umgebracht als alle anderen.

        Nach den Aussagen eines Kronzeugen während der Ermittlungen der Nationalen Anti-Mafia-Abteilung (Direzione Investigativa Antimafia – DIA) im Jahr 2004 werden etwa 50 Prozent der Geschäfte allein in Neapel aus dem Hintergrund von der Camorra gesteuert.

        Kein Mitglied der kriminellen Organisationen, ob in Sizilien oder in Kampanien, hatte jemals den Begriff „Pate“ („padrino“) benutzt, der nur eine philologisch ungenaue Übersetzung des englischen „godfather“ ist. Der Begriff zur Bezeichnung eines Familienoberhaupts oder eines Mitglieds war immer nur „compare“ („Gevatter“) gewesen. Nach dem Film jedoch begannen die italienischstämmigen Mafiafamilien in den Vereinigten Staaten, anstelle des inzwischen altmodischen „compare“ oder „compariello“ das Wort „padrino“ zu verwenden.

        Nach Tarantino haben sie aufgehört, ordentlich zu schießen! Sie halten den Lauf nicht mehr gerade, sondern schräg und flach. Sie halten die Pistole genauso wie in diesen Filmen, und das hat verheerende Folgen. Sie schießen ihre Opfer in den Unterleib, die Leiste, die Beine und fügen ihnen schwere Verletzungen zu. Also sind sie gezwungen, das Opfer mit einem Genickschuss zu erledigen. Dabei wird sinnlos viel Blut vergossen, eine Barbarei, die dem Zweck der Exekution überhaupt nichts bringt.

        (Auszüge aus dem Buch „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ von Roberto Saviano)

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