Donnerstag | 31. Mai 2012 | 04:45 Uhr
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    Thriller | Südkorea 2008
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      • | Interview mit dem Regisseur

      • Der Film vermittelt den Eindruck von Inkompetenz stattlicher Exekutivorgane in Korea, vor allem der Polizei. War das Ihre Intention?

        Jeder Zuschauer hat das Recht, den Film zu interpretieren, und ich will nicht sagen, dass die Interpretation des Publikums falsch ist. Aus meiner Sicht, so wie ich sie zeige, bemühen sich alle Figuren im Film, das Bestmögliche zu tun. Natürlich können die Reaktionen der Zuschauer auf diese Bemühungen unterschiedlich sein. Manche mögen sie lächerlich und andere einfältig finden. Manche mögen diese Bemühungen fesselnd finden, andere mögen wütend darauf reagieren.

        Jung-ho, die Hauptfigur, tut sein Bestes, um Kim Mi-jin zu finden, aber er macht einen entscheidenden Fehler. Jung-ho sorgt unabsichtlich dafür, dass die Polizei bei ihrer Fahndung in jedem Winkel des Stadtteils (wo Mi-jin in einem Haus gefangen ist), an falscher Stelle sucht. Und das könnte in gewisser Weise der Hauptgrund dafür sein, dass Mi-jin ermordet wird. Dabei tut Jung-ho doch nur sein Bestes, sie zu retten. Würde er als Cop arbeiten, könnte er nicht so herumrennen und sein möglichstes versuchen, um Kim Mi-jin zu finden. Der Film kritisiert nicht das Verhalten von Individuen, er thematisiert das Problem einer Institution.


        Es gibt eine Menge christlicher Symbole im Film. Hat das einen besonderen Grund?

        In Seoul sieht man überall in der Stadt Kirchenkreuze. Diese Realität, dass ein Mord in einer Gegend begangen wird, wo so ein Kreuz ist, wollte ich zeigen. Ich bin selber ein Christ. Ich hatte in keiner Weise die Absicht, Religion zu verdammen.


        Young-min mordet mit Hammer und Meißel, Jesus wurde mit dem Hammer ans Kreuz genagelt - besteht da irgendeine Beziehung?

        Der Grund für den Meißel und Hammer ist aus der Filmhandlung ersichtlich. Wollen Sie nicht auch fragen, ob die Diagnose des Psychiaters richtig ist, dass Impotenz der Grund für Young-mins Taten ist? Wenn Sie das fragen, würde ich nicht antworten, tut mir leid. Was auch immer das Motiv des Mörders ist, ich wollte es dem Publikum nicht entschieden deutlich machen. Im Verhörraum wird Young-min gefragt, ob es Impotenz ist, aber sogar in der Szene wollte ich es nicht klar erklären. Inwieweit kann man überhaupt den Worten eines Verbrechers trauen?

        Kindheitstraumata, Missbildungen im Gehirn oder angeborene Defizite werden gemeinhin als Gründe für Mordlust angegeben, aber daran glaube ich nicht. Young-min ist ein Hund, der verrückt wurde. Er ist ein Hund, von klein auf schon, und er fragt sich immer wieder, ob er so leben kann, ob er verantwortlich ist für seine Taten. Ich dachte mir, dass Young-min menschlich unterentwickelt auf die Welt gekommen ist. Aber nach außen hin, gegenüber der Besitzerin des kleinen Supermarktes, erscheint er vertrauenswürdig. Auch als Arbeiter im Steinmetz-Betrieb wirkt er nicht wie ein Mann, dem man misstrauen müsste.


        Warum wird Jung-hos und Young-mins Vergangenheit nicht beleuchtet?

        Das war natürlich Absicht. Damit der Film gut ankommt beim Publikum. Ich wollte, dass die Leute neugierig werden. Ich weiß nicht, ob das Publikum Jung-ho für humaner hält als Young-min, aber wenn er ihn zusammenschlägt, handelt er selber wie ein Gesetzesbrecher. Eigentlich will ich Menschen wie Young-min oder Jung-ho auch gar nicht verstehen.

        So vermied ich es, zu zeigen, wie die beiden wurden, wie sie sind - irgendwelche Wunden in der Vergangenheit, aufgewachsen ohne Eltern, oder so etwas. Ich wollte dem Publikum keine Hinweise geben, um die beiden Charaktere verständlicher zu machen. Wenn die Leute Spaß haben im Kino beim Anschauen dieses Films, werden sie sich nachher selber darüber Gedanken machen.


