Zeichentrick,
Dokumentation
| Deutschland / Frankreich / Israel 2008
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| Hintergrund: Das Massaker von Sabra und Shatila
Im Juni 1982 marschierte die israelische Armee im Süd-Libanon ein, nachdem Israels nördliche Städte seit Jahren von libanesischem Territorium aus bombardiert worden waren. Der ursprüngliche Plan der israelischen Regierung bestand darin, eine 40 Kilometer breite Sicherheitszone zu besetzen, um diesen Bereich von den Abschussbasen zu „säubern“, von denen aus die Palästinenser die israelischen Städte beschossen. Der damalige israe lische Verteidigungsminister, Ariel Sharon, entwickelte einen folgenreichen Plan: den Libanon bis Beirut und einschließlich Beiruts zu besetzen und seinen christlichen Verbündeten Bashir Gemayel als Präsident des Libanons zu installieren.
Das Ziel bestand darin, die Bedrohung des Staates Israel aus dem Norden zu eliminieren und die Front nach Syrien zu vergrößern. Sharon und einige hohe Mili tärs waren die einzigen, die von diesem Plan wussten. Während die israelische Regierung nur für die Operation zur Schaffung der 40-Kilometer-Zone grünes Licht gab, stieß die Armee mit hohem Tempo die ganze Strecke bis nach Beirut vor.
Im August 1982 wartete die israelische Armee am Rande Beiruts immer noch auf den Befehl, die Stadt zu besetzen. Inzwischen wurde ein Abkommen unterzeichnet, dass es allen palästinensischen Kämpfern ermöglichte, aus Beirut evakuiert und auf Schiffen nach Tunesien gebracht zu werden. Als Gegenleistung würde die Armee die Stadt nicht besetzen.
In derselben Woche wurde Bashir Gemayel, Kommandant der „Falangisten“, der christlichen Milizen, zum Präsident des Libanon gewählt. Gemayel galt als außer ordentlich charismatisch – ein moderner junger Mann, gut aussehend, und von allen christlichen Milizsoldaten und ihren Familien sowie von den israe - lischen Führungskräften sehr bewundert. Während er eine Rede im Hauptquartier der Falangisten in Ost-Beirut hielt, wurde Bashir Gemayel durch eine gewaltige Explosion getötet. Bis heute ist nicht bekannt, wer für den Mordanschlag verantwortlich war.
An diesem Nachmittag besetzten israelische Truppen einen Bereich von West-Beirut, in der zu dieser Zeit hauptsächlich palästinensische Flücht linge wohnten, und sie umzingelten die Flüchtlingslager Sabra und Shatila. Gegen Abend stießen große Verbände der Falangisten in die Gegend vor, getrieben von einem tiefen Verlangen nach Rache. Als die Nacht hereinbrach, drangen die Verbände der Falangisten in die Flüchtlingslager von Sabra und Shatila ein, unterstützt von israelischen Leuchtraketen.
Das erklärte Ziel der christlichen Truppen bestand darin, die Lager von palästinensischen Kämpfern zu säubern. Praktisch aber befanden sich keine palästinen - sischen Kämpfer mehr in den Flüchtlingslagern, da sie zwei Wochen zuvor auf Schiffen nach Tunesien evakuiert worden waren. Zwei ganze Tage lang war aus den Lagern Gewehrfeuer und Kampflärm zu hören, doch erst am dritten Tag, dem 16. September, wurde das Bild klar, als Frauen in Panik auf die israelischen Truppen außerhalb des Lagers zuströmten: drei Tage lang hatten die christlichen Verbände alle Bewohner der Flüchtlingslager abgeschlachtet. Männer, Frauen, Alte und Kinder, sie alle wurden mit erschrecken der Grausamkeit getötet.
Bis heute ist die genaue Zahl der Opfer nicht bekannt. Ihre Zahl wird auf 3000 geschätzt. Die Nachricht von dem Massaker schockierte die gesamte Welt, und spontane Proteste von hunderttausenden Israelis zwangen die israelische Regierung, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, um die Verantwortlichkeit der politischen und militärischen Autoritäten zu überprüfen.
Verteidigungsminister Ariel Sharon wurde von dem Ausschuss für schuldig befunden, nicht genug getan zu haben, um den Horror zu stoppen, nachdem er von dem Massaker Kenntnis erlangt hatte. Er wurde aus seinem Amt entlassen. Das hinderte ihn aber nicht daran, sich zwanzig Jahre später zum Premierminister Israels ernennen zu lassen.