        Manche fragen sich, warum das Opfer ausgerechnet eine Prostituierte ist.

        In einem Satz gesagt, dreht sich die Geschichte um eine Frau, die bei helllichtem Tage in der Stadt ermordet wird. Zu der Zeit, als die Yu Young-chul-Serienmorde (an Prostituierten) geschahen, hörte ich in einem Lokal beim Trinken Leute über die ermordeten Frauen reden. Und sie redeten, als würden die ermordeten Frauen nicht zur selben Sorte Mensch gehören wie wir. Wenn solche Leute den Film anschauen, möchte ich, dass sie das Opfer nicht sterben sehen wollen. Darum habe ich keine Szenen gebracht, welche diese Frauen bei der Arbeit zeigen. Ich wollte, dass die Leute Schmerz- oder Schuldgefühle empfinden, wenn sie den Film gesehen haben.


        Wie viele Drehtage gab es? Es soll manchmal 40 Stunden in einem durch gefilmt worden sein.

        Das ist nichts, womit man angeben sollte, das erweckt einen falschen Eindruck. Es gab 84 Drehtage. Es war Sommer, die Nächte waren kurz, und so war es sehr anstrengend, all die Szenen im Dunkeln zu drehen. Ich war ständig unter Druck. Häufig konnte ich nur eine Einstellung drehen, weil die Wettervorhersage sich als falsch erwies. Man muss sich mal vorstellen, was die Crew durchgemacht hat. Wenn ein Drehtag zu Ende war, wurden nach Abschluss der Aufnahmen gleich das Licht und der Set für den nächsten Dreh an einem anderen Ort vorbereitet. Es gab praktisch kaum Zeit zum Schlafen. Unter diesen harten Bedingungen kamen die Dreharbeiten einer Schlacht gleich. Wenn wir zum Shooting gingen, war das ein mühevoller Marsch. Es gab Zeiten, da mussten wir 35 Stunden lang drehen. Das war Wahnsinn.


        Die Nachtszenen sind beeindruckend. Wie hat man das mit dem Licht und all den Requisiten so gut hinbekommen?

        Der Chefbeleuchter, Lee Chol-o, war sehr anspruchsvoll. Er arbeitet übergenau, mehr als ich. Wir hatten nicht genügend Zeit, doch ich gab nicht auf, trotz Beschwerden von Seiten der Crew.


        Gab es auch Ärger mit den Schauspielern?

        Wir hatten gerade eine Woche gedreht, da hatte ich eine Auseinandersetzung mit Kim Yoon-suk, aber es kam zu keinem größeren Kampf. Es war nur etwas heftiger als an anderen Tagen. Es gab Meinungsverschiedenheiten über ein Detail. Am nächsten Tag rief er mich an und sagte, dass ich recht habe und so weitermachen sollte wie ich wollte, da auch er es auf seine Weise machen würde. Das war sehr ermutigend (lacht).

        Nachdem die Schauspieler für die Rollen des Jung-ho und Young-min engagiert waren, war ich ein bisschen enttäuscht, weil diese Figuren nun nicht mehr meine Babies waren. Für die Figur des Young-min habe ich Ha Jung-woo keine Regieanweisungen gegeben, weil er von vorne herein der richtige Typ für die Figur war. Da Ha Jung-woo so ein sensibler Schauspieler ist, habe ich ihn nur indirekt gelenkt, indem ich mit den anderen Schauspielern sprach, und ihn so auf seine jeweiligen Partner vor der Kamera reagieren ließ.


        Die beiden Hauptdarsteller spielten wirklich gut, sie brachten eindringlich die Emotionen der Figuren zum Ausdruck.

        Aus der Perspektive des Regisseurs war es begeisternd zu erleben, wie die Schauspieler aufeinander reagierten, mehr durch ihre Körpersprache als durch Dialoge. Kim Yoon-suk Kim und Ha Jung-woo hatten ein sehr genaues Gefühl dafür. Sie hatten sich vorher schon sehr gut vorbereitet und sprachen am Set dauernd mit mir über ihre Arbeit. Auch bei den Action-Aufnahmen improvisierten sie, und dann reagierten auch die anderen Schauspieler noch besser auf sie. Das war wie ein Wunder.

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